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Schalke-Fanbetreuer im Gespräch:"Leute waren fassungslos"

Wie hätte sich die Polizei korrekterweise verhalten müssen?

Sie muss den Gästeblock sichern. Es wäre mit der gleichen Anzahl an Beamten locker möglich gewesen, die Griechen im Block ruhig zu den Ausgängen zu führen. Dann hätte man nicht in die Nordkurve gehen müssen. Dieses Vorgehen ist ein absolutes Novum. Ich habe es noch nie erlebt, dass die Polizei in der Heimkurve eingreift.

Die Polizei behauptet, dass "Schwerverletzte und Tote" zu befürchten gewesen seien - das klingt heftig. Wie drastisch sahen Sie die Situation?

Das ist an den Haaren herbeigezogen. Die griechischen Fans haben sich wahnsinnig gefreut, dass kurz vor dem Einsatz das 1:1 gefallen ist und für sie das Tor zur Champions League ganz weit aufgegangen ist. Das war für sie das Wesentliche.

Wie haben sich die Schalker Fans verhalten, als sie nach dem Spiel den Block verlassen haben? Welche Reaktionen gab es?

Es gab Leute, die fassungslos waren und vergeblich versuchten, mit der Polizei zu sprechen. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Auf der anderen Seite haben viele aggressiv reagiert und die Beamten angegriffen. Es waren aber nicht die Ultras. Es waren Normalos, ältere Männer, die sich sehr ereifert haben. So eine Situation habe ich noch nie erlebt.

Das Verhältnis zwischen Ultras und Polizei ist generell kompliziert. Welche Signalwirkung haben solche Vorfälle für junge Fans?

Genau das bereitet uns am meisten Sorge. Ein solcher Vorfall in der Heimkurve, wo auch viele Jugendliche stehen, bleibt haften. Sie singen künftig "Bullen sind Schweine", ohne mit der Wimper zu zucken. Das Vertrauen in die Polizei geht verloren, was eine große Gefahr für die Gesellschaft ist. Da muss man entgegenwirken, auch wenn es für uns als Fanprojekt schwierig ist.

Das Fanprojekt arbeitet oft auf Dialog hin. Muss man sich jetzt Sorgen machen für den Rest der Saison?

Ich befürchte ja. Wenn es beim nächsten Auswärtsspiel wieder zu einer Konfrontation mit der Polizei kommt, wird es kompliziert. Manche Fans sehen Gewalt als einziges Mittel, um sich zu behaupten. Auf diese Weise verliert die Kommunikationsbereitschaft an Wert.

© SZ.de/vf/jbe/lala
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