Nachruf auf Manfred KreuzSchalkes letzter Meisterspieler

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Der HSV ist besiegt, Schalke ist deutscher Meister: Damals ahnten wohl weder Manfred Kreuz, vorne links neben Torhüter Manfred Orzessek, noch die Gelsenkirchener Fans, dass es bis heute die letzte Meisterschaft des FC Schalke 04 bleiben sollte. Kreuz erzielte im Endspiel von Hannover den Treffer zum 3:0-Endstand.
Der HSV ist besiegt, Schalke ist deutscher Meister: Damals ahnten wohl weder Manfred Kreuz, vorne links neben Torhüter Manfred Orzessek, noch die Gelsenkirchener Fans, dass es bis heute die letzte Meisterschaft des FC Schalke 04 bleiben sollte. Kreuz erzielte im Endspiel von Hannover den Treffer zum 3:0-Endstand.
Horstmüller/Imago

Mit dem FC Schalke 04 gewann Manfred Kreuz 1958 die deutsche Meisterschaft. Nun ist er mit 90 Jahren gestorben.

Nachruf von Philipp Selldorf

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Am 18. Mai 1958 wurden 85 000 Zuschauer im Niedersachsenstadion in Hannover Zeugen eines Ereignisses, von dem damals niemand geahnt hatte, dass es eine Art Meilenstein darstellen würde: Der FC Schalke 04 wurde deutscher Fußballmeister. 1958 war das noch keine Weltsensation, wie es das heute wäre. Zum siebten Mal bereits ging die Trophäe nach Gelsenkirchen – bis auf Weiteres allerdings auch zum letzten Mal. Am Donnerstag erinnerte der Klub aus traurigem Anlass an diesen Tag, als er den Tod von Manfred Kreuz anzeigte. Aus der Endspielelf von damals ist somit kein Beteiligter mehr übrig, der aus erster Hand von Schalkes bis dato letztem Titeltriumph erzählen kann.

Kreuz, der 90 Jahre alt wurde, war in Hannover der Schütze des Treffers zum 3:0 im Finale gegen den Hamburger SV. Mannschaftskapitän Berni Klodt, 1954 mit der Nationalmannschaft Weltmeister geworden, hatte schon nach einer halben Stunde für den 2:0-Vorsprung einer souverän aufspielenden Schalker Elf gesorgt, Kreuz setzte zehn Minuten vor dem Abpfiff den Schlusspunkt.

Tagsüber im Finanzamt, nachmittags im Training auf der Glückauf-Kampfbahn, so begann seine Karriere

Kreuz’ Weg zu den Knappen begann Mitte der 1950er-Jahre, wie die Geschichtsschreibung des Klubs besagt: Entdeckt wurde er von Ernst Kuzorra – einem der Hauptakteure des Schalker Kreisels in der erfolgreichen Vorkriegszeit – und dem Trainer Edi Frühwirth beim lokalen Klub SC Hassel. 1956 wechselte der talentierte Offensivspieler zum FC Schalke. Dabei hatte er schon eine Ausbildung beim Finanzamt begonnen. Tagsüber am Schreibtisch der Behörde, nachmittags im Training auf der Glückauf-Kampfbahn, so begann seine Karriere.

Später führte Manfred Kreuz die Mannschaft als Kapitän durch schwierige Bundesliga-Zeiten. Ein „klarer moralischer Kompass“ habe ihn ausgezeichnet, hebt Schalke im Nachruf hervor. Offenbar galt das nicht für alle Königsblauen in der noch jungen Bundesliga. Der Klub ging durch schwere Zeiten mit Abstiegskämpfen und Skandalen.

Bis 1968 trug Manfred Kreuz die Kapitänsbinde, dann beendete er seine aktive Karriere. 135 Oberliga- und 83 Bundesligaspiele sowie eine Handvoll Einsätze im Europacup sind verzeichnet. Später trainierte er die Schalker Amateure, gehörte bis 2013 dem Ehrenrat an und wurde zum Ehrenspielführer sowie Mitglied des Ehrenpräsidiums berufen. Aus den öffentlichen Debatten hielt er sich heraus, aber bis zuletzt ging Kreuz regelmäßig ins Stadion und blieb ein treuer Schalker.

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