Sandra Schwedler im Interview:"Nachwuchsleistungszentren gibt es momentan nur für Jungs"

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2018 waren nur neun Frauen in den Aufsichtsräten der Klubs der ersten und zweiten Liga. Das sind 4,48 Prozent.

Beim FC St. Pauli gibt es mit Vizepräsidentin Christiane Hollander und mir als Aufsichtsratsvorsitzender zwei Frauen und zehn Männer.

Gibt es Verbindungen zu den Frauen anderer Klubs?

Es gibt sporadische Kontakte, aber eine bundesweite Vernetzung aufzubauen, dafür fehlt die Zeit.

Eva-Maria Federhenn, die Präsidentin von Mainz 05 werden wollte, kennen Sie aber?

Ja, als sie diesen Job anstrebte, wurde bei mir sofort angefragt, was ich dazu sage. Ob ich glaube, dass sie qualifiziert sei. Bei einem Mann hätte niemand gefragt, ob der qualifiziert ist - vor allem nicht einen anderen Mann in einer anderen Stadt. Ich glaube, Frauen stehen dreißigmal mehr im Fokus als ein männlicher Kollege. Selten geht es dabei um inhaltliche Themen.

Halten Sie es für denkbar, dass etwa in 15 Jahren eine Trainerin St. Paulis Bundesligateam betreut? Die bislang höchste Ebene im Männerfußball hat die ehemalige Nationalspielerin Inka Grings erreicht: Sie coacht den Regionalligisten SV Straelen. In Frankreich mussten die Männer des Zweitligisten Clermont Foot nach der Pfeife von Corinne Diacre tanzen.

Ich fände es total schön (lacht). Aber dafür müsste sich schon einiges ändern. Das hat mit Verbandsstrukturen zu tun, mit Ausbildung. Fußball, der von Frauen gespielt wird, war erst verboten, dann mit anderen Regeln ausgestattet. Auch jetzt wird er immer noch sträflich vernachlässigt.

Sie regen sich darüber auf, dass es Fußball und Frauenfußball heißt.

Die Unterscheidung ist nicht zulässig. Es ist keine andere Sportart, und in anderen Sportarten wird dieser Unterschied auch nicht gemacht. Ich komme ja vom Handball.

Immerhin machen die Frauen ja ihre Lizenzen inzwischen mit den Männern.

Aber bei der Ausbildung der Jungs und Mädchen ist immer noch ein großer Unterschied. Nachwuchsleistungszentren gibt es momentan nur für Jungs. Da müsste angesetzt werden.

Sissy Reith, die die Männer-Oberligamannschaft des TSV Eching trainierte, sagte, bei den Männern herrsche ein anderer Umgangston als bei den Frauen. Imke Wübbenhorst, die das Oberligateam des BV Cloppenburg trainierte, hat sich diesem Ton angeschlossen. Sie sagte spöttisch: "Ich bin Profi, ich stelle nach Schwanzlänge auf ..."

Warum stürzen sich die Medien auf Wübbenhorst? Und warum auf mich?

Weil Sie aktuell die einzige Aufsichtsratsvorsitzende im deutschen Fußball sind und Wübbenhorst damals die einzige Oberliga-Trainerin war.

Aber keiner hat gefragt, ob Imke Wübbenhorst eine gute Trainerin ist, sondern nur, wie ist das mit der Umkleidekabine. Sie wird nicht objektiv bewertet, und das passiert immer, wenn Frauen Positionen haben, auf denen man sie nicht erwartet.

Wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen?

1994 haben ganz viele aus meiner Klasse über Fußball geredet, und ich dachte: Da musst du mal hin. Eine Freundin hat mich zu St. Pauli mitgenommen. Danach sagte ich meinen Eltern: Ich hätte gern eine Dauerkarte. Ich bin relativ schnell in die aktive Fanszene gerutscht, wo auch fast nur Männer waren. Ich habe aus dieser Unzufriedenheit dann eher was Politisches gemacht, als mich von irgendwelchen Sprüchen bremsen zu lassen.

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