Ein schlimmes Wochenende war das bis Sonntagmittag für Schalker nah und fern: Zwar hatten alle Tabellenkonkurrenten ihres Klubs nicht gewinnen können, selbst die Berliner Hertha nicht, die gar kein Tabellenkonkurrent ist. Aber das war ja das Problem. Wenn Schalke 04 im Duell mit Hannover 96 den Bonus-Vorschuss nicht mit einem Heimsieg einlösen würde – wäre der Schaden dann nicht besonders beklagenswert?
Was für die Hausherren galt, das traf für Hannover natürlich genauso zu: Ein Auswärtserfolg würde sie nicht nur dem Tabellenführer Schalke drei Punkte näher bringen, sondern auch den Widersachern Paderborn, Elversberg und Darmstadt. Aber das Rechnen schien sich schon zur Pause einigermaßen erübrigt zu haben. Schalke führte 2:0, legte einen souveränen Auftritt hin und ließ damit auch nach der Pause nicht nach. Hannover schien gar nicht mehr wieder in die Partie zu finden. Bis in der 52. Minute der Schiedsrichter Robin Braun einschritt und eine folgenreiche Entscheidung traf, indem er Edin Dzeko vom Platz stellte.

Wechsel von Alexandra Popp:Dem BVB gelingt ein Coup
Alexandra Popp soll Dortmunds Fußballerinnen in die Bundesliga führen. Dafür verabschiedet sich die langjährige DFB-Kapitänin vom VfL Wolfsburg – nach 14 Jahren und 20 Titeln.
Der Angreifer hatte Husseyn Chakroun mit hohem Bein getroffen, nicht am Kopf, sondern am Bauch und ohne Sicht auf den Gegenspieler – Braun wertete den Fall trotzdem als rotwürdiges, grobes Foulspiel. Nun war es natürlich ein anderes Spiel, und es ging angemessen dramatisch zu in der Veltins-Arena. Bis in die achte Minute der Nachspielzeit verteidigten die Schalker ihren Vorsprung, dann unterlief Loris Karius die wahrscheinlich letzte Flanke des Spiels – und Benedikt Pichler stellte doch noch den Ausgleich zum 2:2 her. Ausgerechnet Karius, der bis dahin alles gehalten hatte, was sein Tor in Gefahr brachte, sogar einen Elfmeter durch Kapitän Enzo Leopold, der aussah, als wäre er eigentlich unhaltbar. Die gemeine Pointe an der frenetisch gefeierten Heldentat: Der anschließende Eckball brachte auf Umwegen trotzdem das 1:2 durch Maik Nawrocki. „Sehr ärgerlich“, meinte Kapitän Kenan Karaman, „wir hätten die drei Punkte verdient gehabt.“
Wie jedem Trainer der zweiten Liga stellte sich auch 96-Coach Christian Titz die Frage, wie er seine Verteidiger auf Edin Dzeko einstimmen sollte. Aber was immer Titz seinen Leuten mitgeteilt hatte, es verfing nicht. Der erste gefährliche Torschuss der Schalker stammte von Dzeko (Nahuel Noll wehrte gekonnt ab), der zweite Abschluss ebenso (drüber), und auch der dritte Versuch ging auf das Konto des Mittelstürmers. Nach Zuspiel von Kenan Karaman schob Dzeko den Ball, wie er das gerne macht, mit der Innenseite ins Tor, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres. Zwei Tage vor seinem 40. Geburtstag war es sein sechster Treffer im achten Zweitligaspiel. Die Sperre wird ihm der DFB trotzdem nicht ersparen – am nächsten Wochenende in Darmstadt wird der Torjäger zuschauen müssen.
Sowohl die Schalker als auch die Hannoveraner wurden von ihren Anhängern bejubelt
Ohne den überall ehrfürchtig empfangenen Dzeko wird die Aufgabe schwieriger, aber Schalke ist in der Rückrunde eine andere Mannschaft als in der Hinrunde. Das Repertoire ist dank der jungen Außenbahnspezialisten Moussa Ndiaye und Adil Aouiche um eine ganze Dimension größer geworden, statt eiserner Verteidigung und sporadischen Konteraktionen ergreift S04 jetzt selbst die Initiative und gestaltet das Spiel.
Den Zuschauern bescherte das am Sonntagnachmittag eine ansehnliche und niveauvolle Partie, denn auch Hannover 96 fällt in der zweiten Liga durch den spielerischen Ansatz auf. Ohne Karius’ Rettungseinsatz gegen den exzellent ins Solo geschickten Linksaußen Elias Saad hätten die Schalker die Führung eingebüßt. Stattdessen fiel das Tor nach Kenan Karamans Kopfball und vorangegangenem Powerplay auf der Gegenseite.
Am Ende dieses 26. Spieltags haben also auch die beiden Nachzügler aus dem oberen Tabellendrittel nicht gewinnen können. Doch sowohl die Schalker als auch die Hannoveraner wurden für ihre bedingungslosen Anstrengungen von ihren Anhängern bejubelt und beklatscht. Lediglich Schiedsrichter Robin Braun erhielt keinen Beifall, bevor er unter diskretem Geleitschutz das Spielfeld verließ.

