Sami Khedira in der Nationalelf:Saft- und Kraft-Minister

Germany - Training & Press Conference

Fokussiert vor Gibraltar: Sami Khedira beim Training mit der Nationalelf in Berlin.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

Trotz Verletzungen immer dabei: Sami Khedira hat sich in der deutschen Elf eine herausragende Stellung erarbeitet. Dabei geholfen haben ihm auch seine diplomatischen Künste.

Von Christof Kneer, Berlin

So eine Verletzung würde etwa acht Monate dauern, haben sie Sami Khedira vor genau einem Jahr gesagt, nach seiner Kreuz- und Innenbandverletzung beim Länderspiel in Italien. Sami Khedira hat das nicht geglaubt, das heißt, er wollte das nicht glauben, er hat es sich und seinem Willen zugetraut, die Realität zu überlisten. Sami Khedira hat das geschafft, einerseits, er hat nach fünfeinhalb Monaten schon wieder sein erstes Spiel bestritten, und kurz darauf hat er den Champions-League-Titel "wie nebenbei mitgenommen", wie er sagt. "Das ging alles so schnell, es ist mir schwer gefallen, das richtig wahrzunehmen", sagt er.

Andererseits hat es Sami Khedira auch nicht geschafft. Es sind jetzt ja irgendwie doch acht Monate Pause geworden, allerdings haben er und sein Wille diese Monate ausgesprochen schlau aufgeteilt. Fünfeinhalb Monate Pause, dann schnell den Champions-League- und den WM-Titel, und die restlichen Wochen Pause gab's dann halt nachher. "Man muss kein Arzt sein, um das zu merken", sagt Sami Khedira: "Kopf und Körper haben sich nach der WM ihr Recht zurückgeholt."

Khedira fühlte sich schon "sehr, sehr geschafft", als er bei Real Madrid in die Vorbereitung gestartet ist, die Power-Gesundung hatte so viel Kraft gekostet, dass sich der Körper gleich mit einem Muskelbündelriss rächte. Den haben Khedira und sein Wille inzwischen auskuriert, aber ein bisschen beleidigt sind die Muskeln immer noch. Sie haben sich zum Trotz noch mal ein wenig verhärtet in den vergangenen Tagen, am Dienstag hat Khedira nur individuell trainiert bei der Nationalmannschaft in Berlin. Am Mittwoch hat er aber wieder bei bester Gesundheit geübt, "Sami hat einen guten Eindruck gemacht", sagt Bundestrainer Joachim Löw.

Man kann das nicht lernen, was Khedira kann. Die vergangenen Monate haben im Schnelldurchlauf erklärt, warum dieser begabte, aber keineswegs filigrane Fußballer eine Karriere macht, die man später einmal in den Geschichtsbüchern des Fußballs auf den vorderen Seiten finden wird. Khedira will das so, und wenn die äußeren Umstände das nicht wollen, dann haben sie halt Pech gehabt. Dann ist das ihr Problem. Die äußeren Umstände, findet Khedira, werden überschätzt.

Auf diese Weise hat sich Khedira ein eigenes Ressort organisiert in der Nationalelf. Er ist der Saft- und Kraft-Minister in diesem Kabinett der feinen Füße, und die Kraft dieses Willens hat ihm längst eine herausgehobene Stellung im Team beschert. Es gibt Spieler, die intern Einfluss nehmen und in der Öffentlichkeit demonstrativ darüber schweigen; und es gibt Spieler wie Philipp Lahm oder eben auch Sami Khedira, die intern Einfluss nehmen und sich stark genug fühlen, darüber auch öffentlich zu sprechen. Spieler wie Lahm und Khedira machen das hoch professionell, sie überschreiten keine Grenzen, sie haben ein sicheres Gespür für vermintes Gelände. Die Leute draußen sollen ruhig erfahren, dass sie was zu sagen haben; aber natürlich sollen die Leute nicht erfahren, was wirklich intern ist und intern bleiben soll.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB