Schalke 04 in der Champions League:Stille hinter den Kulissen

Die Stille, die nun hinter den Kulissen herrscht, bedeutet für Keller allerdings tatsächlich nichts Gutes. Horst Heldt und Clemens Tönnies, der starke Mann im Klub, haben nach den Niederlagen gegen Hoffenheim und in Mönchengladbach demonstrativ auf Solidaritätsadressen für den Trainer verzichtet. Heldt sagte am Dienstag, ein Worst-Case-Szenario werde erst dann diskutiert, wenn der schlimmste Fall tatsächlich eingetreten sei. Er hat aber auch gesagt: "Der größte Fehler ist, sich in der Bewertung selbst zu belügen."

Wenn also einige Kenner verkünden, die Sache mit Thomas Schaaf sei längst abgemacht, dann mag das stimmen. Aber es ist immer noch denkbar, dass es sich hier nur wieder um eines dieser leeren Fußballgerüchte handelt, die sich wie von selbst ausbreiten. Dass Schaaf sich für Schalke "bereithält", das wurde unter Berufung auf Vertraute des Trainers schon vor Monaten kolportiert. Aber ob es auch wahr ist? Unter den (wenigen) diskreten Leuten im Fußball ist Thomas Schaaf einer der diskretesten.

Keller hat am Dienstag mit Boateng und Kapitän Benedikt Höwedes die Pressekonferenz zum Spiel gegen Basel bestritten. Er gab bekannt, dass Ralf Fährmann wieder anstelle von Timo Hildebrand das Tor bewachen wird, und er wirkte keineswegs bedrückt oder niedergeschlagen, er gab sich wie immer ziemlich unberührt. Er habe in diesem einen Jahr als Schalke-Coach schon "mehrere Befreiungsschläge" gelandet, teilte er so gelassen mit, wie es die angespannte Lage erlaubt.

Für die Aufregung sorgte am Rande der Veranstaltung Heldt, als er erzählte, Kellers Sohn habe in der Schule einen Nasenbeinbruch erlitten, weil er in die Fänge von Mitschülern geraten sei, "die nicht zwischen privat und Beruf trennen konnten. Das schockiert einen, da werden Grenzen überschritten." Keller stellte später richtig, dass es keinen Nasenbeinbruch gab, wohl aber eine Rangelei.

Auch für die Spieler sind solche Geschichten nicht angenehm. "Ich habe noch keinen Tag erlebt, an dem wir keinen Druck hatten. Und der Trainer hat besonders großen Druck", sagte Boateng. Von freudiger Final-Stimmung ist in Schalke nichts zu spüren.

© SZ vom 11.12.2013/fued
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