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Schiedsrichter-Affäre:Schicksals-Causa Kempter

Theo Zwanziger will Präsident des Deutschen Fußballbunds bleiben, doch vor dem Spitzentreffen der DFB-Funktionäre wachsen die Irritationen in der Schiedsrichter-Affäre.

Das privilegierte Spitzenamt im größten Verband der Welt lässt Theo Zwanziger natürlich nicht sausen, daran hat nie ernsthaft Zweifel geherrscht in Liga und Verband. Eher genervt hat die DFB-Präsidiumsmitglieder daher Zwanzigers Kokettieren mit Amtsmüdigkeit und Rücktritt, einer erinnert vor der brisanten Freitag-Sitzung in Frankfurt daran, dass sich der Boss erst im März vom Präsidium das Vertrauen attestieren ließ; als "Schrei nach Liebe" beschrieb jetzt die FAZ Zwanzigers Masche.

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"Die Tendenz ist da", sagte Theo Zwanziger über die Absicht, das Amt des DFB-Präsidenten nun doch weiterzuführen.

(Foto: AFP)

Nun also dürfte das Präsidium Zwanzigers neueste Darlegungen zur eigenen Person abhaken, trotzdem ist die Harmonie der Sitzung stark gefährdet. Die Schiedsrichter-Affäre Amerell/Kempter steht ja auch auf der Agenda, und hier zeigt sich wieder, wie dem Chef die Causa zu entgleiten droht. Referee Kempter, der Amerell sexueller Nötigung bezichtigt und zuletzt nicht nur sein Fifa-Prädikat verlor, sondern vom neuen Schiedsrichterstab des DFB in die dritte Liga zurückgestuft wurde, soll schon am Samstag wieder pfeifen. Derweil kämpft Amerell vor Gericht gegen Kempter um seinen zerstörten Ruf, und dem DFB-Präsidium hat er bis 2. August Frist gesetzt, seine Schadensersatzansprüche anzuerkennen.

Der Fall Kempter ist nicht nur für den DFB-Vize Rolf Hocke "Knackpunkt" der Sitzung. In seinem Süddeutschen Fußballverband führte er bis Ende Juni weitere Untersuchungen, Belastendes gegen Amerell fand sich so wenig wie bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg, überall wurde die Causa eingestellt. Nun rügt Hocke die überfallartige Rückführung Kempters in den Profibetrieb. "Ich bin überrascht, dass Kempter schon für diesen Samstag nominiert ist. Wie auch immer das passiert ist: Ob er da pfeift, wird allein im DFB-Präsidium am Freitag entschieden."

Kempter-Krise auch in Südafrika

Hocke pocht dabei auf einen Beschluss des Gremiums bei der WM in Südafrika: "In Pretoria haben wir die Schiedsrichterlisten für erste, zweite und dritte Liga abgesegnet - mit ausdrücklicher Ausnahme der Person Kempter. Weil wir gesagt haben, wir wollen uns erst ein umfassendes Bild zur Sache von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel geben lassen." Schon in Pretoria war das Geschacher um Kempter, den Zwanziger noch im Frühjahr als gesellschaftliches Vorbild herausgestellt hatte, offenbar heftig - in einer ersten Beschlussvorlage soll Kempter gar noch für die Bundesliga vorgesehen gewesen sein.

Wie einige Präsdiumskollegen, die ungenannt bleiben wollen, wundert sich nun Hocke: "Mit Fandel war klar vereinbart: Kempter wird ausgeklammert und erst entschieden , wenn wir Fandel gehört haben." Irritierend in dem Kontext, dass es zu Beginn der Beziehungs-Affäre Kempter/Amerell, als die noch diskret in den Akten von Amtsvorgänger Volker Roth ruhte, just Fandel war, der dem behutsamen Roth Druck machte, den Fall an Zwanziger zu geben: "Wenn du es nicht machst, mache ich es" (Fandel).

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