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Schalke gegen Freiburg:Nummer 28

Bundesliga - Schalke 04 v SC Freiburg

Ralf Fährmann: Der nächste Rückschlag in der Bundesliga

(Foto: Pool via REUTERS)

Die Gruselshow geht weiter: Schalke 04 kann den Schwung aus Augsburg nicht mitnehmen und verliert nach einer desolaten Vorstellung 0:2 gegen Freiburg. Der Negativ-Rekord von Tasmania Berlin rückt näher.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Die Woche der Wahrheit hatten die Schalker vor den Begegnungen mit Augsburg, Freiburg und Bielefeld ausgerufen, und es sieht aus, als ob die Mannschaft nun wirklich Tatsachen schaffen würde. Allerdings sind es nicht die Fakten, die man im Krisenzentrum Gelsenkirchen herbeigesehnt hatte, die grausam anzusehende 0:2-Niederlage gegen den SC Freiburg lässt den Abwärtstrend unaufhaltsam erscheinen - und der Minusrekord von Tasmania Berlin (31 Spiele ohne Sieg) rückt nach dem 28. erfolglosen Liga-Match seit Januar immer näher.

Nachdem die Schalker zuletzt zumindest Gegenwehr und spielerische Fortschritte gezeigt hatten, lässt die desolate Leistung vom Mittwochabend die Hoffnung schwinden, dieser unheilvollen Saison noch eine Wendung zu geben. "Fußball ist manchmal schwer", stellte Benjamin Stambouli danach gegenüber Sky fest, "aber wir müssen den Kopf hochhalten. Wenn man unten drin steht, dann hat man nicht viel Mut und verliert schnell die Hoffnung."

Den Freiburgern genügte eine konzentrierte, beherrschte und vorsätzlich schmucklose Vorstellung, um als überlegener Sieger den Platz zu verlassen. Vordenker Vincenzo Grifo leitete die Treffer meisterlich ein, Angreifer Roland Sallai durfte sich beide Male als Schütze feiern lassen. SC-Torwart Florian Müller verbrachte einen geruhsamen Abend, er wurde kein einziges Mal auf die Probe gestellt.

Mark Uth war infolge der in Augsburg erlittenen Gehirnerschütterung logischerweise nicht im Einsatz, aber in gewisser Weise war er trotzdem anwesend - weil er überall so dringend vermisst wurde. Ein Offensivspiel schienen sich die Schalker ohne ihn nicht zutrauen zu wollen, obwohl in Amine Harit ein anderer spielstarker Mann für die Zentrale zur Verfügung stand. Seine Aufgabe wäre es gewesen, die schnellen Angreifer Benito Raman und Rabbi Matondo einzusetzen, doch dazu kam es schon deshalb nicht, weil Schalke bei Ballbesitz nie ins Tempo ging. Bis tief in die erste Hälfte hinein verschleppten die Hausherren das Spiel, als ob sie das 0:0 mit Gewalt halten wollten. Einwürfe und Abstöße wurden in verstörender Langsamkeit ausgeführt, der Rückwärtsgang war der bevorzugte Modus. Der Sportclub ließ es geschehen, er begnügte sich mit Abwarten. Eine Halbchance durch Sallai zeigte aber an, was die Gäste im Schilde führten. Irgendwann würde sich beim schwerstens verunsicherten Tabellenletzten schon eine Lücke auftun.

Allmählich entwickelten die Schalker dann aber doch so etwas wie Dynamik, Suat Serdar übernahm dafür die Verantwortung, er blieb aber der Einzige. Matondo, Raman, Harit und Nassim Boujellab boten ihm keine Unterstützung, so blieb es bei ein paar verzweifelten Sololäufen des Nationalspielers und einem vereinzelten Torschuss, den Müller aber mühelos abblockte.

Ein Geistesblitz von Grifo leitete in der zweiten Halbzeit die Führung ein

Auf Wechsel zur zweiten Halbzeit verzichtete Baum, obwohl sich etliche Spieler dazu angeboten hatten. Aber wenn er geglaubt haben sollte, seine Jungs würden es jetzt besser machen, sah er sich getäuscht. Besser machte es nur der Sportclub. Ein Geistesblitz von Grifo genügte ihm zur Führung. Seiner schlauen Spielverlagerung folgte eine präzise Flanke von Jonathan Schmid und ein genauso präziser Kopfball von Sallai (50.). Bastian Oczipka und Salif Sané blieben bei der Szene unbeteiligte Augenzeugen. Das 0:1 weckte zwar ein paar Lebensgeister bei den lethargischen Schalkern, ihr Spiel wurde aber nicht besser und schon gar nicht gefährlicher. Das Bemühen um die Offensive brachte lediglich Aktionismus hervor, und immer wieder scheiterten die Vorstöße an persönlichen Fehlern. Einer dieser vielen Ballverluste - Raman hatte es mit einem viel zu billigen Trick versucht - brachte das 0:2. Grifo spielte Sallai frei, der den Ball mit Bedacht über Fährmann ins Netz setzte (68.).

Toreschießen leicht gemacht: Roland Sallai (rechts) nutzt die ungewohnten Freiheiten zu seinem zweiten Tor gegen Schalke 04.

(Foto: INA FASSBENDER/AFP)

Während die Schalker nun eine Schein-Offensive inszenierten, ließen die Freiburger den Rest des Abends gemütlich ausklingen.

© SZ/ska/mp/cca
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