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FC Schalke 04:Zarte Symptome der Besserung

Schalkes Juan Miranda, links, im Spiel gegen Union Berlin

(Foto: AP)

Mit dem Unentschieden beim 1. FC Union setzt Schalke seine Serie aus nunmehr zwölf Spielen ohne Sieg fort. Immerhin stürzt das Team nicht ins Bodenlose - und der abtretende Finanzchef verkündet neue Zuversicht.

Der FC Schalke 04 ist auch so ein Verein, bei dem man an den Roman Das Gespräch in der Kathedrale denken muss. Beziehungsweise an die Frage, die der Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa dort gleich auf der ersten Seite verewigt hat, die zum geflügelten Wort gerann und die man in schöner Regelmäßigkeit auf Schalke münzen kann: "Wann ging Peru vor die Hunde?" Kaum eine Woche vergeht, in der die Schalker nicht für Volkstheater sorgen, zuletzt kam noch eine handfeste sportliche Krise hinzu. Sie dauert trotz zarter Symptome der Besserung auch nach dem Sonntag an. Denn durch ein 1:1 beim Bundesliganeuling Union Berlin setzte Schalke seine Serie aus nun zwölf Spielen ohne Sieg fort.

Nach der peinlichen Schalker "Härtefall-Affäre", dem bestenfalls ungelenken Versuch, der treuen Stadionkundschaft ein paar Euro einzubehalten, war die Zeit vor der Partie vom Abschied des Schalker Finanzchefs Peter Peters geprägt. Dieser war am Freitagabend publik geworden. In Peters geht ein Mann, der 27 Jahre lang Teil der Schalker Nomenklatura gewesen war.

Er hat sich wohl schon länger mit dem Gedanken ans Aufhören befasst. Der Verein sei darüber auch in gewisser Weise informiert gewesen. Nun sei der passende Zeitpunkt gekommen, weil er in der vergangenen Woche ein Ergebnis erreicht habe, das für Schalke wichtig sei - und für Peters die Gelegenheit bietet zu sagen: Jetzt kann es weitergehen und ich kann abtreten. Offenbar handelt es sich dabei um die Darlehenszusage einer Bank für den klammen Klub.

Peters wollte das zwar nicht näher bestätigen. Aber: "Es geht nicht bergab auf Schalke - das Gegenteil ist der Fall. Alles ist vorbereitet, um durch die Krise zu kommen. Schalke bleibt ein sauber finanzierter eingetragener Verein, der in den vergangenen Jahren als Unternehmen unfassbare Werte geschaffen hat", sagte er am Sonntag der Süddeutschen Zeitung. Es müssten - zur Sicherung der weiteren Finanzierung - lediglich die Verträge unterzeichnet werden. Die Lage sei ernst, aber beherrschbar. Absehbar ist, dass Schalke wohl weitere Schulden machen wird, um die Mannschaft auf ein höheres Niveau zu heben.

Auch in der zweiten Halbzeit hält sich kein Team mit Fragen der Ästhetik auf

Der Bedarf dafür galt schon vor der Partie in Berlin als gegeben, Schalke präsentierte sich nach zuletzt sieben Unentschieden und vier Niederlagen als schlechtestes Team der Rückrunde. So gesehen war es keine Überraschung, dass Union am Sonntag die optimistischere Mannschaft aufbot. Unter den Gesängen eines angeblich zehnköpfigen Männerchors, der aus dem Wald Fanchöre ins leere Stadion brüllte, kam Union rasch zu Chancen: Nach vier Minuten schoss Regisseur Yunus Malli zu zartfüßig auf das Tor von Alexander Nübel. In der 12. Minute aber war der künftige FC-Bayern-Keeper machtlos: Robert Andrich schloss einen Konter, den Schalkes Linksverteidiger mit einem Ballverlust an Anthony Ujah eingeleitet hatte, mit einem Flachschuss zum 1:0 ab. Union blieb nicht nur latent gefährlich, sondern hätte durch Florian Hübner und Ujah erhöhen müssen. Doch in der 28. Minute jagte Jonjoe Kenny den Ball mit einem satten Spannstoß aufs Union-Tor - der 1:1-Ausgleich.

Das Spiel wurde nach diesem Tor nicht besser, aber ausgeglichener - unter dem toleranten Blick von Referee Stieler, dem man am Sonntag das Label Heimschiedsrichter wahrlich nicht anhaften musste. Auch in der zweiten Halbzeit hielt sich kein Team mit Fragen der Ästhetik auf. Beide hatten auch genug damit zu tun, ihre Fehler im Aufbauspiel zu verarbeiten.

Nach der Pause dauerte es bis zur 71. Minute, ehe der erste Schuss auf ein Tor aktenkundig wurde. Unions Marius Bülter versuchte es aus der Distanz, der Ball landete in Nübels Armen. Erst in der 86. Minute musste Nübel eine Glanztat leisten, bei einem Schuss von Schlotterbeck. Doch es blieb beim Remis, das Schalke immerhin vorm Sturz ins Bodenlose bewahrt. Sollte die Mannschaft am Sonntag gegen Leverkusen (18 Uhr) aber wieder nicht siegen, wäre David Wagner der erste Schalker Trainer, der 13 Spiele in Serie nicht mit seiner Elf gewinnen konnte. "Es würde mich alles andere als glücklich stimmen", sagte er zu dieser Aussicht, "aber weder bei einer positiven noch einer negativen Serie geht es um mich."

© SZ vom 08.06.2020/sonn
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