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SC Paderborn:Gold aus dem Nichts

SC Paderborn 07 - Fortuna Düsseldorf

Paderborns Torschütze Abdelhamid Sabiri feiert seinen Treffer zum 1:0 mit einer Geste, bei der er Mund und Stirn verbirgt.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Hoffnung für die Gallier: Der 2:0-Sieg von Aufsteiger Paderborn über Fortuna Düsseldorf ist für 13 SC-Spieler der erste Bundesliga-Sieg überhaupt.

Seit viereinhalb Jahren war mit dem beliebten Gassenhauer "Hermann Löns, die Heideheide brennt" kein Bundesliga-Sieg mehr in der heimischen Arena besungen worden. Aber das lag natürlich vor allem daran, dass der SC Paderborn in vier von diesen viereinhalb Jahren überhaupt nicht in der Bundesliga gespielt hatte. Umso ausgelassener war am Samstag in Ostwestfalen die Laune nach dem 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf. Es war Paderborns erster Sieg im neunten Saisonspiel nach dem Aufstieg - und der erste Bundesliga-Heimsieg seit dem 11. April 2015, als das Team den FC Augsburg 2:1 bezwungen hatte. Für Coach Steffen Baumgart, 47, war es zudem der erste Bundesliga-Sieg als Trainer überhaupt.

Dieser Premieren-Erfolg hatte für Baumgart einen schönen Nebeneffekt, denn er konnte ausgerechnet seinem früheren Trainer Friedhelm Funkel persönlich zeigen, dass aus ihm selbst auch ein guter Coach geworden ist. Zwischen September 2000 und Dezember 2001 hatte der Stürmer Baumgart bei Hansa Rostock unter dem Trainer Funkel gespielt. Beide fühlen sich offenbar noch immer einander verbunden, jedenfalls eröffnete Funkel die Pressekonferenz nach dem Spiel mit den aufrichtigen Worten: "Ich möchte Steffen ganz herzlich zum ersten Bundesligasieg gratulieren. Der hätte zwar nicht unbedingt gegen uns sein müssen, war aber längst überfällig, weil die Paderborner auch in den letzten Wochen viele gute Spiele abgeliefert haben und immer mit leeren Händen dastanden." Steffen Baumgart bedankte sich für Funkels Gratulation umgehend mit dem schönen Satz: "Trainer, vielen Dank für die Glückwünsche!"

Die besonderen Emotionen dieses Moments für die Paderborner Mannschaft und zugleich die Gründe dafür, warum sie so lange auf einen Sieg hatte warten müssen, erklären sich auch aus dem Umstand, dass das 2:0 gegen Düsseldorf für 13 der 14 eingesetzten SC-Spieler den ersten Bundesliga-Sieg bedeutete. Nur der frühere Mainzer Gerrit Holtmann hatte bereits vor seinem Wechsel nach Paderborn einmal ein Bundesligaspiel gewonnen. Für alle anderen in Baumgarts Team waren ja schon die bisherigen Erstliga-Einsätze völliges Neuland. Und, fast überflüssig zu erwähnen, natürlich waren auch die Treffer für die beiden Torschützen Abdelhamid Sabiri (1:0) und Sebastian Schonlau (2:0) Bundesliga-Premieren.

Man darf mit den bescheidenen Ostwestfalen also weiterhin sympathisieren wie mit dem kleinen gallischen Dorf in den Asterix-Comics. Allerdings bedürfte es trotz des ersten Sieges weiterhin eines kleinen Fußballwunders, damit der SC Paderborn in seiner zweiten Bundesliga-Saison die Klasse hält. Zu überschaubar ist die individuelle Qualität des Kaders in einem Klub, der mit rund 20 Millionen Euro den mit Abstand geringsten Etat aller Bundesligisten hat. "Für uns bleibt es schwierig", gab der Trainer Baumgart zu.

Der Torschütze Sabiri hingegen, im Sommer für zwei Jahre auf Leihbasis aus England von Absteiger Huddersfield Town gekommen, beschrieb nach dem Sieg einen denkbaren Weg zum Klassenverbleib - in rustikal-ostwestfälischer Tonart. Über seinen Traumschuss zum 1:0, gewissermaßen aus dem Nichts heraus, sagte er nach dem Spiel: "So kann man doch in der Liga bleiben: wenn man aus Scheiße Gold macht!"

© SZ vom 28.10.2019

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