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0:4 gegen Düsseldorf:Schalke wird zum Ort des Horrors

FC Schalke 04 v Fortuna Duesseldorf - Bundesliga

Nimmt die Schuld auf sich: Trainer Domenico Tedesco auf dem Weg in die Kurve.

(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)
  • Der FC Schalke 04 bietet beim 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf ein erschreckendes Bild.
  • Die Fans beschimpfen Mannschaft und Trainer, Domenico Tedesco winkt wie zum Abschied in die Kurve.
  • Tedesco steht vor dem Aus. Dennoch sagt er vorm Sky-Mikrofon: "Ich bin keiner, der sich verpisst."

An Appellen und Parolen hatte es nicht gemangelt vor dem Duell zwischen Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf. Die Hausherren gelobten wortreich Besserung nach dem 0:3 in Mainz vom vorigen Wochenende, dem anerkannt schwächsten Saisonauftritt des Vizemeisters. Aber wer geglaubt hatte, es könne jetzt nur noch aufwärtsgehen, der sah sich getäuscht. Wenn schon Krise, dann richtig, und so folgte dem Tiefpunkt der Tiefpunkte, der in Mainz gemessen worden war, ein weiterer noch tieferer Tiefpunkt.

Noch nie hatten die Düsseldorfer in Gelsenkirchen so leichtes Spiel wie am Samstag. Dass nach Schalkes 0:4 gegen den Aufsteiger nicht die Mauern bebten im Krach der Pfiffe und Buhrufe, das lag lediglich daran, dass die meisten Mitglieder der königsblauen Gemeinde den Ort des Horrors bereits verlassen hatten. Trainer Domenico Tedesco wagte sich nach dem Abpfiff, der Mannschaft voranschreitend, geradezu todesmutig vor die tobende Fankurve und empfing den Zorn der Getreuen. Er wurde beschimpft und mit Gegenständen beworfen. Tedesco winkte wie zum Abschied.

"Das ist das Mindeste, was wir machen können: Uns dem Publikum stellen. Der Auftritt heute war leer, komplett mutlos", sagte Tedesco im Sky-Interview. Auf die Frage, ob er zurücktreten werde, sagte er: "Ich bin keiner, der sich verpisst."

Wie lange traut Schalke dem Trainer noch zu, den Absturz zu stoppen?

Der Verdacht, dass Tedesco zum letzten Mal diesen Gang angetreten hat, liegt dennoch nahe. Denn auch in der Tabelle nimmt der Abwärtstrend einer zurzeit in allen Einzelteilen desolaten Mannschaft sichtbar Formen an. Wie lange traut der Verein dem jungen Trainer noch zu, den Absturz zu stoppen? Der neue Sportvorstand Jochen Schneider, auf der Haupttribüne Zeuge des Debakels, muss zum Amtsantritt gleich eine essentielle Entscheidung treffen. Allerdings frühestens am Dienstag, wie Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärte. Dann werde sich Schneider "zur Lage äußern".

Das Spiel war keine zwei Minuten alt, da hatten die Zuschauer schon eine klare Kenntnis dessen, was sie zu erwarten hatten. Die Fortuna richtete sich entspannt in einer kompakten Defensive ein, die Schalker sahen sich vor die Aufgabe gestellt, Löcher in die dichte Deckung zu spielen - eine Herausforderung, die sie in dieser Saison schon einige Male überfordert hat, und die sie auch diesmal scheitern ließ.

Domenico Tedesco hatte eine Offensive formiert, in der Mark Uth und der nach langer Verletzungspause halbwegs wiederhergestellte Guido Burgstaller die vorderen Positionen besetzten, Amine Harit sollte ihnen aus dem offensiven Mittelfeld Zuspiele liefern. Doch dazu kam es nicht. Wenn Harit überhaupt in die Verlegenheit versetzt wurde, ins Spiel einzugreifen, dann empfingen ihn die Fortunen stets in Überzahl.