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Schalke 04:Gewaltszenen nach dem Abstieg

DSC Arminia Bielefeld v FC Schalke 04 - Bundesliga

Benjamin Stambouli und FC Schalke 04 sind abgestiegen.

(Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images)

Schalke 04 steigt zum vierten Mal in seiner Geschichte aus der Bundesliga ab. Bei der Rückkehr nach Gelsenkirchen soll es zu Angriffen auf Spieler und Mitarbeiter gekommen sein.

Von Ulrich Hartmann

Um 22.22 Uhr herrschte traurige Gewissheit. Da pfiff der Schiedsrichter Christian Dingert nämlich ab. Einige Fußballer des FC Schalke 04 ließen sich auf den Rasen fallen. In diesem Moment hatten sie in Bielefeld eigentlich bloß ein Spiel knapp verloren, 0:1 (0:0).

Doch mit dieser 21. Niederlage im 30. Saisonspiel stand endgültig fest, dass Schalke zum vierten Mal in seiner Geschichte aus der Bundesliga absteigt. Da ist in den verbleibenden vier Spielen nichts mehr zu machen. Ihre Vollstrecker von Arminia Bielefeld hatten keine Gnade walten lassen können. Sie benötigen die Punkte dringend selbst. Der vierte Saisontreffer von Fabian Klos in der 50. Minute war wohl sein wichtigster. Zehn Minuten vor Schluss verschoss er noch einen Elfmeter.

Nach der Rückkehr nach Gelsenkirchen soll es dann zu Gewaltszenen gekommen sein. Das teilte Schalke am Morgen in einer Mitteilung mit. Bei einem "Austausch zwischen Profi-Mannschaft und Fangruppierungen" seien laut Angaben des Revierklubs "Grenzen überschritten" worden. "Bei allem verständlichen Frust und aller nachvollziehbaren Wut über den Abstieg in die 2. Bundesliga: Der Verein wird es niemals akzeptieren, wenn die körperliche Unversehrtheit seiner Spieler und Mitarbeiter gefährdet wird. Genau das ist in der vergangenen Nacht aber durch die Handlungen von Einzelpersonen geschehen", hieß es in dem Statement des Klubs vom Mittwochmorgen. Die Grenzen hätten einzelne und bislang "nicht zuzuordnende Personen" überschritten.

Dieses Verhalten verurteile der Klub "aufs Schärfste und stellt sich selbstverständlich vor seine Mitarbeiter". Die Aufarbeitung des Vorfalls habe begonnen. Weitere Kommentare dazu solle es seitens des Klubs bis zur Aufklärung nicht geben.

18 Jahre lang hatte das Gründungsmitglied Schalke in der Bundesliga gespielt, als es 1981 erstmals abstieg. Der Tatort war Kaiserslautern. Schalke verlor am vorletzten Spieltag 1:3, Norbert Elgert und Klaus Fischer gehörten zur Startelf, der Trainer war Rudi Assauer. Nach dem zwischenzeitlichen Wiederaufstieg folgte zwei Jahre später gleich der nächste Abstieg, diesmal in der Relegation gegen Bayer Uerdingen.

Das Hinspiel ging 1:3 verloren, im Rückspiel im Parkstadion genügte ein 1:1 nicht. Bernard Dietz und Werner Lorant standen damals in der Startelf, der Trainer war Hans-Jürgen Sundermann. 1988 schließlich der dritte Abstieg durch ein 1:3 beim 1. FC Köln am vorletzten Spieltag. Toni Schumacher und Uwe Tschiskale gehörten zur Startelf, der Trainer war Horst Franz.

Am Dienstag ist Schalke also zum vierten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Vier Spiele bleiben ihnen jetzt noch. Seit 1991 spielt man 30 Jahre am Stück in der höchsten Klasse mit. Dimitrios Grammozis wird in die Geschichtsbücher eingehen, dabei war er doch bis jetzt bloß sieben Spiele Trainer dieser Mannschaft. Nicht verhindern konnten den Abstieg alle Trainer nacheinander: David Wagner, Manuel Baum, Christian Gross und Grammozis.

Bielefeld hat die besseren Torchancen

Der Wille, die Endgültigkeit noch einmal hinauszuschieben, war den Schalkern zunächst durchaus anzumerken. Sie spielten gut organisiert und recht seriös. Dass sie den Bielefeldern ebenbürtig waren, erinnerte sie daran, den Klassenerhalt früher in der Saison schon hergegeben zu haben.

Die Bielefelder trugen auf der Trikotbrust den Schriftzug: "Fußball lebt durch Fans". Das war aber keine Spitze gegen die Super-League-Pläne gewisser Großklubs, sondern eine lange geplante Hommage an die eigenen Fans, die die Gestaltung dieses Sondertrikots per Abstimmung selbst hatten mitbestimmen dürfen.

Trotz erkennbarer Bemühungen auf beiden Seiten muss man zugestehen, dass ein volles Stadion das Gesamterlebnis tatsächlich lebendiger gemacht hätte. Die Begegnung kam über das Prädikat "Abstiegskampf" kaum hinaus. Angesichts der besseren Bielefelder Torchancen wurde das Unentschieden für die Schalker zunehmend schmeichelhaft.

Fünf Minuten nach der Pause fasste sich Klos ein Herz, zog aus fast 25 Metern ab und sah, dass der fliegende Ralf Fährmann den Ball durchrutschen ließ. In der 71. Minute musste Schalkes Malick Thiaw mit gelb-roter Karte vom Feld. Ein doppelt schlimmer Abend für den 19-Jährigen. Dass Fährmann den Klos-Elfmeter parierte, half auch nicht mehr.

© SZ/jkn/bek/ebc/schm
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