Zweitligist auf Amerika-Tour:Paderborn in the USA

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Zweitligist auf Amerika-Tour: Torwart Jannik Huth vom SC Paderborn - ob sich in den USA wirklich jemand für seinen Klub interessiert?

Torwart Jannik Huth vom SC Paderborn - ob sich in den USA wirklich jemand für seinen Klub interessiert?

(Foto: Hans-Jürgen Schmidt/Imago/HJS)

"German Beer" und eine Polka-Band: Dank einer Zuschussfinanzierung der Deutschen Fußball-Liga hat der Zweitligist SC Paderborn eine PR-Reise in die USA veranstaltet. Doch wofür genau hat er da eigentlich geworben?

Von Nelis Heidemann

Der Zweitligist war zwölf Tage auf einer für die Reisegruppe eindrucksvollen Mission in den Vereinigten Staaten. Geschäftsführer Fabian Wohlgemuth will den Trip aber auch nicht überhöhen: "Der Reiseaufwand für unser Trainingslager war etwas größer. Für die teambildende Wirkung der Reise haben wir das in Kauf genommen." Diese ostwestfälische Nüchternheit hat wohl auch ihren Grund, schließlich konnte man rund um diese Reise schon ein paar neugierige Fragen stellen: Was genau hat der Tabellensiebte der zweiten Bundesliga auf der anderen Seite des Atlantik verloren?

Warum produziert der SC Paderborn einen markigen Imagefilm auf Englisch, in dem das regionale Bier beworben wird? Und ist das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht für den deutschen Fußball, wenn zu Vermarktungszwecken ausgerechnet der SC Paderborn nach Übersee geschickt wird?

Ausgerechnet der SC Paderborn soll in den USA vermarktet werden?

Der Reihe nach: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bezuschusst Reisen ihrer Klubs in sogenannte "definierte Zielmärkte", wie zum Beispiel die USA. Jeder Verein der ersten beiden Ligen kann sich darauf bewerben, für Paderborner Verhältnisse deckt dieser Zuschuss einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten. Hinzu kommen Antrittsgagen für Testspiele und gute persönliche Kontakte Wohlgemuths zu einer Vermittlungsagentur - und schon steht das große Abenteuer. "In den USA steht die Bundesliga aktuell noch im Schatten von La Liga und Premier League", weiß Wohlgemuth, der also auch als Zweitligist gute Möglichkeiten zur Repräsentation sah.

In Minneapolis, Madison und Chicago machte der SCP-Tross Halt, und schon früh war zu erkennen, dass dieser Trip für Paderborn tatsächlich funktioniert. Über den deutschen Baseball-Star Max Kepler, der durch seine Förderung von der in Paderborn gegründeten Deutschen Baseball Akademie eine Verbindung zur Stadt hatte, stellte der SCP Kontakt zum MLB-Team der Minnesota Twins her. Vor einem Spiel teilten die Twins über Twitter ein Foto von Kepler und einigen Paderbornern mit ihren 685 000 Followern - diese Zahl entspricht etwa viereinhalb mal so vielen Menschen, wie die Stadt Paderborn überhaupt Einwohner hat. Innenverteidiger Uwe Hünemeier absolvierte anschließend den "First Pitch", eine Aufgabe, der sich auch gerne mal US-Präsidenten annehmen.

Und auch sonst jagte ein Programmpunkt den nächsten: Bei einem Testspiel gegen Minnesota United hätten die Paderborner fast ein MLS-Stadion vollgemacht. In einem anderen Spiel half das Klischee, das die Paderborner umwaberte, bei der Füllung des Stadions: Der Gegner Forward Madison warb rund um das Duelle mit den Paderbornern mit "German food" und "German beer", zusätzlich wurde für die Tribüne eine "German Polka band" engagiert. Das Maskottchen "Holli", eine Maus, verteilte Kuscheltiere an Kleinkinder, die Mannschaft spielte Basketball in einer der führenden Sport-Universitäten des Landes, das Social Media-Team berichtet von viermal höheren Impressionen als sonst.

So lösten die Paderborner eine kleine Welle der Begeisterung aus, glaubt Wohlgemuth. "Es war auch zwischenmenschlich eine sehr gute Zeit. Unser Club ist hier mit großem Interesse empfangen worden", erzählt er. Ob die Ostwestfalen jetzt neue Marketing-Felder in Übersee erschlossen haben, darf natürlich trotz allem rechtmäßig in Frage gestellt werden. Und es stellt sich natürlich die Frage, wofür hier überhaupt geworben wurde? Für den deutschen Fußball? Für den SC Paderborn? Oder doch eher für deutsche Polka? Der Fokus habe immer auf dem sportlichen Programm gelegen, sagt Wohlgemuth.

"Die Effekte der Reise bilden sich eher langfristig ab. Nach dem zehnten Spieltag sind wir schlauer", vermutet der Paderborner Geschäftsführer. Jetzt schon aber freuen sich die Ostwestfalen über viele tolle Erlebnisse und das sichere Gefühl, dass dem deutschen Fußball vielleicht gar nicht bange sein muss, wenn jemand anderes als Bayern München oder Borussia Dortmund zur Auslandsvermarktung antritt.

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