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Schalke-Manager Heldt:"Ich werde aufrecht wieder rausgehen"

1. BL - 15/16 - Schalke 04 vs. Hertha BSC Berlin

Lächelnd nach unten: Schalkes Sportdirektor Horst Heldt beim Spiel gegen Hertha BSC.

(Foto: bremehr/fotostand)

Diese Szenen und Bilder, die in den letzten Zügen einer vorwiegend mühseligen Partie plötzlich den explosiven dramaturgischen Höhepunkt bildeten, haben Horst Heldt dann doch wieder mit dem merkwürdigen Kosmos namens Schalke versöhnt, der ihm in den vergangenen Tagen so viel Bitternis beschert hatte. In diesen Sekunden war der Manager genauso glücklich wie das Gros des Publikums in Gelsenkirchen und wie die Fußballer, die sich in wilder Ekstase auf dem Rasen übereinanderwarfen, um ihre Freude über Max Meyers 2:1-Siegtreffer gegen Hertha BSC miteinander zu teilen.

Die komplette Ersatzbank-Belegschaft, der Trainer André Breitenreiter und auch das wasserköpfige, dicknäsige Maskottchen Erwin stürmten hinzu, um sich mit dem feiernden Menschenknäuel zu vereinigen. Auf den Rängen tobten die Leute auf aberwitzige Weise. Der Berliner Alexander Baumjohann wollte das alles nicht begreifen, obwohl er selbst jahrelang an diesem Ort zu Hause gewesen war. "Die Schalker lassen sich abfeiern, als wären sie Weltmeister geworden", motzte er.

Horst Heldt hingegen schwärmte später, dass dies ein Tag sei, "der macht einen einfach nur stolz". Seine starken Empfindungen hatten allenfalls am Rande mit dem angestrengten Auftritt gegen eine Hertha zu tun, die 70 Minuten in Unterzahl zurechtkommen musste und zu zehnt beinahe ein 1:1 heimgebracht hätte. Es ging dem Manager stattdessen um das Menschenknäuel mit Maskottchen, "so viel Emotionalität, so viel Inbrunst", so viel Gemeinsamkeit - das war es, was Heldt beglückte, nicht zuletzt deshalb, weil er sich selbst als Stifter dieser neuen Schalker Gemeinschaft betrachtet. Und ein bisschen Pathos durfte schon sein an diesem Tag, an dem der Sportchef damit angefangen hat, sich von Schalke 04 zu verabschieden.

Wie viele Spiele der 45-Jährige noch als Amtsperson in der Arena erleben wird, das weiß er wohl selbst noch nicht. Am Donnerstag steht ein Europacup-Spiel gegen Sparta Prag an, bis dahin wird es wohl eine amtliche Statusmeldung geben - ob Heldt bis zum Saisonende die Arbeit fortsetzen wird (eher unwahrscheinlich) oder schon vorher aus dem Dienst scheidet.

Ob der Mainzer Heidel kommt, ist noch offen - aber Heldt will das Ende selbst bestimmen

Die sportlichen Geschäfte wird Heldt demnächst in andere Hände übergeben, möglicherweise in die seines Mainzer Kollegen Christian Heidel, 52, den der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies als Nachfolger ausersehen hat.

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Ob Heidel sich tatsächlich aus Rheinhessen ins Ruhrgebiet locken lässt, und wie er das in Anbetracht seines bis 2017 datierten Vertrags mit dem FSV 05 zu regeln gedenkt, ist allerdings noch offen. Fest steht offensichtlich nur, dass Heldt aus dem heimlichen Werben um den Mainzer Kollegen die Konsequenzen gezogen hat. Clemens Tönnies hat durch die vermeintlich diskrete Kontaktaufnahme mit Heidel - im Anschluss an die vermeintlich diskreten Kontaktaufnahmen mit Michael Reschke (FC Bayern) und Max Eberl (Mönchengladbach) - Tatsachen geschaffen, nun hat auch Heldt für Fakten gesorgt.