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Nach Fan-Eklat am Wochenende:Die Stimmung auf Schalke ist feurig, aber friedlich

"Ihr Heuchler": Beim Pokalspiel gibt es Proteste gegen den DFB, aber es bleibt im Rahmen.

(Foto: AP)
  • Die Stimmung auf Schalke ist feurig, aber friedlich.
  • Schmähungen gibt es gleichwohl - gegen Manuel Neuer.
  • Ein Plakat nennt den DFB einen "Dementen Fußball Bund". Schlimmer wird's nicht.

Der Alt-Schalker Mike Büskens sah sich nicht imstande, einen präzisen Tipp für den Ausgang des Spiels abzugeben, aber er hatte eine präzise Vorstellung davon, wie der Abend idealerweise enden sollte: Mit dem entscheidenden Tor durch den Gelsenkirchener Ahmed Kutucu in der 94. Minute - "und dann reißen die Leute hier die Bude ab".

Münchens "Schickeria" findet, die Debatte lasse "jegliche inhaltliche Einordnung vermissen"

Eine Volksbewegung, die das ganze Haus demoliert - so weit gingen die Befürchtungen der beiden Vereine und des DFB nicht, als sie sich am Vorabend der Veranstaltung Gedanken machten, was auf den Tribünen der Gelsenkirchener Arena so alles passieren könnte und wie man darauf dann reagieren sollte. Es herrschte die Sorge, dass die konzertierten Fan-Proteste gegen den DFB, die am vergangenen Wochenende für so großes Aufsehen sorgten, in Gelsenkirchen fortgesetzt werden könnten. Schalke 04 hatte angekündigt, die Mannschaft vom Spielfeld zu beordern, falls es wieder zu Ausfälligkeiten gegen Dietmar Hopp oder andere Amtspersonen des Fußballgeschäfts kommen sollte. Meinungsäußerungen seien legitim, Beleidigungen nicht, lautete die von Schalke formulierte Richtlinie. Würde zum Beispiel der Bayern-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf Protestplakaten als "Rotbäckchen" bezeichnet werden, würde das wohl kaum einen Spielabbruch auslösen, selbst der ungeliebte alte Spitzname "Killer-Kalle" wäre vermutlich von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Rummenigge hatte sich am Samstag bei den Vorfällen in Hoffenheim besonders streng zum Verhalten der Münchner Fanvereinigung "Schickeria" geäußert. Am Dienstag veröffentlichte die Organisation eine Erklärung, in der sie erläuterte, dass ihre Beleidigungen gegen den TSG-Mäzen Hopp lediglich Mittel zum Zweck sein sollten. Nicht Hopp sei die Zielscheibe des Protestes gewesen, sondern der DFB, nachdem der Verband das 2017 erteilte Versprechen gebrochen habe, Kollektivstrafen gegen Fangruppen zu verhängen.

Von den heftigen Reaktionen auf die Transparente sei man "überrascht" worden, die Debatte werde in übertriebener Form geführt und ließe häufig "jegliche inhaltliche Einordnung vermissen", Beleidigungen seien seit jeher "gang und gäbe" im Fußballstadion. "Wenn der DFB sich nun zum Ziel setzt, dass Kurven sauber sein müssen und vom DFB reguliert werden können, dann wird das Widerstand hervorrufen", warnte die Schickeria.

Ein Plakat nennt den DFB einen "Dementen Fußball Bund". Schlimmer wird's nicht

Vor diesem Hintergrund blickte mancher Verantwortliche bang in die Kulissen, als das Spiel begann. Doch es blieb bei verhaltenen Unmutsbekundungen. Die Schalker Ultras präsentierten in der Nordkurve ein Schriftstück, in dem sie dem Akronym DFB einen neuen Sinn gaben: "Dementer Fußball Bund", schrieben sie, "eure Zusagen gegen Kollektivstrafen vergessen/ versucht ihr nun uns Fans mit Spielabbruch zu erpressen". Schlimmer wurde es nicht.

Ansonsten entsprach die Stimmung im Stadion dem Anlass. Sie war feurig und leidenschaftlich wie das Spiel, in dem die Schalker ihr Publikum angenehm überraschten. Schmähungen gab es gleichwohl schon, aber die galten wie gewohnt dem nach München ausgewanderten früheren Nationalhelden Manuel Neuer. Und der ist es seit neun Jahren gewohnt - seit seinem nie verziehenen Wechsel im Sommer 2011 zum ungeliebten FC Bayern -, die Pfiffe und Buhrufe zu überhören.

Ahmed Kutucu, der Lokalmatador, wurde in der 82. Minute eingewechselt, rechtzeitig genug und begeistert empfangen. Aber zum Abbruch der Arena hat es dann doch nicht gereicht.

© SZ vom 04.03.2020/sonn
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