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SC Freiburg verliert in Stuttgart:Wie junge Hunde

Der SC Freiburg verliert deutlich in Stuttgart - und wird dennoch für seine Courage gelobt. Trainer Christian Streich wünscht sich jedoch lieber Punkte. Sein Kollege Bruno Labbadia muss sich trotz des Sieges Kritik an seiner Elf gefallen lassen.

Christian Streich saß auf dem Podium und lächelte. Dann schüttelte der Trainer des SC Freiburg den Kopf und legte die Stirn in Falten. Er hatte ein Frage nicht verstanden, womöglich aber verstand er an diesem Nachmittag die ganze Welt nicht mehr. Seine Mannschaft hatte gerade beim VfB Stuttgart mit 1:4 verloren und wurde ob ihres Mutes und Willens gelobt, während Kollege Bruno Labbadia erklären musste, warum seiner Elf die Partie beinahe entglitten wäre.

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"Wir arbeiten jede Woche wie die Verrückten, wir kämpfen an jedem Wochenende wie die Löwen gegen die individuelle Klasse der Gegner", sagte Streich nach dem Lob für seine Mannschaft, "aber es wird bei uns immer so sein, dass wir hin und wieder ganz brutal verlieren - vor allem, wenn es beim Gegner läuft."

Der VfB Stuttgart gilt seit einigen Jahren als Laufkundschaft in der Bundesliga, was nichts anderes bedeutet, als dass die Mannschaft bei einem positiven Lauf Deutscher Meister werden kann, bei einem negativen Lauf im Verdacht steht, absteigen zu müssen. In dieser Spielzeit haben die Stuttgarter ihre Läufe auf eine Mikroebene gesenkt, sie durchleben Lauf und Anti-Lauf innerhalb von 90 Minuten und betrachten dann erstaunt, was am Ende dabei herauskommt.

Gegen den SC Freiburg hatte es nach schönen Treffern von Martin Harnik und Shinji Okazaki schnell 2:0 gestanden. Dann erzielten die Freiburger durch Fallou Diagné den Anschlusstreffer, Jan Rosenthal hätte kurz nach der Pause ausgleichen müssen - doch schoss er aus drei Metern an den Pfosten. Dann hatten die Stuttgarter wieder einen Lauf, erzielten zwei Treffer (Harnik und Boulahrouz) und gewannen mit 4:1.

Den Freiburgern sind derartige Läufe und Anti-Läufe freilich unbekannt, sie kennen vor allem in der Rückrunde nur eine Spielvariante: Sie liegen zurück, holen auf - und holen am Ende zu wenig Punkte. "Wir sind das gewohnt: Wir sind immer dran, wir sind immer gefährlich", sagte Torwart Oliver Baumann nach der Niederlage, "aber letztlich ist unsere Tabellensituation natürlich beschissen."

Die Freiburger haben gegen Bremen zwei Mal einen Rückstand egalisiert, gegen Wolfsburg ebenfalls. Sie hatten den FC Bayern am vergangenen Wochenende am Rande einer Niederlage und waren nun laut Streich gegen Stuttgart "ganz, ganz nah dran". Aus diesen vier Partien holten die Freiburger jedoch lediglich zwei Punkte und sind deshalb nach wie vor am Ende der Tabelle.

"Wir müssen damit leben"

Es gibt noch eine prägende Eigenschaft der Freiburger in dieser Rückrunde: Sie geben einfach nicht auf, auch nach Rückständen rennen die Spieler über den Platz wie junge Hunde, die einem Ball nachlaufen. "Man sieht, was für ein Herz und was für einen Verstand unsere Mannschaft hat", sagte Streich. Nur machen diese junge Hunde Fehler, die letztlich bestraft werden. "Bei uns bekommt keiner das Messer reingerammt, nur weil er einen Fehler macht", sagte Streich, "nur wäre es schön, auch mal nicht nach 15 Minuten zurückzuliegen."

Sie haben es derzeit wahrlich nicht leicht, die Freiburger. Sie rennen, sie kämpfen, sie grätschen, sie können auch sehenswert Fußball spielen. Aber sie gewinnen einfach nicht. "Unsere Fans müssen auch Bitternis aushalten, leidensfähig sein", hatte Präsident Fritz Keller kürzlich im SZ-Interview gesagt. Christian Streich ergänzte nach der Niederlage gegen Stuttgart: "Wir müssen damit leben, dass wir beim SC Freiburg immer wieder Spiele verlieren."

Dann sah er hinüber zu Bruno Labbadia, der erklären musste, warum seine Mannschaft nicht viel höher gewonnen hatte. Streichs Blick sagte: Bruno, gewinnen ist in Deinem Fall aber auch nicht unbedingt schön.

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