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SC Paderborn:Der Trotz der Unterdogs

Einen Punkt ergrätscht: Der Paderborner Ben Zolinski (li.) wirft sich gegen Hoffenheims Schlussmann Oliver Baumann in den Ball.

(Foto: Friso Gentsch/AFP)

Paderborn klammert sich nach dem Punktgewinn gegen Hoffenheim an die Hoffnung. Doch im Restprogramm der Saison muss sich der Aufsteiger noch mit Top-Teams messen.

So lange die Kugel rollt, hat jeder eine Chance, somit behielt Steffen Baumgart auch nach diesem Remis seinen Grundoptimismus: "Böse Zungen haben ja behauptet, dass der Klassenerhalt für uns nie realistisch war", sagte der Trainer des SC Paderborn nach dem 1:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim: "Deswegen freuen wir uns, dass wir immer noch dabei sind."

Tatsächlich ließen sich zu diesem Unentschieden zwei Lesarten finden. Die negative Deutung lautet so: Wieder kein Sieg, nur zwei Heimerfolge in 14 Versuchen, Tabellenplatz 18, der Abstieg rückt näher. Für die positivere Auslegung, der auch Baumgart zuneigt, spricht der Umstand, dass Paderborn auch das zweite Spiel nach der Corona-Pause nicht verlor. Nach frühem Rückstand gegen eine spielstarke Mannschaft hat Baumgarts Team zurückgeschlagen, nur fünf Minuten nach Hoffenheims Führung kam Paderborn am Samstag zum Ausgleich. "Es war sehr mutig von meinen Jungs. Du musst erst mal in so ein Spiel so bescheiden reinkommen und dann so weiterspielen", befand der Trainer.

Der Fokus auf die eigene Leistung bleibt für Baumgart das Entscheidende, selbst im letzten Viertel der Bundesligasaison und im Angesicht schwindender Chancen auf die Rettung. Denn Paderborn muss in den verbleibenden sieben Spielen unter anderem noch gegen Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und bei RB Leipzig antreten. Sein Team, so versprach er, werde in jeder Partie "Vollgas" geben: "Egal, wer hier herkommt, und egal, wo wir hinkommen." Dennoch gibt er sich keinen Illusionen hin, sein Team ist als Underdog in die erste Liga gestartet und erfüllt diese Rolle zumindest tabellarisch.

Anders als fast alle Kontrahenten hatte der finanzklamme SC Paderborn vor der Saison gezwungenermaßen auf große Investitionen verzichtet. Baumgart hielt auch nach zwei Aufstiegen in Serie an seinem offensiven System fest: hohes Anlaufen, schnelles Umschalten, Chancen schaffen. Und so kann sich der Baumgartsche Außenseiterfußball weiterhin sehen lassen, denn so richtig unter die Räder gekommen sind die Ostwestfalen in dieser Saison nur beim 1:5 gegen Schalke im Spätsommer. Die Leistungen waren zumeist ansprechend, die Moral beim Aufsteiger ist vorbildlich. Nur wird letztlich doch der Qualitätsunterschied immer wieder sichtbar.

Trotzdem soll weiter versucht werden, zumindest noch den Relegationsplatz zu erreichen. Der eine Punkt gegen Hoffenheim, den Mittelstürmer Dennis Srbeny in der 9. Minute nach dem frühen Gegentor durch Robert Skov (4.) sicherte, konnte die Hoffnung allerdings kaum nähren, umso wichtiger wird die Partie beim FC Augsburg am Mittwochabend werden. "Wir haben eine gute Möglichkeit in Augsburg, wenn wir an unsere Grenze kommen, den einen oder anderen Punkt mehr mitzunehmen", glaubt Baumgart. Ähnlich sieht es Verteidiger Klaus Gjasula, der am 27. Spieltag bereits seine 14. gelbe Karte der Saison sah: "Wir müssen weiter alles probieren, damit wir am Ende des Tages in den Spiegel schauen können und wissen, dass wir alles dafür getan haben", sagte er.

© SZ vom 25.05.2020 / sid

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