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Leroy Sané und der FC Bayern:Die (fast) unendliche Transfer-Geschichte

Leroy Sané erleidet 2019 einen Kreuzbandriss beim Spiel Manchester City gegen FC Liverpool

Die verhängnisvolle Verletzung: Leroy Sané reißt sich im Community Shield, dem englischen Super Cup, gegen Liverpool das Kreuzband

(Foto: Action Images via Reuters)

Mehr als ein Jahr nach den ersten Gerüchten wechselt Leroy Sané zum FC Bayern. Eine Chronologie von aufgeflammter Begeisterung, Zwist im Klub und Verletzungsdrama bis hin zur Versöhnung.

Von Saskia Aleythe und Tim Brack

Es ist so weit: Leroy Sané hat tatsächlich beim FC Bayern unterschrieben, alle Hätte-Würde-Könnte-Statusberichte sind Geschichte. Kein anderer Transfer hat die Münchner in jüngerer Vergangenheit im eigenen Vereins-Umbruch so lange begleitet. Eine Zusammenfassung der Ereignisse:

17. Mai 2019: Bei Manchester City geht Leroy Sané in sein vorletztes Vertragsjahr. Im Fußballgeschäft ein üblicher Zeitpunkt, um sich Gedanken zu machen über eine Verlängerung oder einen Wechsel. In Manchester wollen sie Sané behalten - auch wenn er mit seinem Hang zur Improvisation den Choreographen Pep Guradiola manchmal verstimmt. "Wir versuchen seit eineinhalb Jahren, seinen Vertrag zu verlängern. Wir wollen ihn behalten", beteuert der City-Trainer auf einer Pressekonferenz.

23. Mai 2019: Mit Transfergerüchten ist es wie mit dem Urknall. Es ist schwer, den exakten Zeitpunkt zu bestimmen, wann alles begann. Auch die Sané-Bayern-Verbindung waberte, bis der Kicker ihr den Anstrich einer offiziellen Mitteilung gab. Das Magazin berichtet über ein Interesse der Münchner am Flügelstürmer. Zwei Tage vor dem DFB-Pokalfinale bestätigte Bayern-Präsident Uli Hoeneß: "Wir beschäftigen uns mit der Personalie."

29. Mai 2019: Das Interesse ist bekundet, aber Hoeneß bremst nach einem Blick auf die Finanzen schon wieder die Erwartungen eines möglichen Transfers. "Ich habe noch keine genauen Zahlen, aber ich denke, dass der finanzielle Rahmen sehr schwierig wird", sagt er der Sport Bild: "Das ganze Paket ist schwierig."

3. Juni 2019: Um noch mal zu verdeutlichen, dass sich ja keiner Hoffnungen zu machen braucht, legt Hoeneß im Kicker nach: "Man muss ein bisschen skeptisch sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es klappt. Es geht um Beträge, die sind Wahnsinn." Spekuliert wird über eine Ablöse von mindestens 100 Millionen Euro. Es wäre ein neuer Rekord in der Bundesliga.

5. Juni 2019: Ilkay Gündogan, Sanés Mitspieler in Manchester, sagt bei einem Termin der Nationalmannschaft: "Ich weiß nicht viel, aber ich weiß ein bisschen. Ich gehe momentan davon aus, dass Leroy bleibt."

12. Juni 2019: Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge deutet an, dass Sané nicht unbedingt in München kicken wird. Allerdings deutet er auch an, dass es nicht unbedingt ums Finanzielle geht, wie Hoeneß zuvor betont hat, sondern um den Willen von Sané. "Ein Transfer ist immer ein Drei-Parteien-Geschäft. Erst muss sich der Spieler entscheiden, wo er seine Zukunft sieht", sagt Rummenigge der Sport Bild. Will Sané womöglich gar nicht zum FC Bayern?

24. Juni 2019: Diese Annahme bestätigt sich. Die SZ erfährt, dass der 23-Jährige bereits vor mehreren Wochen gesagt hat, dass er eher nicht zum FC Bayern gehen werde. Sané soll verstimmt sein, weil die Münchner 2016 von einer Verpflichtung absahen. Damals setzte der Verein weiter auf Arjen Robben und Franck Ribéry.

8. Juli 2019: Der FC Bayern stellt Lucas Hernández vor. 80 Millionen bezahlt der Klub für den Verteidiger. Sané dürfte noch einmal teurer werden. Rummenigge sieht den Ball in der Hälfte des Sané-Lagers: "Der Stand bei Leroy Sané ist, dass er diese Woche aus dem Urlaub zurückkommt. Währenddessen wollte er sich Gedanken um die Zukunft machen."

9. Juli 2019: Einen Tag später wird Trainer Niko Kovac gefragt, ob er Sané gerne beim FC Bayern sehen würde. Seine Antwort: "Ja. Punkt. Ausrufezeichen!" Der Flügelstürmer würde den Bayern "auf jeden Fall helfen. Bei der Nationalmannschaft und bei City hat man gesehen, was er für Fähigkeiten hat".

Mitte Juli 2019: Beim FC Bayern soll Post aus England eingegangen sein, berichtet der Kicker. In einem Schreiben bittet Manchester City darum, Diskussionen und Offerten bezüglich Sané nicht mehr öffentlich zu kommentieren. Das offensive Werben der Münchner ging dem englischen Meister offenbar zu weit.

28. Juli 2019: Kovac torpediert das Anliegen von Manchester City. Beim Münchner Vorbereitungsturnier sagt er im ZDF: "Den möchten wir. Unser Klub und die Vereinsführung sind da sehr engagiert. Es ist nicht einfach, sonst wäre es ja schon durch. Aber ich bin sehr zuversichtlich, und ich gehe davon aus, dass wir ihn bekommen können."

30. Juli 2019: Rummenigge rüffelt Kovac. "Mir haben seine Aussagen nicht gefallen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu Manchester City mit unserem Ex-Trainer Pep Guardiola, und Sané steht dort noch unter Vertrag", sagt der Vorstandschef im ZDF. Und: "Weder optimistische noch pessimistische Aussagen helfen uns da." Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic meldet sich zu Wort: "Es ist wichtig, dass über die Spieler nicht gesprochen wird, die bei einem anderen Verein unter Vertrag stehen."

1. August 2019: Sané soll sich nun doch für Bayern entschieden haben, das berichten mehrere Medien. Eine Transfersumme von 125 Millionen Euro soll im Raum stehen.

4. August 2019: In England beginnt die Saison mit dem relativ bedeutungslosen Duell zwischen Meister und Pokalsieger, dem Community Shield. Sané läuft zur Verwunderung einiger Beobachter gegen Liverpool auf. Nach neun Minuten verletzt er sich am rechten Knie.

8. August 2019: Die Untersuchungen ergeben, dass Sané sich das Kreuzband gerissen hat. Die Verletzung gibt der Transfer-Saga eine dramatische Wendung.

16. August 2019: Nach dem Auftaktspiel der Bundesliga schließt Rummenigge einen Sommer-Wechsel von Sané aus: "Nein, Leute, jeder weiß, was eine Kreuzband-OP bedeutet und was die Ausfallzeit betrifft."

"Er möchte zu einem anderen Klub wechseln"

September 2019: Noch-Präsident Uli Hoeneß meldet aus der Schaltzentrale des FC Bayern, dass man sich im Klub natürlich auch weiterhin mit Sané beschäftigen werde. Der Plattform Planet Futbol sagt Hoeneß, der FC Bayern müsse bei Sané "abwarten, wie seine Genesung verläuft. Ich denke, die neuen Leute müssen sich im Januar, Februar zusammensetzen und beraten, wie es in dieser Sache weitergeht".

Januar 2020: Trainer Hansi Flick wünscht sich recht deutlich Verstärkung für den eigenen Kader, schon in der Winterpause. Sané spielt in den Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle: Er muss seine Verletzung auskurieren.

März 2020: Die Corona-Pause in der Bundesliga regt neue Denkprozesse beim FC Bayern an. Rummenigge sagt dem Münchner Merkur: "Keiner weiß heute genau, wie sich die Corona-Krise in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter auf den Fußball auswirken wird. Daher haben wir das Thema Neuzugänge erst einmal auf 'Hold' gestellt". Ablösesummen und Spielergehälter würden durch die Folgen der Krise "von allen Vereinen in ganz Europa neu überprüft werden". Da Sané im Vorjahr wohl eine dreistellige Millionensumme gekostet hätte, spielen die Zahlen keine untergeordnete Rolle.

April 2020: Im Sané-Lager hat man die Botschaft zur Kenntnis genommen, man sendet via Sport Bild eindeutige Signale: Der FC Bayern sei "der einzige Klub in Deutschland, den sich Leroy als nächsten Karriere-Schritt vorstellen kann", sagt Damir Smoljan, der Geschäftsführer von Sanés Beraterfirma Lian Sports. Aber auch andere Spitzenvereine in Europa würden sich um den Spieler bemühen, soll heißen: Bayern muss jetzt schon was bieten.

Anfang Mai 2020: Auch Leipzigs Timo Werner schickt Signale nach München: "Falls ein Wechsel irgendwann einmal ein Thema werden sollte, würde mich eher der Schritt ins Ausland reizen als ein Wechsel zu Bayern", sagt er der Sport Bild und erleichtert den Münchnern die Transferplanung - sie können sich nun ganz auf die Verpflichtung von Sané konzentrieren. Im Juni wechselt Werner zum FC Chelsea.

Ende Mai 2020: Ehren-Präsident Hoeneß lässt in einem Telefon-Interview mit dem BR fast beiläufig den Namen Sané fallen, als gehöre dieser schon zur Mannschaft des FC Bayern ("Ich glaube, dass wir an der Schwelle zu einer neuen, tollen Generation sind"). Nach dem folgenden Spiel gegen Düsseldorf sagt Sportvorstand Oliver Kahn bei Sky: "Ich wäre ganz vorsichtig, jetzt über irgendwelche Transfers nachzudenken im größeren Millionenbereich." 30 oder 40 Millionen Euro - egal für welchen Spieler - seien keine Peanuts, so Kahn. Die Verhandlung mit Manchester City läuft offenbar noch.

19. Juni 2020: Sané möchte wirklich gerne wechseln und konnte nun auch seinen Noch-Trainer Guardiola als Sprachrohr gewinnen. "Er möchte zu einem anderen Klub wechseln", sagt Guardiola, "wenn zwei Vereine am Saisonende zu einer Einigung kommen, kann er gehen. Wenn nicht, wird er mit Ende seines Vertrages (2021, d. Red.) gehen." Ein erneutes Vertragsangebot des Premier-League-Klubs habe Sané abgelehnt.

23. Juni 2020: Erstmals seit seinem Kreuzbandriss spielt Sané wieder bei den Profis mit: Gegen den FC Burnley wird er in der 79. Minute beim Stand von 5:0 eingewechselt, es bleibt bei dem Ergebnis.

2. Juli 2020: Sané absolviert den Medizincheck in München.

3. Juli 2020: Der FC Bayern gibt die Verpflichtung von Sané bekannt, er bekommt einen Vertrag bis 2025. Die Ablösesumme soll laut Medienberichten weniger als 50 Millionen Euro betragen, womit sich der Preis im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert hätte. "Wir sind glücklich, dass wir Leroy Sané beim FC Bayern willkommen heißen können. Er ist ein hervorragender Spieler, der seine Qualitäten in den vergangenen Jahren nachhaltig unter Beweis gestellt hat, insbesondere in der Nationalmannschaft. Unser Ziel ist es, die besten deutschen Spieler beim FC Bayern zu versammeln und die Verpflichtung von Leroy unterstreicht diesen Weg", sagt Rummenigge. "Servus München", sagt Sané auf Instagram und streift sich das Trikot der Bayern über, die Klubphilosophie hat er mit seinen Schlussworten schon verinnerlicht: "Mia san Mia."

© SZ.de/ebc
Football - 2019 / 2020 Premier League - Manchester City vs. Burnley Leroy Sane of Manchester City at the Etihad Stadium.

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