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Krise bei Schalke:FC Härtefall 04

FC Schalke 04 - FC Augsburg

Privilegierte Plätze, gruseliges Programm: Finanzchef Peter Peters, der nach 27 Jahren den Klub verlässt, schaut bei einem der missglückten Geisterheimspiele von Schalke 04 aus dem Fenster einer Ehrenloge. Auch Klubchef Clemens Tönnies (vorne, links) und Aufsichtsrat Jens Buchta leiden mit.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Der Rücktritt des Finanzvorstands Peters löst auf Schalke Turbulenzen aus. Gerüchte über eine Insolvenz werden dementiert - aber die Vision vom Champions-League-Klub ist kaum aufrechtzuerhalten.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Am Freitagabend um halb sechs gab Schalke 04 bekannt, dass Finanzvorstand Peter Peters nach 27 Jahren Zugehörigkeit zur Vereinsführung um die Auflösung seines Vertrages gebeten habe. Diese Mitteilung führte zwar nicht zu Sondersendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm, aber zu Aufsehen in der Branche. Jenseits von Gelsenkirchen mag der gemeine Fan kein Bild von Peters haben, doch in der Liga ist er ein bekannter und verbundener Mann, nicht nur wegen seiner vermeintlichen Lebensstellung auf Schalke, sondern auch als Inhaber verschiedener Posten bei DFL und DFB.

Über die Gründe seines überraschenden Abschieds gab es daher eine Menge Spekulationen. Mal wurde weitergetragen, er sei geflüchtet, weil Schalke in den Verdacht der Insolvenzverschleppung geraten könnte; mal hieß es, er habe Bankenvertreter beschimpft und sei deswegen zum Abschied genötigt worden. Zeitungen berichteten, man habe ihn abgesetzt, nachdem in seiner Verantwortung der Verein auf denkbar peinliche Weise versucht hatte, die Dauerkartenbesitzer von der Realisierung ihres Anspruchs auf Kostenerstattung abzuhalten, Stichwort: "Härtefallantrag". Peters wiederum erklärt, er habe selbst entschieden aufzuhören, und zwar aus Amtsmüdigkeit - und ganz gewiss nicht wegen eines "unglücklichen Formulars". Der freiwillige Rücktritt ist die Version, die der Verein bevorzugt, niemand wird ihr öffentlich widersprechen.

Tatsache ist, dass der Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Clemens Tönnies keine Anstrengungen unternommen hat, Peters zum Bleiben zu überreden. Dazu hat wohl auch das "unglückliche Formular" beigetragen, welches der Vorstandskollege Jochen Schneider am Wochenende als "unglaublichen Fehler" bezeichnete.

"Es geht nicht bergab auf Schalke - das Gegenteil ist der Fall"

Schwerer ins Gewicht fällt jedoch, dass sich Peters und Tönnies, der seit 2001 dem Gremium vorsteht, zuletzt offenbar nicht mehr ganz so einig waren, wenn es um die Gestaltung der Vereinspolitik ging. Ein Skandal ist das freilich noch nicht, und auch das Raunen in den Zentralen anderer Klubs, dass in Gelsenkirchen womöglich der Konkurs bevorstehe (oder gar kriminell verschleiert werden sollte), entspricht nach Aussage der Beteiligten nicht der Wahrheit. Schalke, wird versichert, sei wie viele Klubs und Unternehmen durch Corona in Schwierigkeiten geraten, aber keineswegs akut von Insolvenz bedroht.

Der SZ sagte Peter Peters, er gehe guten Gewissens, weil er seine Arbeit gemacht und dem Verein das nötige Geld besorgt habe: "Es geht nicht bergab auf Schalke - das Gegenteil ist der Fall. Alles ist vorbereitet, um durch die Krise zu kommen. Schalke bleibt ein sauber finanzierter eingetragener Verein, der in den vergangenen Jahren als Unternehmen unfassbare Werte geschaffen hat."

Die Frage ist, wie der FC Schalke künftig aussehen soll. Ob er als e. V. weiterhin im Alleinbesitz der 150 000 Mitglieder verbleiben oder mittels einer Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft zur besser finanzierten Konkurrenz aufschließen soll - das ist das Thema, dem sich die Klubführung nun offener als bisher zuwenden will. Vor ein paar Wochen, nach dem Punktspiel in Dortmund (0:4), überraschte Clemens Tönnies seine Aufsichtsratskollegen und die Vorstandsmitglieder, indem er öffentlich eine grundlegende Reform der Geschäftsform in Aussicht stellte. "Diese Diskussion müssen wir jetzt führen", es sei seine "Aufgabe, das anzustoßen". In Wahrheit hat der Aufsichtsrat diese Diskussion schon früher geführt - im Wissen darüber, dass es sich um eine sensible Sache handelte. Das Traditionsbewusstsein in der Anhängerschaft gilt als besonders ausgeprägt.

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