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Manchester City:Sané muss operiert werden

FA Community Shield - Manchester City v Liverpool

Mehrere Quellen berichten von einem Kreuzbandriss bei Leroy Sané.

(Foto: Action Images via Reuters)
  • Nun ist es offiziell: Manchester City bestätigt, dass sich Leroy Sané am Kreuzband verletzt hat. Eine Operation in der kommenden Woche ist die Folge.
  • Der FC Bayern muss nun die Frage beantworten, ob der Spieler trotzdem kommen soll.

Schweigen. Im Raum "Hirschberg" des Hotels Überfahrt ist nur das Tschilpen der Vögel aus dem Garten zu hören, keiner sagt etwas. Thomas Müller hat gerade darüber gesprochen, dass seine Mitspieler beim FC Bayern und er nach drei harten ersten Einheiten im Trainingslager "bissl schwere Beine" hätten, aber das gehöre im Sommer ja dazu, "dass es auch ein bisschen raucht im Getriebe". Aber nun: Schweigen. Keine Fragen. Und wo keine Fragen sind, gibt es keine Antworten. Außer in Medienrunden mit Müller.

In mehr als einem Jahrzehnt als Fußballprofi hat Müller nie seine Schlagfertigkeit verloren, wegen seines speziellen Witzes hat er irgendwann den Ehrentitel Karl Valentin des Fußballs verliehen bekommen, er weiß, was Journalisten hören wollen. Wann immer es schwierig ist, sich zu aktuellen Dingen zu äußern, schickt der FC Bayern seinen vereinseigenen Valentin vor. Am Donnerstagmittag unterbricht daher Müller selbst das Schweigen.

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"Wenn sich keiner die unangenehme Frage zu stellen traut", sagt Müller, dann mache er das eben selbst: "Zu Transfers kann ich immer noch nichts sagen." Der Donnerstag dürfte in die Geschichte des FC Bayern eingehen als einer der nervösesten Tage in einem Transfersommer. Zumal die Nervosität am Nachmittag noch einmal größer wurde: Via bild.de kam die Schlagzeile, dass der von den Münchnern seit Wochen umworbene Leroy Sané, 23, von Manchester City sich am Sonntag einen Anriss des Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen habe. Da eine Operation notwendig sei, werde die Ausfallzeit des deutschen Nationalspielers wohl wie in solchen Fällen üblich mindestens sechs Monate betragen.

Am Abend kam dann auch die offizielle Meldung des englischen Klubs: Das Kreuzband sei beschädigt, ein unter der Woche eigens nach Manchester gereister Spezialmediziner habe dies bestätigt. Kommende Woche stehe der chirurgische Eingriff an, der Klub wünsche Sané eine "schnelle und vollständige Genesung". Dies ist eine bittere Pointe hinter ein Münchner Transfervorhaben, das sich Kapitel auf Kapitel zum Krimi zugespitzt hat. Monatelang hatte sich in der großspurig angekündigten Marktoffensive des FC Bayern wenig bewegt, vor einer Woche kam dann das ersehnte Signal: Leroy Sané will nach München! Danach ging alles ganz schnell. Nur ganz anders, als sich das der FC Bayern vorgestellt hatte. Vergangenen Sonntag spielte Sané für Manchester City im Supercup gegen den FC Liverpool, in der achten Minute verletzte er sich und wurde ausgewechselt. Zur Siegerehrung kam er humpelnd mit Verband ums rechte Knie.

Am Montag wurde er ein erstes Mal untersucht, dann blieb die Schwere seiner Verletzung lange unklar. Am Mittwoch meldete die Bild, dass Sané noch freie Flüssigkeit im Knie habe. Es wurde Donnerstag, es war zunächst der Tag des Schweigens. Dann kam die Diagnose. Beim FC Bayern hielten sie sich an die neue Strategie, dass es zweckdienlicher sei, zu Transfers nichts zu sagen, nachdem die Verantwortlichen monatelang getönt hatten, was für ein großartiger Transfersommer das werde (Präsident Uli Hoeneß: "Wenn Sie wüssten, was wir alles sicher haben ...").

Dass der Klub nun aber schon so lange keinen Spieler mehr verpflichtet hat, liegt an verschiedensten Gründen, einer ist, dass bereits im Winter zwei Verteidiger kamen, darunter der aktuelle Rekordeinkauf, Lucas Hernández (für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid). Ein weiterer Grund ist aber womöglich, dass der FC Bayern sich nicht immer sonderlich geschickt verhalten hat; das offenbarte vergangene Woche Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, als er Trainer Niko Kovac öffentlich dafür tadelte, dass dieser sich "sehr zuversichtlich" gezeigt hatte, dass Sané kommen werde. Am Donnerstag also schweigt der Klub zumindest in Fragen zu Sané erst einmal kollektiv. Keiner will zuversichtlich sein, keiner will nicht zuversichtlich sein. Schweigen. Nur Müller sagt etwas, er muss ja sprechen.

Müller sagt: "Ich bin weder Mediziner noch Transferpolitiker."

Wie schwer Sané verletzt ist, beschäftigt nun weiter alle professionellen Mediziner und Transferpolitiker im Klub, davon hängen ja mehrere Fragen ab: Will der FC Bayern auch einen verletzten, ja sogar ernsthaft verletzten Sané kaufen? Und wie viel Geld will er dann für ihn ausgeben? Und wenn der Verein einen ja sogar ernsthaft verletzten Sané nicht kaufen will - hat er dann bereits andere Spieler kontaktiert? Es sind auch solche Fragen, die den Donnerstag am Tegernsee zu einem so nervösen Tag machten.

Eigentlich hat sich der Klub ja derart auf Sané festgelegt, dass ein Verzicht bereits eine argumentative Herausforderung wäre: Wenn der Klub einen Spieler für vier bis fünf Jahre verpflichten will - warum sollte er dann doch einen Rückzieher machen, nur weil der Wunschspieler ein paar Wochen oder Monate lang fehlt? (Vorausgesetzt, Sané würde weniger als die knapp 150 Millionen Euro kosten, die City intern dem Vernehmen nach als Ablöseforderung formuliert hat). David Gardner, der Sané gemeinsam mit dessen Eltern berät, sagt am Donnerstag auf SZ-Anfrage, dass er "nichts sage", nicht zur Verletzung, erst recht nicht zu möglichen Gesprächen.

Am Donnerstag läuft die Vorbereitung seit einem Monat, und viel Zeit zum Warten bleibt nicht. Mit jedem Tag, an dem das Ende der Transferfrist am 2. September näher rückt, werden umworbene Spieler nicht unbedingt billiger. "Es ist ja schon alles vermeldet worden, von perfekt zu geplatzt bis zwischendrin", sagt Müller, "da weiß man natürlich nicht immer genau, wem man da glauben soll - und wann."

Am Donnerstagmittag sagt Präsident Uli Hoeneß vor dem Mannschaftshotel zu einem möglichen Aus des Sané-Transfers: "Fragen Sie die Engländer." Auch sonst hält er sich an das selbst auferlegte Schweigegebot, indem er rein gar nichts zum aktuellen Stand der Verletzung des Spielers sowie zu den Verhandlungen verrät. "Wir werden Fakten bekanntgeben." Ob er zuversichtlich sei? Hoeneß sagt: "Tschüss." Es waren erstaunlich neutrale Sätze für einen, der da vermutlich bereits ein weiteres Kapitel aus dem Krimi über das lädierte Knie des Leroy Sané kannte.

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