Süddeutsche Zeitung

Champions League:Wolfsburger Vergesslichkeit

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Karim Adeyemi und seine Salzburger distanzieren den VfL in der Champions League: Das 3:1 sorgt bereits nach drei Spielen für eine eindeutige Ausgangslage in Gruppe G.

Von Felix Haselsteiner, Salzburg

So viel war in den vergangenen Tagen und Wochen über ihn geschrieben und spekuliert worden, man hätte meinen können, dass Karim Adeyemis herausragende fußballerische Fähigkeiten mittlerweile im gesamten europäischen Fußball bekannt wären. Adeyemis Torquote, seine Erstnominierung für die deutsche Nationalmannschaft, sein möglicher Wechsel zum FC Bayern - man musste sich schon bemühen, um an dem 19-Jährigen vorbeizukommen. Es war insofern durchaus erstaunlich, dass ausgerechnet der Wolfsburger Außenverteidiger Kevin Mbabu von dem Hype um seinen Gegenspieler in der Champions League offenbar nicht allzu viel mitbekommen hatte: Etwa zweieinhalb Minuten länger als der Rest der Fußballwelt brauchte Mbabu am Mittwochabend, um Adeyemi kennenzulernen.

In der dritten Spielminute spielte der Salzburger Nicolas Seiwald einen Schnittstellenpass in Richtung seines Mittelstürmers, doch während die große Mehrheit im Stadion - darunter ganz offensichtlich auch Mbabu - die Situation längst als entschärft betrachtete, zog Adeyemi noch einmal an, spitzelte dem erschrockenen Wolfsburger Verteidiger den Ball noch vom Fuß, rannte alleine auf das Tor zu und verwandelte sicher an Koen Casteels vorbei zum frühen 1:0 für Salzburg. Es sollte der Auftakt sein zu einem eindeutigen 3:1 (1:1), das den VfL bereits nach der Hälfte der Gruppenphase extrem unter Druck setzt.

Nmecha war es, der enttäuschend schwache Wolfsburger kurzfristig hoffen ließ

Die Wolfsburger hatten dabei sogar eine ebenso junge und talentierte Antwort auf Adeyemi in der eigenen Startelf: Weil Wolfsburgs Stamm-Torjäger Wout Weghorst aufgrund einer Corona-Erkrankung fehlte, setzte Trainer Mark van Bommel im Sturm auf den 22-jährigen Lukas Nmecha, dem der wendige, schnelle Adeyemi nun wirklich kein Unbekannter ist: Im Sommer wurden beide noch gemeinsam U-21-Europameister.

Nmecha war es auch, der enttäuschend schwache Wolfsburger kurzfristig hoffen ließ: Die Niedersachsen kamen in den ersten zehn Minuten kaum spielerisch aus der eigenen Spielhälfte heraus, Adeyemis hochtalentierter Sturmpartner Noah Okafor traf aus kurzer Distanz die Latte. Dann jedoch ließ die Abwehr der Österreicher bei der ersten Ecke des VfL den ja auch nicht gerade unbekannten Nmecha so sträflich allein stehen, dass dieser mit sehr viel Ruhe zum 1:1 einnicken konnte (15.).

Das 3:1 gegen Wolfsburg untermauert Salzburgs Ansprüche in Gruppe G

Den Salzburger Sturmlauf beendete der Ausgleich erst einmal, doch die Gastgeber blieben über die gesamte Spielzeit die gefährlichere Mannschaft: Nur mit einer unglaublichen Fußabwehr konnte Casteels kurz vor der Halbzeit das 1:2 durch den Kroaten Luka Sučić verhindern. Die Mannschaft von Matthias Jaissle bestimmte dann auch die zweite Spielhälfte, Adeyemi und Sučić hatten beste Chancen, das hochverdiente 2:1 aber erzielte Okafor nach einer Ecke (65.).

Das 3:1 in der 77. Minute offenbarte dann noch einmal die Wolfsburger Vergesslichkeit, die auf Champions-League-Niveau eigentlich nicht vorkommen sollte: Den eingewechselten Bernardo ließ die VfL-Verteidigung bei einer Ecke im Strafraum so allein stehen, dass dieser per Kopf sogar noch zu Okafor weiterspielen konnte, der aus kurzer Distanz zur Entscheidung einschob und die Salzburger Ansprüche in Gruppe G noch einmal untermauerte: Österreichs Meister hat auf den VfL Wolfsburg nach drei Spieltagen bereits fünf Punkte Vorsprung.

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