Schalke in den Playoffs zur Champions League:Unbeteiligte geraten in die Auseinandersetzung

Es geht um den Namen des Landes, Makedonien ist ja auch jener griechische Landstrich, deren Hauptstadt Thessaloniki ist. Außerdem leiteten die Griechen aus der mittlerweile geänderten ersten Verfassung der jungen Republik Mazedonien territoriale Ansprüche des Nachbarn ab. Erst nach zähen Verhandlungen wurde die ursprüngliche Staatsflagge Mazedoniens, die sechszehnstrahlige Vergina-Sonne, die Griechenland zu seinem kulturellen Erbe rechnet, durch eine achtstrahlige Sonne ersetzt.

Auf Schalke hing nun eine Version mit sechzehn Strahlen, allein das Aufhängen dieser Flagge erfülle den "Straftatbestand der Volksverhetzung", sagte eine Polizeisprecherin der ARD. Deshalb forderten die Beamten die Ultras - wohl zunächst telefonisch - auf, das umstrittene Transparent zu entfernen. Nachdem erste Versuche gescheitert waren, die Anhänger das Tuch entfernen zu lassen, wurde der Block gestürmt.

Auch Unbeteiligte gerieten in die Auseinandersetzung, kaum noch jemand auf der Nordkurve konnte das Spiel verfolgen, erfahrene Stadionbesucher berichteten von "großer Angst", und davon, dass sie ihre Kinder nicht mehr mit ins Stadion bringen werden, solange sie fürchten müssen, dass die Polizei derartige Operationen durchführt.

Auch Verantwortliche von Schalke kritisierten das Eingreifen der Polizei. "Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig, wir können dies absolut nicht gutheißen und bringen dafür nicht das geringste Verständnis auf", sagte Finanzvorstand Peter Peters und forderte eine Aufarbeitung des Falls.

Manager Horst Heldt zürnte angesichts der Vorkommnisse. Ob am kommenden Wochenende beim Spiel in Hannover Ähnliches zu befürchten sei, wenn die Schalker Fans "eine Flagge mit Symbolen von Eintracht Braunschweig", dem Erzrivalen des kommenden Gegners, aufhängen, fragte er sich. Zumal der griechische Block mit dem Abfeuern von Kanonenschlägen nicht nur provoziert, sondern im Gegensatz zu den offenbar unbelehrbaren Schalker Ultras auch die Gesundheit der Besucher gefährdet hatte. "Eigentlich hätte die Polizei hier eingreifen müssen, wenn sie schon auf eine Tribüne geht", sagte Heldt.

Die Gelsenkirchener Polizei rechtfertigte dagegen den Einsatz. "Zur Sicherung des polizeilichen Einsatzes und insbesondere zum Schutz der eingesetzten Kräfte war ein massiver Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock notwendig", heißt es in einer Mitteilung am Donnerstagvormittag.

Als hätten die Schalker wegen der katastrophalen Spiele nicht schon Ärger genug, müssen sie sich nun also auch noch mit dieser Sache auseinandersetzen. Ein ungünstigerer Saisonbeginn ist kaum vorstellbar. Zumal nach Klaas-Jan Huntelaar nun auch noch Jefferson Farfán auszufallen droht. Er zog sich bei einem Zusammenprall in der Schlussphase der Partie eine schwere Knöchelprellung zu. Dies teilte der Klub nach einer Untersuchung am Donnerstag mit. Sein Einsatz im Bundesligaspiel bei Hannover 96 am Samstag und im Rückspiel in Saloniki am kommenden Dienstag ist gefährdet.

Irgendwie ist vor dem Hintergrund all dieser Schreckensereignisse sogar verständlich, dass die Schalker ihre Leistung nach so einem Abend ein wenig beschönigen.

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