Schalke 04 Tönnies greift Heidel an

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies.

(Foto: dpa)

Der Aufsichtsratschef kritisiert den Rücktritt des früheren Managers - und wirft ihm mangelnde Unterstützung für Ex-Trainer Tedesco vor. Der 1. FC Kaiserslautern präsentiert überraschend einen neuen Rettungsplan.

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Bundesliga, Schalke 04: Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hat den ehemaligen Sportvorstand Christian Heidel als Hauptschuldigen für die schlechte Saison ausgemacht. "Zuallererst hat der Hauptverantwortliche den Kittel an den Nagel gehängt und gesagt: 'Er will uns nicht länger im Weg stehen'. Das habe ich in der Situation nicht verstanden. Das würde ich nie tun, ich würde Schalke nie im Stich lassen", erklärte der 62 Jahre alte Vereinsboss in einem Interview des clubeigenen Schalke-TV, das am Montag auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten veröffentlicht wurde.

Ex-Trainer Domenico Tedesco habe von Heidel zu wenig Unterstützung erhalten und sei von ihm "ein Stück weit auch alleine gelassen worden", betonte Tönnies, der die Trennung vom 33 Jahre alte Coach Mitte März bedauert, auch wenn sie unumgänglich war. "Wir haben ihn dadurch verloren, und das tut mir persönlich sehr leid."

Tönnies meinte, er sei "viel zu lange ruhig geblieben. Die Kritik, die ich nach innen getragen habe, hätte ich auch öffentlich machen müssen, weil ich einfach sehe, dass wir diese Saison vergeigt haben. Wenn ich gewusst hätte, das wir um den Abstieg kämpfen, hätte ich viel eher reagiert."

Bei der "Neuorientierung" zur kommenden Saison werde der Kader reduziert und das Team rund um die Mannschaft breiter aufgestellt. Er werde sich künftig wieder mehr einbringen, kündigte Tönnies an: "Ich bin zum Teil mitverantwortlich, aber ich werde mithelfen, den Schalke-Zug auf die Schiene zu stellen. Und dann werden wir wieder angreifen. Wir werden diese Krise nutzen, um Schalke wieder richtig auf die Beine zu stellen."

3. Liga, 1. FC Kaiserslautern: Der finanziell schwer angeschlagene Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern hat überraschend einen neuen Millionen-Deal präsentiert. Wie die Pfälzer am späten Montagabend mitteilten, stimmten die Vereinsgremien für das Angebot einer regionalen Investorengruppe, Eigenkapital in Höhe von drei Millionen Euro einzubringen. Im Gegenzug soll diese zehn Prozent der Anteile an der Kapitalgesellschaft sowie einen Sitz im Beirat erhalten. Der Einstieg des umstrittenen Investors Flavio Becca beim viermaligen deutschen Meister ist hingegen vom Tisch.

Nach Informationen des Fachmagazins kicker und des SWR legte Beiratsmitglied Michael Littig den alternativen Finanzierungsplan vor und kam damit Beccas Ultimatum zuvor. Dieser hatte Kaiserslautern zunächst ein kurzfristiges Darlehen von maximal 2,6 Millionen Euro in Aussicht gestellt, forderte aber gleichzeitig den Rücktritt Littigs von allen Ämtern bis Mitternacht. Das Angebot Beccas sei nun aber "nicht mehr existent", schrieb der FCK am Montagabend, Littig habe zuvor auf einer Sitzung "seine Ämter nicht zur Verfügung gestellt".

Auf den ersten Blick ist die Rettung des Fritz-Walter-Klubs damit in greifbare Nähe gerückt, Insolvenz und Zwangsabstieg scheinen (vorerst) abgewendet. Bis Ende Mai braucht der viermalige deutsche Meister mehrere Millionen Euro, um die Lizenz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu erhalten. Die zuletzt von Fans durch die sogenannte "Betze-Anleihe II" und eine Crowdlending-Aktion eingesammelten drei Millionen reichen dafür nicht aus.

Nach dem überraschenden Manöver vom Montag bleiben aber viele Fragen offen. Etwa wer die neuen Geldgeber überhaupt sind, oder wieso der Gesamtwert des Vereins offenbar lediglich auf 30 Millionen Euro taxiert wird. Zumal es in der Erklärung der Lauterer heißt: "Weitere Investitionen werden in Abhängigkeit eines Bewertungsverfahrens in Aussicht gestellt, das laut Angebot in der zweiten Liga von 130 Millionen bis 190 Millionen und in der ersten Liga bis 250 Millionen reichen kann." Weitere Vertragsdetails sollen erst in den kommenden Tagen folgen.

Der Beirats-Vorsitzende Patrick Banf, der wie Sport-Geschäftsführer Martin Bader - an dessen nicht erfolgter Vertragsverlängerung sich der jüngste Streit entzündet hatte - zu den Verlierern des Machtkampfes gehört, kritisierte die Entscheidung jedenfalls: "Jetzt hat sich eine Gruppe von sechs Leuten, die namentlich nicht bekannt sind, den Verein für 30 Millionen gekauft. Unterhaching wird mit 42 Millionen bewertet, der FCK mit 120", sagte er der Zeitung Die Rheinpfalz. Er fürchtet, dass nun andere Geldgeber ihre Zusagen zurückziehen. Das letzte Kapitel im Krimi um den FCK scheint noch nicht geschrieben.

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