Bundesliga Gleich drei Neue für Schalke

Vom Eurofighter vom Trainer: David Wagner.

(Foto: Action Images via Reuters)
  • Schalke 04 wird wohl David Wagner als neuen Trainer verpflichten.
  • Auch zwei Sportchefs sollen kommen: Markus Krösche, derzeit beim Zweitligisten Paderborn, wird gehandelt.
  • Zunächst aber muss Huub Stevens den Klassenerhalt sichern.
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Martin Max hätte selbst schießen können, aber der Torjäger schob den Ball zu seinem Sturmpartner hinüber, und David Wagner hatte keine Mühe, das 1:0 zu erzielen. Diesen Treffer als historisch zu bezeichnen, ist nicht übertrieben, weil fast alles, was 1996/97 bis zum Gewinn des Uefa-Cups passierte, in der 115-jährigen Geschichte von Schalke 04 hervorgehobene Bedeutung hat. Dennoch sind im Laufe der Kampagne wichtigere Tore gefallen als dieses 1:0 durch Wagner im Rückspiel bei Roda Kerkrade. Im Hinspiel hatte Schalke bereits 3:0 gewonnen - sehr zum Verdruss von Kerkrades Trainer, einem Mann namens Huub Stevens, der ein paar Wochen später dadurch entschädigt wurde, dass ihn Schalkes Manager Rudi Assauer verpflichtete.

Nun schließt sich, wie es aussieht, der Kreis der Geschichte: Während Stevens demnächst sein drittes Trainer-Engagement bei Schalke beenden und wieder in den Aufsichtsrat rücken wird, soll David Wagner, 47, im Sommer nach Schalke zurückkehren, um die Arbeit seines früheren Lehrmeisters fortzusetzen. Entsprechende Meldungen aus England, wo Wagner zuletzt beim FC Huddersfield beschäftigt war, werden auf der Geschäftsstelle am Ernst-Kuzorra-Weg nicht bestätigt, aber demonstrativ auch nicht dementiert.

Bundesliga Schalke feiert nach dem Spektakel im Überschwang
Bundesliga-Revierderby

Schalke feiert nach dem Spektakel im Überschwang

In Dortmund entdecken die Schalker wieder Leidenschaft und Wille - reichlich spät, wie auch Trainer Stevens findet. Ihre Fans stimmen Meistergesänge auf den BVB an.   Von Felix Meininghaus

Die Kommandozentrale schweigt, was offenbar nur daran liegt, dass man auf die Gelegenheit wartet, noch weitere Neuigkeiten zu verkünden. Außer dem neuen Trainer will Schalke sehr bald auch den neuen Sportdirektor bekanntgeben sowie ein drittes Personal-Geheimnis lüften: Neben dem Sportchef, der den Klub öffentlich repräsentiert, soll ein Technischer Direktor engagiert werden, der als Kaderplaner eher diskret arbeiten soll. Führender Kandidat für den Posten des Sportdirektors ist wohl Markus Krösche, 38, der zurzeit beim Zweitligisten SC Paderborn den Sport organisiert. Auch mit dem Transferspezialisten, so ist zu erfahren, gibt es offenbar bereits ein Einvernehmen. Noch sind in beiden Fällen aber Vertragsmodalitäten zu klären, Krösche etwa ist noch bis 2022 an Paderborn gebunden.

Zunächst aber muss Huub Stevens den Klassenerhalt sichern

Einiges deutet darauf hin, dass Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider die Planungen beschlussreif forciert hat. Schneider, 48, selbst erst seit Februar im Amt, verfolgte von Anfang an den Vorsatz, die umfassende Neuordnung der sportlichen Führung so weit wie möglich zu synchronisieren. Daraus ergab sich ein komplizierter Ablauf samt zunehmend ungeduldiger Presse-Kommentare. Schneider behielt die Linie trotzdem bei. Dass nun der Name des Trainers, David Wagner, bekanntgeworden ist, lässt darauf schließen, dass es auch in den anderen Personalfragen Fortschritte gibt.

Bei der Trainersuche hatte Schneider zunächst in China vorgesprochen, doch das Thema war schnell erledigt: Roger Schmidt ließ wissen, dass er seinen Vertrag mit Beijing Guoan erfüllen werde. Bei weiteren Sondierungen spielte angeblich auch der Salzburger Coach Marco Rose eine Rolle, der im Sommer nach Gladbach geht. Wagner wiederum hat den Vorteil, die Schalker Verhältnisse nicht nur aus seiner Zeit als "97er-Eurofighter" zu kennen, sondern auch aus räumlicher Nähe: Mehr als vier Jahre war er Trainer bei Borussia Dortmund II, davon drei Jahre in der dritten Liga - mit einer Reihe von prominenten Profis wie Marcel Halstenberg (jetzt Leipzig), Jonas Hofmann (Gladbach) oder Kerem Demirbay (Hoffenheim).

In Huddersfield, wo er 2015 anfing, machte er aus einem Außenseiter der zweiten Liga einen Aufsteiger, im ersten Jahr der Premier League gelang ihm - was als noch größeres Mirakel gilt - der Klassenverbleib. Im Januar 2019 legte Wagner sein Amt nieder, angeblich erschöpft durch den 24-Stunden-Job bei einem englischen Provinzverein, in dem der Trainer nicht nur für Taktik und Aufstellung zuständig ist.

Über Wagner heißt es, dass er sich den Spielern eher über persönliche Ansprache und Charisma nähere als über die Theorie eines Lehrmeisters; als Avantgardist gilt er nicht. In Huddersfield entsprach sein Spielstil, den begrenzten personellen Möglichkeiten folgend, konventionellen englischen Mustern - mit einer soliden Defensive und langen Bällen nach vorn. In Dortmund favorisierte er zuvor Pressing und Blitzkonter. In Schalke hätte er die Aufgabe, ein tief gestürztes Team zu einen und in der Liga zu stabilisieren, was ihm die Kenner kraft Persönlichkeit zutrauen. Zunächst aber muss Huub Stevens den Klassenverbleib sichern, am Sonntag gegen den FC Augsburg.

Bundesliga Wer kommt - und wer vielleicht kommt Bilder

Transfers des FC Bayern

Wer kommt - und wer vielleicht kommt

Der FC Bayern will neue Spieler verpflichten, Uli Hoeneß sagt: "Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben." Die möglichen Kandidaten in der Übersicht.