1:1 in Nürnberg Schalkes nächstes Gruselspiel

Sauer: Huub Stevens.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Schalke 04 holt einen Punkt beim 1. FC Nürnberg.
  • Torwart Alexander Nübel pariert mehrere Großchancen, darunter einen Elfmeter.
  • Trainer Huub Stevens sieht "Zweifel" bei seiner Mannschaft und erkennt, dass der Gegner besser war.
Von Sebastian Fischer, Nürnberg

Huub Stevens ist gesund, das ist eine erfreuliche Nachricht, aber nach Vorstellungen seiner Mannschaft muss er in diesen Tagen schon mal explizit darauf hinweisen. "Ich kann den Kardiologen von mir anrufen", sagte er am Freitagabend im Stadion in Nürnberg, als er über ein 1:1 seines FC Schalke 04 beim Tabellenvorletzten zu reden begann, "das ist auch nötig, glaube ich". Dem Herz gehe es gut, sagte der Trainer, 65, der im Februar 2016 einen Job bei der TSG Hoffenheim wegen Herzrhythmusstörungen beendet hatte. Sein Arzt musste sich nach diesem Abend nämlich durchaus sorgen, dass Schalke seinen Patienten wieder krankmacht.

Es ist ja eine der überraschendsten Geschichten dieser Saison, wie schwach der Tabellenzweite der Vorsaison Fußball spielt, der sogenannte Vizemeister also. Und es ist eine Geschichte, die tatsächlich Woche für Woche dramatischer zu werden scheint. Am Freitag hatte Schalke im fünften Spiel unter Interimstrainer Stevens die Chance, sich immerhin vom Kampf gegen den Abstieg zu entfernen, mit einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten. Doch stattdessen hatte Schalke sehr viel Glück, einen Punkt zu gewinnen. "Da kann ich mir vorstellen, dass die Fans enttäuscht sind", sagte Stevens. Und da hatte er recht.

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"Außer Nübel könnt Ihr alle gehen", sangen die nach Nürnberg gereisten Schalker nach dem Schlusspfiff minutenlang. Alexander Nübel, der Torwart, hatte einen Strafstoß von Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens gehalten, mehrere Großchancen pariert und auch deshalb die Begegnung mitentschieden, weil er in der umstrittensten Aktion des Abends einen Pfiff von Schiedsrichter Robert Kampka provozierte. Behrens hatte kurz vor der Halbzeit nach einer zu kurz geratenen Rückgabe von Schalkes Daniel Caligiuri den Ball vor Schalkes Torwart erwischt und zum vermeintlichen 1:0 getroffen, Kampka pfiff jedoch Foulspiel, ohne die Meinung des Videoassistenten abzuwarten. Ein Fehler, den er im Gespräch eingesehen habe, wie Nürnbergs Trainer Boris Schommers hinterher erzählte. "Eine klarste Fehlentscheidung, die darf nicht passieren auf diesem Niveau", sagte Schommers. Der Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war dagegen ein schmeichelhafter für Nürnberg gewesen.

Doch der Club, in den vergangenen Wochen und Monaten im Kampf gegen den Abstieg schon oft abgeschrieben, blieb auch danach ganz eindeutig die bessere Mannschaft, immer wieder initiierte Mittelfeldspieler Matheus Pereira kluge Angriffe, immer wieder parierte Nübel, zweimal herausragend gegen Behrens und Sebastian Kerk. Aber nach 82 Minuten hatte selbst der Juniorennationaltorwart keine Chance, als Yuya Kubo, übrigens völlig ungestört zwischen zwei Schalker Verteidigern, nach einer Flanke von Pereira per Kopfball traf. Kurz sah es so aus, als wäre Nürnberg bis auf einen Punkt an den Relegationsplatz herangerückt, und es wäre das schlüssige Resultat des Abends gewesen. "Dieses Spiel hatte nur eine Mannschaft verdient zu gewinnen und das waren wir", sagte Schommers. Doch in der 85. Minute fälschte Matija Nastasic einen Schuss von Omar Mascarell ins Tor ab. Ein Treffer nach einer Ecke, kein durchdachter Spielzug, ein solcher gelang Schalke den ganzen Abend lang nicht.

Es war am Ende trotzdem ein Spiel, in dem sich der 1. FC Nürnberg vergewissert hatte, auf Bundesliganiveau bestehen zu können und in den letzten fünf Saisonspielen weiter auf die Relegation hoffen zu dürfen. Fast 60 Prozent der Zweikämpfe hatte der Club gewonnen. Entsprechend war es ein Spiel, nach dem Schalkes Stürmer Guido Burgstaller über die wütenden Gesänge der Fans sagte: "Nach der Leistung haben wir uns das eventuell verdient." Stevens erklärte diese Leistung auf Nachfrage in der Pressekonferenz mit einem Wort: "Zweifel." Er sagte wörtlich: "Zweifel. Schlechter Ratgeber. Du darfst nicht zweifeln." Dann starrte er grimmig in die Luft. Er musste schon noch einmal gefragt werden, woran seine Spieler denn eigentlich seiner Meinung nach gezweifelt hatten. "Weil der Gegner aggressiver und besser war", sagte er.

Wenn Schalke 04 nach dieser Saison weiterhin ein Bundesligist ist, wird es übrigens eher daran gelegen haben, dass die weitaus geringer ambitionierte Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg noch schlechter war als Schalker, die nun in den vergangenen elf Spielen nur ein einziges Mal gewonnen haben, gegen den Tabellenletzten Hannover. Aber selbstverständlich werden sie Huub Stevens im Sommer dennoch danken und fortan seine knurrenden Antworten vermissen, ihn feiern und hoffentlich kerngesund in den Ruhestand entlassen.

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