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TSG Hoffenheim:Sebastian Rudy - plötzlich Chef

TSG 1899 Hoffenheim v SV Darmstadt 98 - Bundesliga

Zentrale Figur der Hoffenheimer: Sebastian Rudy (Mitte), hier gegen Darmstadts Hamit Altintop.

(Foto: Simon Hofmann/Getty Images)

Um die immer stärkeren Leistungen von Sebastian Rudy in dieser Saison zu verstehen, muss man zurückblicken auf den Sommer 2016. Bundestrainer Joachim Löw hatte den Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim damals am Ende der Vorbereitung aus seinem EM-Kader gestrichen. Die "größte Enttäuschung" seiner Laufbahn sei diese Entscheidung gewesen, sagt Rudy. Die ersten beiden Wochen der EM verbrachte er "traurig" vor dem Fernseher, danach fuhr er in den Urlaub: "Diese Nichtnominierung löste ein Jetzt-erst-recht-Gefühl bei mir aus. Ich habe mir gesagt: Ich will unbedingt wieder zurück."

Knapp acht Monate später kann man sagen: Sebastian Rudy ist an diesem Rückschlag nicht verzweifelt, sondern gewachsen. Im November spielte er wieder für Deutschland gegen Italien, zum Jahreswechsel wurde sein Wechsel zum Rekordmeister FC Bayern München im Sommer bekannt und mit der TSG Hoffenheim steht er auf Tabellenplatz vier.

"Sebastian findet immer mehr sein Entscheider-Gen"

Rudy steht symbolisch für den Wandel der TSG von einem Abstiegskandidaten in eine Spitzenelf. Aus einer Mannschaft, die auf ihr Glück wartete, ist in nur einem Jahr unter dem Trainer Julian Nagelsmann eine geworden, die ihr Glück sucht - und aus dem scheinbar ewigen Talent Rudy ein Anführer. Nagelsmann sagt: "Sebastian findet immer mehr sein Entscheider-Gen."

Nach seiner Ausbildung beim VfB Stuttgart hat der schmächtige Junge mit der großen spielerischen Veranlagung in Hoffenheim fast sieben Jahre gebraucht, um zum dominanten Spieler zu wachsen, meist führt er seine Elf als Kapitän aufs Feld: "Ich denke, dass ihm auch das Kraft gibt", sagt Nagelsmann: "Er weiß, dass ich ihm vertraue." Ein lauter Taktgeber ist der Fußballer mit dem Teenager-Blick nicht, aber er hat gelernt, sich auf seine Art Respekt zu verschaffen. Im Kraftraum holt er sich dafür die Stabilität. "Sebastian hat gemerkt, dass er Spiele nicht nur ballsicher lenken und gestalten, sondern sie auch entscheiden kann", sagt Nagelsmann.

Exemplarisch für diesen Fortschritt sei jene Szene vor dem 2:0 in der vergangenen Woche gegen Darmstadt. Rudy sprintete in der Nachspielzeit 50 Meter in den gegnerischen Strafraum und erzwang einen Elfmeter, den Andrej Kramaric verwandelte. "In solchen Aktionen sieht man, dass er gelernt hat, sich und seinem Talent aufzuzwingen, Spiele zu entscheiden", findet Nagelsmann.