Schalke 04 nach dem Revierderby "Irgendwie komische Fußball"

Tedescos Umgang mit dem 36 Jahre alten, allseits gepriesenen Führungsspieler ist überaus rätselhaft. Im Vorjahr hatte der Brasilianer in jedem Spiel und in jeder Spielminute der Abwehr vorgestanden. In dieser Saison hat ihn der Trainer vom Rotationsspieler zum Reservisten degradiert, derweil der Klub den Vertrag mit Naldo um ein Jahr verlängert hat.

Vertreter des Vereins schwören, es habe keinerlei Zwist oder Vorfall zwischen Trainer und Spieler gegeben, im Gegenteil: Tedesco sei Naldo voller Verehrung und Zuneigung verbunden. Aber er habe eben auch die Überzeugung gewonnen, dass nicht mehr Naldo, sondern Salif Sané der richtige Abwehrchef sei. Warum Naldo dann aber gleich völlig weg vom Fenster ist? Ja, es ist rätselhaft.

Gleichwohl wären Tedescos Pläne fürs Derby fast aufgegangen. Schalke sorgte durch destruktive Gegenwehr dafür, dass die Dortmunder trotz der frühen Führung durch Delaneys Freistoßkopfball (7.) ihre überlegenen spielerischen Mittel nicht effektiv einsetzen konnten. Mit ihrem strapaziösen Pressing schafften es die Schalker, eine Art Patt herzustellen. Mehr allerdings gelang ihnen nicht, unter anderem weil Bentaleb und Rudy im Mittelfeld ein Zentrum für Ballverluste und allgemeine Verunsicherung bildeten.

"Wir haben mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, es gut zu machen", sagte der Kapitän Ralf Fährmann, und so wie dieser Satz klingt, so hat das alles ausgesehen. Mangels reeller Torchance darf es als Kunst gelten, dass trotzdem der Ausgleich glückte: Mit einem von Caligiuri verwandelten Elfmeter. Dass alle drei Treffer der vergangenen drei Pflichtspiele aus Strafstößen resultierten, ist eine bezeichnende Bilanz.

Das Derby hatten die Schalker als Chance auf einen symbolisch wertvollen Erfolg gesehen. Umso mehr sehen sie sich jetzt der bitteren Wirklichkeit ausgeliefert, inklusive erster amtlicher Abstiegskampfwarnungen durch Manager Christian Heidel ("Wir stehen da hinten und kommen da momentan nicht raus"). Dem Erzrivalen war dieser ungleiche Kampf nicht mal Polemik wert. Gefragt, ob er als Traditionsdortmunder die 22 Punkte Vorsprung auf die Königsblauen genieße, antwortete Borussias Sportchef Michael Zorc: "Das ist nicht unser Thema." Damit drückte er nicht Höflichkeit, sondern Desinteresse aus.

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