FC Schalke 04 Tedesco hat sein Team verloren

Konsterniert: Domenico Tedesco beim 0:7 in Manchester.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Domenico Tedesco ist ein guter Trainer - aber fast alles, was vergangenes Jahr gelang, geht nun schief. Nach dem Zerfall von Manchester erscheint es nicht sinnvoll, ihn noch länger zu halten.

Kommentar von Milan Pavlovic

Domenico Tedesco hat als 31-Jähriger, ohne Erfahrungen im Profibereich, den Zweitligisten Erzgebirge Aue vor dem Abstieg bewahrt. Mit 32 hat er ein gut bezahltes, aber bestimmt nicht überragendes Team von Schalke 04 auf Platz zwei geführt. Wem so etwas gelingt, der ist fraglos ein guter Trainer.

Mit 33 steht er dennoch vor dem Aus bei den Knappen. Domenico Tedesco ist aber kein Opfer. Gewiss, für die Verletzten-Misere, die phasenweise die komplette Schalker Sturmreihe lahmlegte, kann er nichts. Er konnte auch nicht all das Porzellan retten, das der inzwischen verschwundene Manager Christian Heidel hat fallen lassen. Aber Tedesco hat in seinem Bereich als Trainer einiges falsch gemacht, und vieles geht auf eine Entscheidung der Hinrunde zurück: Er hat im Herbst ohne erkennbaren Grund Naldo vergrault und dann, als schon absehbar war, dass die überragende Persönlichkeit der Vorsaison dringend benötigt werden würde, hat der Trainer die Galionsfigur ziehen lassen. Als Ersatz wurde der ausrangierte Verteidiger Jeffrey Bruma verpflichtet, der seitdem kaum eine Gelegenheit auslässt, um zu beweisen, warum ihn kein Verein mehr wollte.

Champions League Ronaldo rächt sich an Simeone
Drei Tore in der Champions League

Ronaldo rächt sich an Simeone

Es ist sein größter Abend in Italien: Cristiano Ronaldo schießt Juventus mit drei Toren ins Viertelfinale - und leistet sich anschließend eine obszöne Geste.   Von Carsten Scheele

Tedescos minutiöse Pläne sind immer seltener befolgt worden

Ähnlich verlief die ganze Saison. Fast alles, was Tedesco im vergangenen Jahr noch gelang, ging in dieser Saison schief: die Ansprache ans Team verpuffte; kurzfristige taktische Änderungen während der Spiele brachten keine Besserung, sondern Verwirrung; die Versuche, neue Spieler einzubauen oder altgediente zu befrieden, schlugen fehl. All das kulminierte in der fragwürdigen Idee, den nervlich überforderten Ur-Schalker Ralf Fährmann in den Champions-League-Partien gegen Manchester ins Tor zu stellen, wo er sogleich mehrmals patzte.

Dass der Trainer dadurch den vielversprechenden jungen Keeper Alexander Nübel, den er gerade als neue Nummer eins installiert hatte, vor den Kopf stieß, das passt zu der Art, mit der Tedesco sein Team nach und nach verloren hat.

Die minutiösen Pläne, die der Trainer seinen Spielern mitgegeben hat, sind jedenfalls immer seltener befolgt worden. Beim 0:7 in Manchester wirkte die Mannschaft so, als habe sie niemand auf die Spielweise des Gegners eingestimmt. Ob das an der Inkompetenz der Spieler lag oder an den Plänen des Trainers oder daran, dass er sie nicht mehr erklären konnte, ist letztlich einerlei. Denn klar ist: Zwischen Team und Trainer hakt es.

Tedescos Haltung, er werde sich in dieser heiklen Phase nicht verkrümeln, mag deshalb ehrlich und nobel gemeint sein. Aber sie dokumentiert ein falsches Verständnis von Verantwortungsbewusstsein. Ehrlichkeit und Noblesse bringen vielleicht Lob, aber keine Punkte.

Domenico Tedesco ist ein guter Trainer. Aber nicht mehr für Schalke 04.

Champions League Tedesco flüchtet nach der Schmach

Schalkes Aus in der Champions League

Tedesco flüchtet nach der Schmach

Nach dem 0:7 in Manchester schweigen die Schalker Verantwortlichen zur Zukunft von Trainer Tedesco. Dass er noch einmal auf der Bank sitzt, erscheint aber unwahrscheinlich.   Von Philipp Selldorf