Schalke 04 Mit spitzen Grüßen aus Monaco

Auch zwei Wochen nach seinem Wechsel noch Thema auf Schalke: Innenverteidiger Naldo.

(Foto: dpa)
  • Schalke-Trainer Domenico Tedesco wünscht sich mindestens einen Innenverteidiger und Fachkräfte für den Angriff.
  • Naldo dagegen ist nach Monaco gewechselt - der Fortgang des beliebten Innenverteidigers lässt Schalke auch zwei Wochen nach dem Transfer nicht los.
  • Im Kicker weist der Spieler Aussagen von Schalke-Manager Christian Heidel zurück. Es geht um die Gründe seines Wechsels und darum, wie er sich als Reservist verhalten hätte.
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Schwierig sei er, der Wintermarkt, erklärte Manager Christian Heidel Ende der vergangenen Woche in Schalkes Trainingslager in Benidorm. Diese Erkenntnis dürfte ihm zwar nicht neu sein, in Anbetracht der aktuellen Bedürfnisse in seinem Verein fällt sie ihm allerdings besonders unangenehm auf. Vor der Abreise nach Spanien hatte Domenico Tedesco öffentlich aus seiner Wunschliste zitiert, es wurde eine umfängliche Vorlesung: Demnach hat der Trainer beim Sportchef mindestens einen Innenverteidiger sowie Fachkräfte für den Angriff geordert, um den Tabellendreizehnten für die Rückrunde angemessen aufzurüsten. An dieser Aufgabe arbeite der Klub Tag für Tag, versicherte Heidel nun, doch neue Spieler müssten nicht nur "von der Position und vom Typ her" zu Schalke passen, sondern auch wirtschaftlich. Sie dürfen also nicht viel kosten.

Auf der Suche nach dieser raren Spezies mag Heidel gelegentlich an seinen Kollegen Michael Emenalo gedacht haben. Dieser hat früher in ähnlicher Tätigkeit beim FC Chelsea große Summen bewegen dürfen und setzt dieses Werk nun bei seinem nächsten Arbeitgeber fort, dem französischen Tabellenvorletzten AS Monaco.

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Emenalo, 53, hat dem Team des prominenten Trainers Thierry Henry unter anderem einen Linksverteidiger aus Lille für elf Millionen Euro Ablöse sowie den bei Chelsea ausrangierten spanischen Altstar Cesc Fàbregas beschafft; der nächste Neue soll Michi Batshuay sein, Torjäger, belgischer Nationalspieler, Chelsea-Eigentum und im Vorjahr leihweise bei Borussia Dortmund beschäftigt. Außerdem hat Monacos Manager noch einen namhaften Abwehrspieler verpflichtet, den auch Heidel in der Rückrunde gern auf Schalke gesehen hätte: Doch Naldo, 36, ließ sich nicht überzeugen, das Angebot aus dem Fürstentum am Mittelmeer auszuschlagen. Weshalb er bei Heidel intensiv und schließlich erfolgreich um die Freigabe geworben hat.

"Ich bin nicht der Typ, der schlechte Stimmung verbreitet", sagt Naldo im "Kicker"

Naldo ist seit bald zwei Wochen ein Ex-Schalker und Neu-Monegasse, aber das Thema lässt Schalke nicht los. Am Wochenende war das Klagen in der Fangemeinde wieder groß. Obwohl der Januar erst begonnen hat, glaubte mancher Schalker den Witz des Jahres schon zu kennen. Der Scherz hätte darin bestanden, dass sich Abwehrchef Salif Sané - jener Mann, den Tedesco an Naldos Stelle gesetzt hat, weshalb Naldo ging -, dass sich also Sané beim finalen Trainingslager-Testspiel gegen KRC Genk (2:2) am Oberschenkel verletzte und unter Tedescos bangen Blicken vom Feld geleitet werden musste. Sané verletzt und der verprellte Naldo in Monaco - dies wäre ein Ernstfall mit grotesken Zügen gewesen. Schon in der Hinrunde war Schalke mit einem kuriosen Unglück aufgefallen, als sich nahezu alle Angreifer gleichzeitig verletzt oder krank abmeldeten. Immerhin, am Montag gab der Klub bei Sané Entwarnung: Er steht vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining. Die Episode mit Sané ist also kein Unglück und kein Witz - aber doch ein brisanter Fall.

Heidel hatte erklärt, er habe Naldos Antrag vor allem deswegen stattgegeben, weil er Unruhe vermeiden wollte. Naldo könne auf der Ersatzbank zur Quelle schlechter Stimmung werden, fürchtete der Manager, doch dagegen hat sich Naldo im Kicker nun ausdrücklich verwahrt: "Ich bin nicht der Typ, der schlechte Stimmung verbreitet." Als Reservist wäre er im Fall des Bleibens gewiss unzufrieden gewesen, prophezeite er hypothetisch, aber zum Intriganten hätte er sich bestimmt nicht entwickelt. Dass Naldo den Eindruck hatte, die Mitspieler hätten "geschockt" auf seinen Fortgang reagiert, entspricht im Übrigen der Wahrheit. Der Brasilianer war die führende Integrationsfigur in der Mannschaft. Sämtliche Fraktionen des Teams, die Jungen, die Alten, die Deutschen, die Franzosen, suchten und fanden Anschluss bei "Papa" Naldo. "Papai", teilte Mitspieler Weston McKennie liebevoll via Instagram mit, "es ist so traurig, dass du gehst, aber für dich freut es mich wirklich."

Ausnahmsweise ging es dabei um den Sport und nicht ums Geld. Monacos Thierry Henry hatte Naldo - im Gegensatz zu Tedesco - einen Stammplatz im Team zugesagt und damit das entscheidende Argument vorgelegt. Heidels Andeutungen, dass Naldo nicht zuletzt des Gehalts wegen samt Familie aus dem vormaligen Wohnort Düsseldorf an die französische Riviera verzogen ist, weist der Betroffene zurück. Über diese Aussage habe er sich "ein wenig gewundert", sagte Naldo und bemerkte recht spitz, die Schalker Fans wüssten seine Beweggründe "richtig einzuordnen". Es klang, als ob er das Gefühl hätte, man habe ihn diskreditieren wollen.

Immerhin: Schalke hat nun etwas Geld für den dringend benötigten Naldo-Ersatz eingesammelt. Der 1. FC Köln übernimmt - mutmaßlich ablösefrei - den Dauerreservisten Johannes Geis, 25, den Tedesco nicht gebrauchen konnte und ins Oberliga-Team verschoben hatte. Im Sommer 2015 hatte Schalkes Manager Horst Heldt mehr als zehn Millionen Euro Ablöse für den Mittelfeldspieler bezahlt. Dieses Geschäft hatte Heidel damals gut gefallen - schließlich hatte er es selbst ausgehandelt, als er im Namen von Mainz 05 den vormaligen Zweitligaspieler Geis teuer verkaufte. Nun ist Heidel froh, dass ihm die Kölner zumindest für ein halbes Jahr das Gehalt des Spielers ersparen.

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