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Schiedsrichter-Affäre:"166 Mal Liebe und Kuss"

Das Landgericht Hechingen soll klären, ob die Beziehung zwischen Manfred Amerell und Michael Kempter einvernehmlich oder erzwungen war. Es geht um 150.000 Euro Schadensersatz.

Es wird eng an diesem Donnerstagmorgen in Saal 168 des Landgerichts zu Hechingen, die 1. Zivilkammer hat Verfahrensregeln für die aufziehenden Presse-Heerscharen erstellt. Noch unangenehmer dürfte es für die Prozessgegner werden: Das Landgericht rollt die Affäre um Manfred Amerell, 63, und Michael Kempter, 28, auf. Ersterer, einst Schiedsrichterfunktionär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), erhebt Zivilklage gegen den früheren Schiedsrichter, es geht um üble Nachrede und Schadenersatz in Höhe von 150.000 Euro.

Vorerst kein Comeback von Schiedrichter Kempter

Schiedsrichter Michael Kempter muss sich vor Gericht verantworten.

(Foto: dpa)

Im Kern aber geht es um die Frage: Waren ihre wiederholten Intimkontakte, die beide nicht bestreiten, freiwilliger Natur? Oder waren sie erzwungen vom Älteren, gegen den Widerstand des Jungen?

Letztere ist Kempters Version. Er vertritt sie mit eher abschwellender Intensität, seit sie vor einem Jahr ruchbar geworden und - was die Affäre massiv befeuerte - vom DFB eilfertig übernommen wurde. Speziell DFB-Chef Theo Zwanziger profilierte sich an Kempters Seite als Aufklärer; eine Rolle, die ihm nicht mal verbandsintern viel Beifall eintrug.

Kempter hatte im Februar 2010 in Gazetten und im Fernsehen detailliert Amerells Zudringlichkeiten beklagt, angeblich strikt gegen seinen Widerstand. Im April notierte die Staatsanwaltschaft Augsburg dann eine weit moderatere Sichtweise: Laut Akte schloss es Kempter nach zweitägiger Vernehmung nicht aus, dass Amerell eine andere Wahrnehmung gehabt haben könnte bezüglich seines angeblichen Widerstandes. Dieser könnte sehr verhalten ausgefallen sein.

Strafrechtlich hat Amerell die Affäre überstanden, rasch stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn wegen sexueller Nötigung mangels Tatverdachts ein; desgleichen das im Zuge einer Verleumdungsklage Amerells eingeleitete Verfahren gegen Kempter und drei weitere Referees. Amerell prozessiert auch hier weiter. Er legte Beschwerde gegen die Verfahrenseinstellung gegen Kempter ein; die Sache liegt noch bei der Münchner Generalstaatsanwaltschaft.

Und Amerell will mehr. Schon zu Beginn der Affäre hatte er auf die Vorwürfe reagiert: Mit ungenierter Offenlegung des Mail- und SMS-Verkehrs, den Kempter von Mitte 2007 bis Ende Januar 2010 mit ihm gepflegt hatte. Darin wimmelt es von Liebesschwüren, Gedichten, Bildchen, "allein 166 Mal", so Amerell, kämen darin "die Wörter Liebe und Kuss vor". Kempter ließ Amerell zwar verbieten, die Mails weiter öffentlich auszubreiten, vor Gericht aber könnten sie jetzt eine zentrale Rolle spielen.

Die bekannten Passagen deuten auf eine Art Liebesbeziehung, den Eindruck hatte im Juni 2010 zumindest das Essener Landgericht, dem Amerells Mailsammlung vorlag: Diese vermittle "den Eindruck, dass die Parteien einvernehmlich eine Beziehung führten, mit den in einer Beziehung typischen Problemen und Sorgen".

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