0:4 gegen Düsseldorf Wut und Empörung machen sich breit

Auch das Schalker Flügelspiel blieb eine unerfüllte Hoffnung. Daniel Caligiuri wurde von Nico Gießelmann und Marcel Sobottka konzertiert bearbeitet, und auf der linken Seite warf Hamza Mendyl in Vertretung des verletzten Bastian Oczipka wieder grundsätzliche Fragen auf. Eine lautete: Warum hat Schalke für ihn im Sommer sieben Millionen Euro bezahlt? Die andere: Warum ging Tedesco wider besseren Wissens erneut das Risiko ein, den 20-jährigen Mendyl anspruchsvoll in Dienst zu nehmen, bevor dieser seinen gewaltigen Nachholbedarf an Fußball-ABC gestillt hat. Auch diesmal war der Marokkaner seinem Team weniger Hilfe als Hindernis.

Die Ausgangslage prägte das Spiel: Fortuna ließ Schalke den Druck der Erwartungen spüren, den das heimische Publikum setzte; die Schalker taten sich mit jedem Schritt immer schwerer. Man tauschte sozusagen die Rollen: Fortuna spielte souverän wie ein Champions-League-Klub, Schalke verkrampft und minderbemittelt wie ein Aufsteiger, der auf geradem Weg wieder abwärts fährt. Vor dem 0:1 durch Dodi Lukebakio bewahrte die Hausherren noch der Videobeweis, der ein vorausgegangenes Foul an Harit offenbarte, aber es war nur ein aufgeschobener Schrecken. Lukebakio traf dann eben ein paar Minuten darauf per Elfmeter (35.), auch diesmal mit dem Segen des Videoschiedsrichters, der Matija Nastasics Handspiel entlarvt hatte. Die Pausenführung entsprach dem Spielverlauf, die Pfiffe der Einheimischen ebenfalls.

Zur zweiten Halbzeit entwickelten die Schalker tatsächlich gewisse Ansätze von Torgefahr, es gab sogar eine veritable Torchance durch Harit, die Michael Rensing im Düsseldorfer Tor vereitelte. Doch dann begann das königsblaue Unheil. Wieder mal hatte sich Mendyl im Zweikampf anfängerhaft ausspielen lassen, und dann riss Benito Raman mit einem schlauen Steilpass den Rest der Schalker Deckung entzwei und öffnete damit Dawid Kownacki den Raum zum ungestörten Torschuss. Der polnische Leihstürmer, im Winter aus Italien gekommen, traf cool ins Eck (62.).

Wut und Empörung machten sich nun breit im weiten Rund, doch dieses war ja nicht der letzte Streich der Düsseldorfer. Wieder boten die Schalker, diesmal durch Benjamin Stamboulis Abspielfehler, Platz zum Kontern, Lukebakio bediente Raman, und der schoss den Ball einfach mal in den Winkel (68.). Alexander Nübel im Schalker Tor war auch diesmal chancenlos.

Diese Niederlage hatte nun so niederschmetternde Ausmaße erreicht, dass die Schalker Anhänger, wenn sie nicht schon geflohen waren, dem Elend nur noch schweigend zusahen. Lediglich noch einmal regten sich ihre Hände in der königsblauen Nordkurve zum Beifall. Als Kownacki mit einem Abstauber das 0:4 erzielte (84.) gab es höhnischen Applaus, nach dem Spiel versammelten sich Spieler und Trainer dann vor der Kurve. Stambouli, dem Kapitän, wurde symbolisch die Binde abgenommen, spätestens da schien er den Ernst der Lage erkannt zu haben. Mit Tränen in den Augen sagte er später vielsagend: "Wir sind kleine Spieler, Schalke ein großer Verein."

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