Champions-League-Aus von RB Salzburg "Wir haben Fehler wie Kinder gemacht"

Schon wieder gescheitert: der Salzburger Munas Dabbur.

(Foto: Daniel Krug/dpa)
  • Zum elften Mal in Serie scheitert RB Salzburg an der Qualifikation zur Champions League.
  • Salzburg führt im Rückspiel gegen Roter Stern Belgrad schon 2:0 - verspielte die Führung aber binnen 77 Sekunden.
  • Der Spott im Internet ist groß.
Von Felix Haselsteiner

Ein Platzsturm, nein, damit war nicht zu rechnen gewesen. Dass sich die Fans des FC RB Salzburg über den Sieg freuen würden, dass die ganze Stadt den Einzug in die Champions League feiern würde, war erwartet worden - aber die Anhänger würden sich dabei auf den Sitzen halten, für allzu viel Überschwang ist das Publikum in der Arena in Wals-Siezenheim nicht bekannt. Umso überraschter wirkten die Sicherheitsbeamten, als nach 95 Minuten Fanmassen in den Innenraum stürmten. Doch es waren keine Salzburger, sondern die Tausenden mitgereisten Fans aus Belgrad.

2:2 (1:0) endete am Mittwochabend das Qualifikations-Rückspiel zur Champions League zwischen Salzburg und Belgrad, das nach dem 0:0 im Hinspiel das abermalige Ausscheiden der Österreicher bedeutete. Zum elften Mal in der Vereinsgeschichte scheiterten die Österreicher nun an der letzten Hürde zur Königsklasse, Traumata ist man in Salzburg also gewohnt: Die bislang legendärste Geschichte spielte sich im Jahr 2012 ab, damals war F91 Düdelingen aus Luxemburg die Endstation der Träume von der internationalen Elite. Roter Stern Belgrad war eine größere Hausnummer als der Meister aus Luxemburg - doch die Art und Weise, wie sich das diesjährige Qualifikations-Aus abspielte, war nicht minder traumatisch.

"Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist"

In der ersten Halbzeit spielten die Salzburger den Fußball, der sie in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale der Europa League gebracht hatte. Viele Umschaltmomente, viel Druck nach vorne, viele Chancen - aber zu wenige Tore. Zweimal scheiterte der 19-jährige Patson Daka allein vor dem Tor. Es roch schon wieder nach einem Trauma, bis kurz vor der Halbzeit Linksverteidiger Andreas Ulmer eine Flanke auf den kurzen Pfosten schlug, wo Munas Dabbur das 1:0 erzielte. Dabbur war auch derjenige, der etwa 20 Minuten später per Elfmeter zum 2:0 traf, in der 47. Minute führte der FC Salzburg verdient mit klarem Vorsprung. Es sah ganz nach Champions-League-Qualifikation aus.

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Das "richtig gute Spiel", als das es Sportdirektor Christoph Freund im Nachhinein beschrieb, endete jedoch bald darauf. Eine abgefälschten Flanke nach einem Fehler von Hannes Wolf - und Roter Stern war zurück, der Belgrader Stürmer Ben Nabouhane musste nur noch einschieben (65.). Sekunden später flog ein langer Freistoß von der Mittellinie in den Salzburger Strafraum, Innenverteidiger Andre Ramalho verschätzte sich und es stand 2:2. Aus dem Nichts waren die siegessicheren Salzburger ausgeschieden - binnen 77 Sekunden. "Wir haben Fehler wie Kinder gemacht", kommentierte Dabbur bei Sky die Szenen, in denen Salzburg die Champions League verspielt hatte: "Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist."

Dabbur hatte in der Schlussphase noch einmal die Chance, das Spiel zu drehen, doch scheiterte er genauso wie Ramalho in der Nachspielzeit. Der Fluch, den die Salzburger kurzzeitig abgelegt hatten, war wieder zurückgekehrt, auch wenn Trainer Marco Rose den Ruf seiner Mannschaft verteidigte: "Ich habe die Verantwortung für diesen coolen Haufen hier und wir werden weitermachen." Das Spiel gegen Belgrad war Roses zweites Ausscheiden in der Qualifikation, auch 2017 scheiterte er mit seiner Mannschaft dank Auwärtstorregel an HNK Rijeka.

Der Spott im Netz war den Salzburgern indes gewiss. "Das CL-Quali-Aus von RB Salzburg ist wie Ostern. Es fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum, aber man weiß: Es kommt", kommentierte ein Nutzer bei Twitter. Auch das österreichische Fußballmagazin Ballesterer spottete:

Trainer Rose wollte dagegen ausschließlich über die Zukunft reden. "Ich gehe aus der Kabine raus, sehe die Leute - da wird es mir warm ums Herz, dass ich mit denen zusammenarbeiten darf", sagte Rose. In der Tat hat die Salzburger Mannschaft, die am Mittwoch scheiterte, nur wenig mit dem Team zu tun, das bei den bisherigen Versuchen teilweise deutlich, teilweise peinlich ausschied. Rose und sein Team stellen die Spitze des österreichischen Fußballs dar. Dass Österreich auf den elften Platz in der Fünfjahreswertung der Uefa vorgerückt ist, ist vor allem dem Salzburger Erfolg in der Europa League zu verdanken.

Was das Champions-League-Trauma angeht, ist dagegen Linderung in Sicht. Der österreichische Meister qualifiziert sich ab der kommenden Saison direkt, muss nicht mehr in die Qualifikation. Gut möglich also, dass der Platzsturm der Belgrader Fans das letzte Kapitel in der langen Geschichte der Salzburger Enttäuschungen war.

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