Schalke 04:Rangnick steht vor emotionalem Comeback

25 05 2019 xkvx Fussball DFB Pokal Finale RB Leipzig FC Bayern Muenchen emspor v l Ralf Rangn; Rangnick

Hoffenheim, Leipzig - Schalke? Ralf Rangnicks mögliche Rückkehr wird kontrovers diskutiert.

(Foto: Voigt/Huebner/Imago)

Er könnte bei Schalke 04 den Posten des Sportvorstands übernehmen. Seinen Ambitionen, Bundestrainer zu werden, räumt Rangnick keine großen Erfolgsaussichten ein.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

In die fatalistische Stille, die sich zuletzt rund um den FC Schalke 04 gebildet hatte, platzte am Freitagnachmittag eine Serie von Eilmeldungen, die die königsblaue Gemeinde aus ihrem resignierten Zustand aufschreckte. Während der Schalker Aufsichtsrat zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammenkam, verbreiteten verschiedene Medien die Nachricht, dass Ralf Rangnick bereit sei, als Sportvorstand zu dem Klub zurückzukehren, bei dem er bereits zweimal als Cheftrainer gearbeitet hatte. Mehrere Quellen bestätigten der SZ, dass es sich hier nicht um Falschmeldungen handelte. Rangnick, 62, steht einem Comeback in Gelsenkirchen offen gegenüber, auch aus emotionalen Gründen.

Demnach ist der schwäbische Fußball-Experte der Kandidat einer Gruppe von finanzkräftigen Schalke-Freunden, die ein Comeback des 62 Jahre alten Schwaben mit wirtschaftlicher Hilfe für den hochverschuldeten Verein begleiten würden. Wie der Aufsichtsrat, dem elf Mitglieder angehören, auf das Angebot reagiert, ist noch offen. Das Gremium sondiert schon seit Monaten einen Nachfolger für den unlängst verabschiedeten Sportvorstand Jochen Schneider. Im Anschluss an die Sitzung gab der Aufsichtsrat am Freitagabend bekannt, es gebe - anders als berichtet worden sei - noch keine "Voreinigung" mit einem neuen Manager (Rangnick) oder dessen Berater (Marc Kosicke), die Suche nach dem geeigneten Mann bleibe "ein fortlaufender Prozess".

Das Kommuniqué enthält aber auch ein aussagekräftiges Nachwort, das Wertschätzung für den möglichen Rückkehrer ausdrückt: "Unabhängig von den Vorgängen ist und bleibt Ralf Rangnick ein hochgeschätzter Fachmann und gern gesehener Ex-Schalker." Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Jens Buchta erhielt von seinen Kollegen den Auftrag, "die Entscheidung zur Besetzung des neuen Sportvorstands vorzubereiten". Man darf das wohl so interpretieren, dass Buchta aufgefordert wurde, die Option mit Rangnick zu prüfen.

Bisher unbestätigte Hinweise besagen, dass der Aufsichtsrat zunächst Vorbehalte gegen das Angebot geäußert habe. Dabei geht es wohl weniger um den Kandidaten an sich als um die überraschende Präsentation der Offerte samt medialer Begleitgeräusche. Mitglieder der Runde werteten, so heißt es, die Operation Rangnick als eine Art Überfall. Letztlich geht es dabei um Themen wie Vereinsautonomie und Fremdbestimmung.

Bundestrainer wird Rangnick dann entsprechend nicht

Sollte daraus tatsächlich eine Kontroverse entstehen, würde diese sich passgenau in die Chronik des stets zur Zerrissenheit fähigen Traditionsvereins einreihen. Aus einer unverhofften Chance entstünden dann erneut wilde Debatten und womöglich auch heftige Turbulenzen. Der Aufsichtsrat müsste starke Argumente vorlegen, um Ralf Rangnick - und in seinem Gefolge mögliche Geldgeber - abzulehnen. Die Schalker Anhängerschaft würde den ehemaligen Chefcoach sicherlich willkommen heißen. Viele dürften seine Bereitschaft zur Mitarbeit mitten in der Abstiegsdepression als Zeichen der Hoffnung sehen. Seine zweite Amtszeit hatte er nach schönen Erfolgen (DFB-Pokalsieg, 5:2 in der Champions League bei Inter Mailand) im September 2011 wegen eines Burnouts abrupt beenden müssen.

Wenn Rangnick erwägt, den Herkules-Posten auf Schalke zu schultern, deutet das auch darauf hin, dass er seinen Ambitionen, Bundestrainer zu werden, keine große Aussicht auf Erfolg einräumt. Angeblich, verifiziert ist diese Erzählung jedoch nicht, habe ihm der DFB bereits entsprechende Signale gesendet. Vor zwei Tagen hatte Rangnick gesagt, die Stelle des Bundestrainers lasse "in Deutschland keinen Trainer kalt".

Schon Ende September des vorigen Jahres war in Gelsenkirchen ein drittes Engagement des zurzeit vertragslosen Rangnick thematisiert worden. Eine konkrete Annäherung hatte jedoch nicht stattgefunden. In Interviews hatte Rangnick seine emotionale Verbundenheit zu Schalke herausgestrichen, aber klar zu erkennen gegeben, dass er aktuell weder als Trainer noch als Sportchef zur Verfügung stünde. Seitdem ist ein halbes Jahr vergangen - und er hat seine Haltung offenbar überdacht.

© SZ/mok/ebc
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