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Schalke 04 und seine Fans:"Wir sind Schalker, und ihr nicht!"

FC Schalke 04 - SC Paderborn

Beschimpfungen aus der eigenen Kurve für die Schalker.

(Foto: dpa)
  • Trotz des Sieges gegen Paderborn spüren die Schalker Spieler die Feindseligkeit auf der Tribüne.
  • Es geht diesmal um mehr als einen konventionellen Liebesentzug.
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Treffpunkt am Sonntag um zwölf war Gelsenkirchens Hauptbahnhof, von dort ging es nach Essen, wo Schalkes U23-Team in der Regionalliga gegen den FC Kray spielte. Danach mit eigens gecharterten Bussen zurück nach Gelsenkirchen, um in der Arena die A-Junioren im Meisterschaftshalbfinale gegen den Karlsruher SC anzufeuern. Einen herrlichen königsblauen Fußballsonntag hatten die Ultras also organisiert. Wenngleich einem die Freizeitplanung nach den jüngsten Ereignissen schon etwas seltsam vorkommen mochte. Hatten nicht dieselben Schalker Fans noch am Samstagnachmittag die Schalker Spieler als "Scheiß-Millionäre" (und Schlimmeres) beschimpft, während diese sich zum 1:0-Sieg gegen den SC Paderborn mühten und damit den Zugang zur Europa League sicherten?

In der Vorstellung der Schalke-Fans wird derzeit zwischen guten und bösen Schalke-Mannschaften unterschieden. Zu den Guten gehören die sogenannten Amas aus der Regionalliga, die zwar keine Amateure sind, aber zumindest auch keine hochdotierten Profis, die ihre Luxusautos spazieren führen (wenn sie sie nicht gerade zu Schrott fahren) und sich ansonsten sorglos in den sogenannten sozialen Netzwerken zur Schau stellen - so wie es am Samstagnachmittag der in Unehren verbannte Star Kevin-Prince Boateng machte, als er ein Bild vom lustigen Eisenbahnfahren mit der kleinen Tochter verbreitete.

Der Einzige, den das wütende Volk derzeit akzeptieren mag, ist Torwart Fährmann

Die anderen Guten sind die (noch) unschuldigen A-Junioren, die gerade zum vierten Mal in ihrer Staffel westdeutscher Meister wurden. Eine böse Schalke-Mannschaft ist hingegen das Profiteam, das diese Wahrnehmung am Samstag auch heftig zu spüren bekam. Dieses moralische Weltbild der Schalke-Fans mag zwar ein ziemlich schiefes und verklärtes sein, aber die Macht der Gefühle ist in diesem Verein schon immer die stärkste Macht gewesen. Und das vorherrschende Gefühl äußerte sich nun in dem härtesten Vorwurf, den die Gläubigen in diesem Klub erheben können: "Wir sind Schalker, und ihr nicht!"

Dies war also mehr als der konventionelle Liebesentzug für Fußballer, die zuletzt die nötige Leidenschaft hatten vermissen lassen. Es war ein riesiger, das ganze Stadion ergreifender Volksaufstand, wie er selbst in Schalke noch nie vorgekommen war. Er richtete sich gegen alle Protagonisten: Spieler, Trainer, Manager und - namentlich voran - den Aufsichtsratschef und Big Boss Clemens Tönnies, dem die schärfsten Schmähungen gewidmet wurden.

"Es war eine sehr emotionale Kiste, meine bislang schwierigste Partie auf Schalke", stellte Torwart Ralf Fährmann fest, der 2003 aus Chemnitz nach Gelsenkirchen kam und dort zum Herzensschalker reifte. Der einzige allerdings, den die zornigen Fans derzeit akzeptieren mögen; "außer Fährmann könnt ihr alle gehen", riefen sie in Richtung der aufrichtig entsetzten Huntelaar, Draxler und Co. "Passende Worte kann es nicht geben", sagte Fährmann, als er nach einer Lösung gefragt wurde, "das sind die puren Emotionen, und wenn das Fass überläuft, passiert so etwas."