Schalke gegen Real MadridWiderstand gegen Mourinhos Bestbesetzung

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Dem Dribbelkönig immerzu dicht auf den Fersen: Schalke-Verteidiger Timo Becker (rechts) bei einem seiner vielen Zweikämpfe mit Vinícius Júnior von Real Madrid.
Dem Dribbelkönig immerzu dicht auf den Fersen: Schalke-Verteidiger Timo Becker (rechts) bei einem seiner vielen Zweikämpfe mit Vinícius Júnior von Real Madrid.
Ina Fassbender/AFP

Schalke 04 engagiert Real Madrid für sein Stadion-Jubiläumsspiel. Einige Topspieler der Königlichen sind beim Publikum aber nicht wirklich willkommen.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

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Ob Vinícius „Vini“ Júnior in der folgenden Nacht wirklich vom Schalker Verteidiger Timo Becker geträumt hat, so wie es am Sonntagnachmittag dieser und jener Augenzeuge vermutete? Darüber haben bisher weder die Fachorgane Marca und AS noch der Transferguru Fabrizio Romano berichtet. Aber falls Vini von Becker geträumt haben sollte, dann war es garantiert ein Albtraum.

Becker hatte Real Madrids Linksaußen am Sonntag in der Veltins Arena mindestens so gründlich und so fanatisch verfolgt wie damals der FBI-Agent Eliot Ness den Gangster Al Capone, und so wie vor bald 100 Jahren der Polizist in Chicago handelte nun auch der Schalker Abwehrspieler im Namen des Volkes. Noch bevor er die erste Schwalbe inszeniert oder überhaupt bloß den ersten Ball getreten hatte, war Reals brasilianischer Angreifer schon vom Gelsenkirchener Publikum ausgepfiffen worden.

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So wenig wie dieses Verhalten mit sportlicher Fairness zu tun hat, so eigentümlich erscheint es einem. Mehr als 61 000 Leute hatten Karten für die Partie gekauft, die mit dem Gastauftritt des größten Fußballklubs der Welt die Feier zum 25. Geburtstag des 2001 eröffneten Stadions krönte – und dann buhen zwar nicht alle, aber auch nicht wenige Besucher jene Stars aus, die Real Madrid zur Luxus-Attraktion erheben? Außer Vini wurden auf Schalke ja auch Jude Bellingham und Marc Cucurella wegen ihrer jeweils dunklen Vergangenheit (der eine als Dortmunder Borusse, der andere als „Hand-Spanier“) dauerhaft mit Pfiffen bedacht. Selbst Kylian Mbappé bekam geballten Zorn zu spüren, weil er Nikola Katic attackiert und Schiedsrichter Sören Storks provoziert hatte. Real rächte sich auf seine Weise, indem es dem Gastgeber und Bundesliga-Aufsteiger eine unzweideutige 0:3-Niederlage zufügte.

Doch immerhin: Vinícius Júnior zählte nicht zu den Torschützen, und außer dem erfolgreichen Abfangjäger Becker verließ auch Miron Muslic den Schauplatz der Niederlage mit einem Lächeln. „Nicht unzufrieden“ sei er mit den Eindrücken vom Nachmittag gewesen, meinte der Schalker Trainer, und das sagte er nicht, weil er Real Madrids neuen, alten Coach José Mourinho wegen dessen Wettkämpfermentalität als Vorbild bezeichnet und sich darüber freute, dass das Vorbild später noch bei ihm zum Plausch vorbeigeschaut hatte. Sondern, weil ihm der Auftritt seiner Mannschaft ausdrücklich gefallen hatte.

Die Namen der Startelf Reals riefen bei den S04-Profis eher Stolz als Sorgen hervor

Real Madrid für ein Jubiläum zu engagieren, das ist wegen des Honorars für die Gäste zunächst mal eine finanzielle Herausforderung. Am Ende hat sich die Sache für Schalke dank Preisnachlass seitens der Spanier, Ticket-Verkauf und Extra-Vermarktung rentiert, aber um kurz vor 16 Uhr am Sonntag kam dann auch das erhöhte sportliche Risiko hinzu. Mourinho hatte quasi die Bestbesetzung aufgeboten. Schon bei seinem letzten Besuch mit Real in Gelsenkirchen hatte Schalke 1:6 verloren, 2014 in der Champions League. Und jetzt stand der Aufsteiger mit seiner geringfügig verstärkten Zweitliga-Truppe Mbappé & Co. gegenüber. Ob das pädagogisch sinnvoll sein würde?

Bedenken erwiesen sich jedoch als überflüssig. Schon die Namen der Startelf riefen bei den S04-Profis eher Stolz als Sorgen hervor. „Wir waren froh, dass sie mit der vollen Kapelle spielen und uns ernst nehmen“, berichtete Timo Becker. Die Schalker widerstanden den durchaus seriös spielenden Madrilenen teilweise so überzeugend, dass Muslic später berichtete, er habe auf einmal an Arminia Bielefeld gedacht – an jenes 2:1 gewonnene Spiel auf der Bielefelder Alm im Oktober 2025, nach dem der Trainer einen Slogan für die Verteidigungsarbeit seines Teams geprägt hatte: „Defend until the end, das haben wir auch heute wieder ausgezeichnet gemacht“, fand Muslic am Sonntag.

Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass Kylian Mbappés 0:1 (9. Minute) und Dean Huijsens 0:2 (20.) auf krassen Abspiel- beziehungsweise Abwehrfehlern der Gastgeber beruhten, dass spielerisch nur eine Minderheit der Schalker Elf, namentlich Soufiane El-Faouzi und Adil Aouchiche, halbwegs mithalten konnte, und dass der Doppel-Sturm mit Moussa Sylla und dem Neuling Junior Adamu keinerlei Anwartschaft auf vordere Plätze in der Torjägertabelle erkennen ließ. Edin Dzeko betrat erst zehn Minuten vor Abpfiff den Rasen – Trainingsrückstand. Er sollte, so Muslic, „den Rhythmus spüren, Lunge schwer, Beine schwer, das braucht er jetzt“. Und Schalke braucht den Torjäger Dzeko. „Der Killer-Instinkt vorne muss auf jeden Fall besser werden“, mahnte Torwart Loris Karius.

Für den Trainer waren die Wettbewerbsnachteile des Nachmittags selbstverständlich keine Überraschung. Momente der Überforderung sollten zum pädagogischen Übungsprogramm gehören, sagte er – unter anderem zum Zweck der „gesunden Selbsteinschätzung“, bevor die Mannschaft sich in zwei Wochen beim FC Augsburg zum ersten Erstligaspiel seit 2023 einfindet.

Was Schalke noch fehlt, um den Abstiegskampf in der Bundesliga anzugehen, wurde Muslic abschließend gefragt. „Ich sag’ dir, was noch fehlt“, erwiderte der Coach und zählte auf, wen er gegen Real wegen Verletzung und mangelnder Fitness vermisst hatte: „Es fehlt noch Kenan Karaman, Robin Gosens, Ebimbe, Edin Dzeko, Maxi Wöber. Das sind Jungs mit Qualität und Persönlichkeit. Wir brauchen sie, aber wir bekommen sie auch.“ Hoffentlich, aus Schalker Sicht, noch vor dem nächsten Heimspiel, denn dann kommt wieder eine Art Real Madrid ins Jubiläums-Stadion. Am 5. September schaut der FC Bayern vorbei.

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