Schalke 04 in der Champions League:Kellers letztes Endspiel

Folgt Thomas Schaaf auf Jens Keller? Für den Trainer des FC Schalke 04 entscheidet sich beim Champions-League-Spiel gegen den FC Basel wieder einmal die Zukunft. Keller gibt sich gelassen - doch sein Sohn gerät wegen ihm in Turbulenzen.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Die herrschende Meinung vor dem Champions-League-Spiel zwischen Schalke 04 und dem FC Basel lässt für abweichende Ansichten offenbar nicht viel Platz. Während die eine Nachrichtenagentur um 12.43 Uhr am Dienstag titelte: "Zum Siegen verdammt - Finale für Keller", versah die konkurrierende Agentur um 12.43 Uhr ihren Bericht mit der Überschrift: "Endspiel für Keller - nur ein Sieg zählt".

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Spendet Trost, den er selbst brauchen könnte: Schalkes Trainer Jens Keller mit seinen Spielern Felipe Santana und Kevin-Prince Boateng (von links).

(Foto: AFP)

So viel Übereinstimmung zwischen zwei Wettbewerbern mag zwar verdächtig erscheinen, aber das Kartellamt muss nicht einschreiten. Die Wahrheit ist nun mal die, dass an diesen Zuspitzungen kein Weg vorbeiführt. Ja, es ist ein Endspiel für Schalke, das nur mit einem Sieg gegen den FC Basel das Achtelfinale der Champions League erreichen kann. Und ja, es sieht wie ein Alles-oder-Nichts-Finale für den bedrängten Trainer aus, der kaum Nachsicht erwarten darf, falls es schiefgehen sollte.

Dabei ist es für Jens Keller ein großes Glück, dass er seine fachliche Lektüre auf den kicker zu beschränken pflegt, und ansonsten keinen Anteil an den Diskursen nimmt, die in den Medien zum Fortgang der Ereignisse geführt werden. Andernfalls könnte er auf die Idee kommen, dem Stadion am Mittwoch fernzubleiben. Weite Teile der regionalen Presse und besonders forsch Bild warten nicht mehr ab, wie das Endspiel gegen den Schweizer Meister endet.

Sie haben die Trainerfrage schon geklärt und debattieren bereits darüber, ob Kellers mutmaßlicher Nachfolger Thomas Schaaf der Mann mit den richtigen Eigenschaften für diesen schwierigen Klub ist. Die schnellen Mitmachmedien veranstalten derweil Publikumsumfragen, ob außer Keller auch der für dessen Anstellung verantwortliche Manager Horst Heldt entlassen werden müsste, während in Bremen Werder-Manager Thomas Eichin die Frage beantworten sollte, ob er Schaaf - der noch bis 2014 an den Klub gebunden ist - schon die Freigabe erteilt habe. Aber Eichin konnte darauf keine Antwort geben. Es gebe "keine Anfrage" wegen Schaaf, sagte er.

Die Klubführung in Gelsenkirchen äußert sich nicht zu diesen Dingen, sie hat es zuletzt öfter hinbekommen, wichtige Operationen diskret abzuschließen, bevor sie dann selbst die Öffentlichkeit unterrichtete. Dass Max Meyer seinen Vertrag verlängert hatte, wurde erst publik, als der Verein es bekannt gab. Tatsächlich hatte er sich schon drei Wochen zuvor mit dem Klub geeinigt.

Ähnlich unbeobachtet erfolgte die Einigung mit Julian Draxler im Frühjahr, und auch der Transfer von Kevin-Prince Boateng kam Ende August erst an dem Tag heraus, an dem er sich auf einer Pressekonferenz in Gelsenkirchen vorstellte. Dieser von Lärm umgebene und in der Vergangenheit oft selbst lautstarke Klub kann auch im Stillen handeln.

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