Schalke 04: Raúl im Gespräch "Die Ereignisse überschlagen sich"

Schalkes spanischer Stürmer Raúl über 16 Jahre Real Madrid, die kuriose Saison, seine Ratschläge an den jungen Julian Draxler - und zwei Tore, die sein Leben veränderten.

Interview: Boris Herrmann

SZ: Señor Raúl González, worüber würden Sie sich gerne unterhalten?

"Nach 16 Jahren bei Real Madrid habe ich einen Wechsel in meinem Leben gebraucht": Raúl über seinen Wechsel zu Schalke 04.

(Foto: dapd)

Raúl: Wie wäre es zum Beispiel mit Fußball?

SZ: Haben Sie nach gut eineinhalb Jahrzehnten als Profifußballer nicht allmählich genug von diesem Spiel?

Raúl: Im Gegenteil. Zurzeit macht es gerade wieder richtig Spaß. Ich stehe immer noch jeden Morgen auf und freue mich wie ein kleines Kind auf das Training. Und erst recht auf das Wochenende. Dieses Gefühl, das man hat, wenn man mit der Mannschaft die Arena betritt, wenn man gewinnt, wenn man Tore schießt, das ist schwer zu übertreffen. Genau deshalb bin ich ja auch nach Schalke gekommen.

SZ: Bis vergangenen Sommer hat man Sie für den ewigen Madrilenen gehalten.

Raúl: Nach 16 Jahren bei Real Madrid habe ich einen Wechsel in meinem Leben gebraucht, eine andere Liga, eine andere Kultur, vor allem aber eine neue Perspektive. Ich bin 33, und solange mein Körper noch mitmacht, will ich so viel wie möglich spielen.

SZ: Beim Abschied im Santiago Bernabéu haben Sie geweint.

Raúl: Real Madrid ist alles für mich. Das ist meine Familie in meiner Stadt. Aber dieses Abenteuer hier in Schalke, das habe ich mir selbst ausgesucht. Und wenn man mit den Füßen in Schalke ist, kann man nicht mit dem Kopf in Madrid sein. Im Moment bin ich hier. Ich will das so intensiv wie möglich erleben. Und wenn ich in ein oder zwei Jahren das Gefühl habe, es ist genug, dann gehe ich wieder zurück. Ich weiß ja, dass sie dort irgendwo im Verein einen Platz für mich freihalten.

SZ: Gibt es ein Tor, das Ihr Leben verändert hat?

Raúl: Ich würde sagen, es gibt zwei.

SZ: Erzählen Sie!

Raúl: Eines war der Siegtreffer im Weltpokalfinale 1998 in Tokio. Real hat 32 Jahre auf diesen Titel gewartet, und wenn man dann kurz vor Schluss zum 2:1 trifft, macht man sich in seiner Stadt natürlich ein paar neue Freunde. Die Leute nennen es "El Gol del Aguanís".

SZ: Und das andere?

Raúl: Das war 1994 in meinem ersten Heimspiel für Real, ein Derby gegen Atlético. Nachdem ich in der Jugend einige Jahre für Atlético gespielt hatte, war das natürlich erst recht etwas Besonderes. Es war aber vor allem das Verdienst meines damaligen Trainers Jorge Valdano.

SZ: Wieso?

Raúl: Er hatte den Mut, einen 17-jährigen Jungen in solch einem Spiel aufzustellen. Wir pflegen seit diesem Tag eine sehr besondere Beziehung. Valdano war so etwas wie ein fußballerischer Vater für mich.

SZ: Und Ihr leiblicher Vater?

Raúl: Der war damals natürlich auch im Stadion. Er war ja Atlético-Fan. In dieser Nacht hat er den Verein gewechselt.

Bundesliga: Spieler vor dem Absprung

Zukunft ungewiss