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Krise bei Schalke:Ein Champions-League-Klub? Diese Vision ist kaum noch haltbar

Auf den Mitgliederversammlungen hatte Tönnies Jahr für Jahr einer Schalke AG abgeschworen und das folkloristische Modell des "Kumpel- und Malocherklubs" gefeiert. Nicht nur der Schock der Corona-Krise mit den Einnahmeausfällen des laufenden Notbetriebs und zwischenzeitlich akuten Existenzängsten lässt die Verantwortlichen nun aber umdenken.

Finanziell fällt Schalke immer weiter hinter die Konkurrenz zurück, mit Sorge sehen die Gelsenkirchener, dass außer der solide geführten Borussia aus Mönchengladbach auch ein Verein wie Hertha BSC durch die rätselhaft großzügigen Gaben des Investors vorbeigezogen ist. Nicht zu reden von Bayern München und Borussia Dortmund, den Werksklubs aus Leverkusen und Wolfsburg mit ihren fürsorglichen Mutterkonzernen; oder RB Leipzig, das von seinem Gönner Red Bull soeben um 100 Millionen Euro Schuldenlast erleichtert wurde. Die Vision, sich in diesem Umfeld als Champions-League-Klub zu behaupten, der Schalke vor ein paar Jahren zuverlässig gewesen ist, ist kaum aufrechtzuerhalten. "Wenn diese Vereine sportliche Probleme haben, dann wird Geld nachgeschossen. Wenn wir ein schlechtes Jahr haben, dann fehlen uns 30 Millionen", sagt ein Schalker Funktionär.

Im Sommer kehren einige kostspielige Leihspieler zurück

Derzeit befindet sich die Mannschaft im zweiten schlechten Jahr hintereinander, im Angesicht von einem Schuldenstand in der Nähe von 200 Millionen Euro ist die Perspektive für eine schlagartige Niveauverbesserung des Kaders nicht rosig. Erst mal muss man damit umgehen, dass im Sommer eine Reihe kostspieliger Leihspieler zurückkehren wird, etwa Sebastian Rudy, Nabil Bentaleb und Mark Uth.

Peter Peters hat eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung und die Anwerbung von Anteilsnehmern tendenziell skeptisch beurteilt, aber er war allzeit flexibel genug, seine Meinung anzupassen, sein Fortgang wird also keinen Einfluss auf die Debatte haben. Zudem ist schnelle Hilfe durch externe Geldgeber nicht zu erwarten. Wer sollte der starke Partner sein, der Schalke mit Millionen versorgt? Ein Einstieg des Hauptsponsors Gazprom gilt als unwahrscheinlich, allein schon, weil er politisch heikel wäre. Ohnehin würde es wenigstens zwei Jahre brauchen, bis eine Umwandlung realisiert werden könnte, drei Viertel der Mitglieder müssten dem Plan zustimmen, die nächste Hauptversammlung ist aus gegebenem Anlass auf einen unbestimmten Tag verschoben.

Der FC Schalke 04 wird sich erst mal selbst helfen müssen. Einstweilen mit einem Restvorstand.

© SZ vom 09.06.2020/tbr/ebc

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