Schalkes Trainer Jens Keller Vereinschef Tönnies schimpft am Telefon

Die Verantwortlichen haben es bis jetzt geschafft, eine Verwicklung in die Diskussionen abzuwehren, auch am Montag versicherte Vereinschef Clemens Tönnies dem Sportinformationsdienst, es sei "albern und unverständlich, dass man Jens Keller immer besonders kritisch beurteilt". Tönnies setzte einen Appell dagegen: "Lasst ihn seine Arbeit machen, er steht nicht infrage."

Statt wie üblich den Frust beim Trainer abzuladen, hat sich Tönnies, 57, diesmal vorgenommen, die teuren Profis moralisch in die Pflicht zu nehmen. Neulich nach dem Derby gegen Dortmund (1:3) verblüffte er mehrere Spieler, indem er sie persönlich am Telefon beschimpfte und zu höherer Kilometerleistung aufrief.

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Nach den vielen, nicht immer freiwilligen Trainerwechseln während der vergangenen Jahre sehnt sich Schalke nach Kontinuität im sportlichen Führungsstab, doch es wäre eines der großen Fußballwunder, wenn dies mit Keller gelingen sollte. Bisher haben ihn die - oft mit Kraftakten und Nervenkitzel erzwungenen - Resultate vor Unannehmlichkeiten bewahrt, nach wie vor besitzt Schalke ja in allen Wettbewerben gute Perspektiven.

Aber in Management und Klubführung verkennt man nicht die sportlichen Tatsachen: Den Mangel an mannschaftlicher Dynamik und Geschlossenheit, an Raffinesse, Spielwitz und Begeisterung, von einer markanten Spielidee ganz zu schweigen. Bisher lebt Schalke von den Geistesblitzen der Genies Draxler, Meyer und Boateng oder von jenen Fällen, in denen das Team seine Routine ausspielt.

Heldt hat längst damit aufgehört, Kellers Fachkenntnisse zu rühmen, wie er es bis zum Sommer beharrlich getan hatte. Der Manager mag den Fans nicht mehr widersprechen, die den Fußball in Schalke als Enttäuschung empfinden beziehungsweise als "nicht zufriedenstellend", wie Heldt am Samstag gereizt sagte.

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Müde und resigniert wirkt der Sportchef dieser Tage. Im Sommer hatte er den Vorstand und Aufsichtsrat für kostspielige Investitionen in die Mannschaft gewinnen können. Außer den Talenten Goretzka und Clemens kamen Aogo, Boateng und Szalai nach Gelsenkirchen, Jupp Heynckes' ehemaliger Assistent Peter Hermann verstärkte das Trainerteam.

Die herrschenden Zustände mochte am Samstag nicht mal Keller schön reden: "Ich glaube, wir müssen immer erst mit dem Arsch zur Wand stehen, damit wir die volle Konzentration abrufen", sagte er in Frankfurt nach dem 3:3. Das war doch zumindest mal eine klare Ansage. Für den Verdruss, der aus dem Satz spricht, ist er aber selbst verantwortlich.