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SC Freiburg:Neue Freiburger Talente sind in Sicht

Hamburger SV v SC Freiburg  - Bundesliga

Freiburgs Chefausbilder und ein Nationalspieler: Auch Matthias Ginter (rechts, derzeit Mönchengladbach) war einst Schüler von Christian Streich.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

Aus der angesehenen Freiburger Fußballschule schafften es zuletzt immer weniger Talente zu den Profis. Der Klub reagierte - und schaffte dank neuer Strukturen die Wende.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Es ist einer dieser lauen Dezembertage, kurz vor Heiligabend, als Andreas Steiert noch einmal das Zimmer wechseln muss. Denn der Besprechungsraum gleich hinter dem Haupteingang zur Freiburger Fußballschule wird gerade vom sportlichen Leiter, Martin Schweizer, und ein paar Trainerkollegen genutzt - die Kaderplanung für die kommende Saison steht an. "Kommen Sie, wir gehen in mein Büro im ersten Stock", sagt Steiert.

Seit 2013 leitet er die Fußballschule des SC Freiburg, die im Jahr 2001 - maßgeblich auf Betreiben des langjährigen Cheftrainers Volker Finke - gegründet wurde und einiges zum glänzenden Image des Klubs beigetragen hat. Man kann die Fans im Freiburger Stehplatzbereich dazu befragen oder auch einen x-beliebigen deutschen Fußballkenner aus Flensburg oder Passau. Jeder wird beim Thema Sportclub Freiburg sofort auf den Leitgedanken kommen, dass dort seit langer Zeit eine hervorragende Jugendarbeit betrieben wird.

Intern ist die Wahrnehmung dazu allerdings differenzierter. Bei allem Stolz über die berechtigten Lorbeeren sind die Zeiten für Nachwuchspflege auch in Freiburg schwieriger geworden. Die B-Jugend steht aktuell in ihrer Bundesliga-Staffel auf einem Abstiegsplatz. Und aus der obersten Ausbildungsmannschaft des Vereins, der in der Regionalliga Südwest viertklassig kickenden U23, schaffen seit einigen Jahren auch nicht mehr so viele junge Spieler den Sprung in die erste Bundesliga-Mannschaft wie noch vor einer Dekade.

Glaubt man Steiert, der trotz all seiner Fröhlichkeit keine PR-Floskeln absondern will, ist die Freiburger Nachwuchsarbeit auch ein Stück weit Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Profis wie Matthias Ginter, Ömer Toprak, Oliver Baumann oder Maximilian Philipp - sie alle und noch viele mehr kamen aus dem SC-Nachwuchs, bevor sie nach einigen Jahren in der ersten Mannschaft anderswo durchstarteten. Die aktuellen Freiburger Stammspieler Nicolas Höfler, Christian Günter, Alexander Schwolow oder Jonathan Schmid sind ebenfalls Eigengewächse. Sie alle sind aber längst etablierte Bundesliga-Spieler. In den vergangenen zwei, drei Jahren hingegen hat es kein Junger mehr in den Stamm der ersten SC-Mannschaft geschafft.

"Ja, wir haben eine Delle", sagt Steiert, "aber eine begründbare."

Einige Talente sind wieder dran an der ersten Mannschaft

Zum einen erwiesen sich langjährige Jugendtrainer wie Christian Streich, der 16 Jahre lang die A-Junioren gecoacht hatte, sowie dessen heutige Assistenten Lars Voßler und Patrick Baier als so gut, dass man sie zu den Profis hochzog. Zudem galt das Gleiche für den heutigen Sportdirektor Klemens Hartenbach und den Sportvorstand Jochen Saier. Und zum dritten spielte die Freiburger Profimannschaft zuletzt auf einem höherem Niveau als zu jenen Zeiten, als auch deshalb mehrere Spieler pro Saison den Sprung nach oben schafften, weil die Profis zwischen erster und zweiter Liga pendelten. "Wir dürfen Durchlässigkeit nicht miteinander vergleichen", erklärt Steiert. "Wer wie Bayern München einen Champions-League-Spieler ausbilden muss, hat es schwerer als ein Verein, der einen Zweitligaspieler ausbildet." Zudem sei auch bei einem Klub wie Freiburg nicht jeder Nachwuchs-Jahrgang gleich gut besetzt. Und es kommt auch mal vor, dass das hoffnungsvollste Talent nach zwei Kreuzbandrissen den Fußball aufgeben muss.

Steiert, der gerade noch recht ernst geschaut hat, beugt sich nach vorne, als er betont: "Aber jetzt ist der Turnaround geschafft." Delle hin oder her: Einige Freiburger Talente sind wieder dran an der ersten Mannschaft: Janik Keitel saß am Ende der Hinrunde ein paar Mal auf der Bank; Lukas Tempelmann und Nico Schlotterbeck hatten schon erste Einsätze. Aber taugen sie als Beleg für den "Turnaround" in der Nachwuchsarbeit? Steiert findet: Ja!

Zwar waren Tempelmann (zuvor 1860 München), Schlotterbeck (Karlsruher SC) und auch der dritte Torwart Niclas Thiede (Bochum) schon fast volljährig, als sie nach Freiburg wechselten. "Wenn jemand erst mit 17, 18 zu uns kommt, haben natürlich viele Vereine mitgeholfen" gibt Steiert zu. Allerdings sei "der letzte Schritt auch der schwierigste. Es ist die Königsdisziplin, die Jungs in den Profibereich zu überführen."

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