Schalke-Trainer Grammozis:"Mir fehlen die Worte"

Lesezeit: 2 min

Werder Bremen - FC Schalke 04

Dimitros Grammozis beim Interview nach dem 1:1 gegen Werder Bremen.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Wie im Spiel gegen Werder Bremen ein umstrittenes Ausgleichstor in der Nachspielzeit dazu führt, dass Schalkes Trainer Grammozis in einer minutenlangen Rede nichts sagt.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Die längsten Reden sind entweder die Reden, die der Redner angeblich gar nicht hatte halten wollte, oder jene Reden, die der Redner damit beginnt, dass er "nicht viele Worte" machen wolle. Dimitrios Grammozis führte nach dem 1:1 zwischen Werder Bremen und Schalke 04 eine dritte Variante ein: Er hielt eine lange Rede, obwohl ihm, wie er oft betonte, die Worte fehlten, um überhaupt etwas zu sagen. Anlass war Bremens Ausgleichstreffer in der 95. Minute durch einen Elfmeter, den in Ko-Produktion der Kölner Video-Keller und Schiedsrichter Tobias Stieler ermöglicht hatten. Wie Schalkes Trainer zu diesem Vorgang die Worte fehlten, das ist hier dokumentiert - in Auszügen, weil die Rede dann doch zum eindrucksvollen Redefluss anschwoll.

"Ja", begann Grammozis, "ich würde gern viel über das Spiel analytisch sprechen, viel darüber sagen, dass die Jungs 90 Minuten einen Fight abgeliefert haben ... - aber mir fehlen die Worte. Ich bin wirklich schon ein paar Tage dabei im Profifußball, doch was hier heute passiert ist - mir fehlen echt die Worte ... Ich weiß nicht, wie oft ich mir die Szene angeguckt habe: Es ist Handspiel des Spielers von Werder Bremen, danach lässt er sich fallen, weil er den Ball zu weit vorlegt. Herr Dingert im Videokeller hat keinen Druck wie wir hier im Stadion, er hat keinen hohen Puls im Videokeller, er kann sich die Szene 100 000 Mal angucken, ganz in Ruhe ... Frechheit schon, dass er den Herrn Stieler rausschickt, damit er sich die Szene angucken soll. Und dass dann ein Elfmeter dabei rauskommt, also, das habe ich wirklich noch nie erlebt ... Das hat heute alle Rahmen gesprengt, alle Rahmen gesprengt! Die Leute (vom DFB, die Red.) sollten sich echt hinterfragen, ob das der richtige Weg ist. Uns (Trainern) wird immer vorgegaukelt, wir müssten das ganze Spiel über respektvoll sein. Machen wir eine Handbewegung, heißt es gleich: ,Hände runter! Das ist nicht in Ordnung gegenüber dem Schiedsrichter' ... Und wenn sowas wie heute dann passiert, dann sollen wir die Ruhe behalten ... Aber das, was heute passiert ist, das war zu viel. Das war eine Frechheit. Der Elfmeter heute war eine absolute Frechheit, wie ich sie noch nie erlebt habe! Aber den Leuten ist das egal. Denen ist egal, was in der Kabine ist, ob die Jungs niedergeschlagen sind, am Boden liegen, kaputt sind, weil sie sich 90 Minuten den Arsch aufgerissen haben ... Unsere Fans fahren über 1000 Kilometer, damit sie das Spiel sehen. Und dann bekommen sie sowas - das ist eine absolute Frechheit. Eine absolute Frechheit! ... Ich habe den Jungs gesagt, sie können heute wütend sein, sie sollen auch wütend sein ... Wir haben ja die Möglichkeit, uns die Bilder unten nochmal anzusehen, also - das ist wirklich eine glasklare Geschichte. Mir fehlen die Worte. Mir fehlen die Worte. Ich habe keine Worte für diese Entscheidung ... Stieler hat mir gesagt, dass der Spieler von Werder am Fuß getroffen wurde, dass es für ihn ein klarer Elfmeter sei. Ja, da muss ich dann vielleicht noch mal den Schiedsrichter-Schein machen. Weil: Das ist ja nicht mehr normal. Wenn einer ein ganz klares Handspiel plus Schwalbe nicht erkennt. Herr Stieler ist Fifa-Schiedsrichter, er hat das Fifa-Wappen auf dem Trikot. Wahnsinn. Also, mir fehlen echt die Worte."

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