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Schalke 04:Ärmer als ein Zweitligist

FC Twente v FC Schalke 04 - Pre-Season Friendly

Hat im Sommer nicht wirklich viele seiner Wunschspieler bekommen: Schalke-Trainer David Wagner.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim FC Schalke 04 scheiterten in diesem Sommer wichtige Transfers, weil der Klub wirtschaftlich hinter die Konkurrenz zurückgefallen ist.
  • Schick ging zu Leipzig, Augustin nach Monaco, Silva nach Frankfurt. Schalke ging auf der Suche nach einem Stürmer leer aus.
  • Der Fall ist exemplarisch dafür, wie schnell ein Umsatzriese in Nöte geraten kann.

Es liegt zwar schon 14 Jahre zurück, aber daran kann sich Jochen Schneider noch sehr genau erinnern: Wie er in der schwäbischen Heimat euphorisch gefeiert wurde, weil es ihm gelungen war, einen Vertrag mit dem dänischen Nationalstürmer Jon Dahl Tomasson zu schließen. Der VfB Stuttgart kauft einen Stammspieler vom großen AC Mailand - das war in Stuttgart keine große, sondern eine riesengroße Geschichte. Die allerdings kein gutes Ende nahm. Nach anderthalb Jahren hat der VfB seinen schicken Angreifer nach Spanien verliehen, und ein weiteres halbes Jahr darauf hat man den Vertrag aufgelöst. "Aus zig Gründen, die am wenigsten an Jon lagen, hat's nicht funktioniert", sagt Schneider, seinerzeit Manager beim VfB.

Inzwischen betreut er bei Schalke 04 die sportlichen Geschäfte, und dort muss Schneider jetzt die Enttäuschung des Publikums verkraften, weil er den Anhängern nicht den Tomasson präsentieren konnte, den sie erwartet hatten. Viele Schalker hatten am Montag bis zum finalen Gong um 18 Uhr gehofft, dass ihr Klub noch einen Coup vermelden würde. Doch es kam kein neuer Angreifer mehr, der Transfermarkt ist geschlossen, und es herrscht Ernüchterung in der königsblauen Gemeinde.

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Jener Mittelstürmer, um den sich Schalke intensiv beworben hatte, hat zwar am letzten Handelstag noch den Verein gewechselt, doch Patrik Schick von AS Rom hat sich RB Leipzig angeschlossen. Schneider will nicht bestätigen, dass sich die Römer nicht mal die Mühe machten, die Schalker Offerte zurückzuweisen, aber er bestätigt, dass der Fall mit Geld zu tun hatte: "Es ist an den Finanzen gescheitert, da braucht man nicht drum herumzureden."

Viele Spieler, die kommen sollten, landeten woanders

Der Tscheche Schick, 23, war nicht der einzige, bei dem es die Schalker versucht haben. Man stand in gutem Kontakt mit dem in Wetzlar geborenen türkischen Nationalspieler Cenk Tosun, der beim FC Everton der Reserve angehört, und mit Real Madrid, das Bereitschaft anzeigte, den Angreifer Mariano Diaz, 24, gehen zu lassen, obwohl dieser erst vor einem Jahr für 20 Millionen Euro gekommen war. Außerdem versuchte es Schalke beim schnellen Franzosen Jean-Kevin Augustin, den RB Leipzig aber mittlerweile in Monaco untergebracht hat, und auch um den Portugiesen André Silva vom AC Mailand hatte man sich bemüht - am Montag ist dieser dann bei Eintracht Frankfurt gelandet.

Der Fall, der den Schalkern jedoch am meisten zu denken geben dürfte, ist der eines Zweitligaspielers, der es vorzog, zu einem Zweitligisten zu wechseln. Beim Kongolesen Silas Wamangituka, 19, vormals beim FC Paris tätig, hatte der VfB Stuttgart die besseren Argumente - unter anderem, indem er die geforderten acht Millionen Euro Ablöse bezahlte. Nicht der einzige Fall, bei dem die Schalker Offiziellen erkennen mussten, dass der Klub wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten ist, obwohl ihn große Wirtschaftsprüfergesellschaften immer noch zu den Top 15 der wertvollsten Fußballvereine in Europa zählen.

Mit Vereinen wie Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim oder auch dem Zweitligisten VfB Stuttgart kann man sich auf dem Transfermarkt derzeit nicht messen. Frankfurt und Hoffenheim haben von der Inflation profitiert, indem sie es andersrum gemacht haben als Schalke: billig eingekauft und teuer verkauft.