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Salihamidzic beim FC Bayern:Brazzo steigt auf

  • Hasan Salihamidzic wird beim FC Bayern befördert: Ab kommendem Sommer bekommt er als Sportvorstand noch mehr Einfluss beim Rekordmeister.
  • Seinen Aufstieg hat er auch Uli Hoeneß zu verdanken, der seine Promotion jetzt angeschoben hat.

Als der angeschlagene FC Bayern sich am Wochenende wieder in den echten FC Bayern verwandelte, hatten alle wichtigen Herren ihre Auftritte. Uli Hoeneß sprach glücksprall in die Kameras, Karl-Heinz Rummenigge wollte Versöhnliches zu Arsène Wenger sagen, und die Spieler taten ihre Befreiung nach dem Trainerwechsel kund. Nur einer fehlte: Hasan Salihamidzic sparte sich nach dem 4:0 gegen Dortmund großes Gerede in eigener Sache, er beließ es bei ein paar braven Sätzen - dabei hätte es auch um seine Person einiges zu erzählen gegeben.

Und auch am Montag war vom 42-Jährigen nichts zu hören, dabei tagte am Abend der Aufsichtsrat des FC Bayern, dessen Vorsitzender noch bis Freitag Hoeneß heißt - und dieser Aufsichtsratsvorsitzende wollte vor Ende seiner Amtszeit noch eine Personalie anschieben: Die Beförderung Salihamidzics vom Sportdirektor zum Sportvorstand. So erlebte Salihamidzic seinen Aufstieg in aller Ruhe, denn auch wenn der Vollzug erst für den 1.Juli 2020 geplant ist, ergab das Treffen der hohen Herren des FC Bayern am Montagabend Eindeutiges: Um 20.36 Uhr verschickte der Klub die Mitteilung, dass der "Aufsichtsrat der FC Bayern München AG die Bestellung von Hasan Salihamidzic zum Sportvorstand" beabsichtige. Die Sache ist also beschlossen und Salihamidzic bekommt somit deutlich mehr Einfluss.

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Der Klub treibt damit den Umbau seiner Führungsebene voran, der nach dem Ausscheiden von Hoeneß aus der allerersten Reihe (er wird rein formal Mitglied des Aufsichtsrats bleiben) und dem angekündigten Rückzug Rummenigges aus der Vorstandsebene (Ende 2021) nötig ist. Gemeinsam mit dem designierten Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn, der zunächst zwei Jahre von Rummenigge lernen soll, wird Salihamidzic dann die volle sportliche Verantwortlichkeit beim FC Bayern tragen. Wobei er selbst ohnehin der Ansicht ist, bereits wie ein Sportvorstand zu arbeiten, der über wesentliche Dinge wie Kaderplanung, Finanzielles und Transfers entscheidet.

Hoeneß lobt die "sensationellen Transfers"

Die Bayern und insbesondere Hoeneß scheinen mit Salihamidzic trotz einiger Kritik an manchen seiner öffentlichen Auftritte zufrieden zu sein. Der Präsident selbst griff zuletzt sogar zum Telefonhörer, um "Brazzo" im Live-Sportfernsehen beim "Doppelpass" öffentlich zu verteidigen. "Hasan hat einen guten Job in diesem Jahr gemacht", sagte Hoeneß bei Sport1 und schrieb die Transfers der französischen Weltmeister Benjamin Pavard, Lucas Hernández und des jungen Kanadiers Alphonso Davies seinem Protegé zu. "Wir sind glücklich, dass wir mit diesen drei Spielern sensationelle Transfers gemacht haben", erklärte Hoeneß. Mit Salihamidzic, den Hoeneß oft nur "Hasan" nennt, "werden wir beim FC Bayern noch viel Spaß haben".

Seit seiner Berufung im Sommer 2017 habe er "hervorragende Arbeit geleistet", begründete der Klub offiziell Salihamidzics anstehende Promotion: "Dies gilt nicht nur für den Profibereich, in dem er wesentlich für den sportlichen Erfolg der letzten Jahre mitverantwortlich ist, sondern auch für den Bereich der Jugend- und Nachwuchsförderung im Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern." Trotzdem überrascht seine rasche Karriere als Münchner Spitzenfunktionär ein wenig. Salihamidzic hatte manch unglücklichen Moment, als er bei Transfers zu forsch voran ging und Spieler nicht bekam - und er glänzt nicht immer mit ausgefeilter Rhetorik. Nach dem schwer verdaulichen 2:1 der Bayern im Pokal in Bochum sagte er vor Kameras: "Ich bin nur da, weil ich da sein muss" - und flüchtete sich in holprigen Sarkasmus.

Als Sportdirektor war er anfangs eher einer Kompromisslösung, nachdem sich Hoeneß und Rummenigge nicht auf eine andere Lösung wie den Gladbacher Manager Max Eberl einigen konnten. Die Bayern-Bosse hatten nach den Jahren mit Christian Nerlinger als Sportdirektor (2009 bis 2012) und Matthias Sammer als Sportvorstand (2012 bis 2016) durchaus unterschiedliche Ansichten, doch jetzt betrachten sie Salihamidzics Reifeprüfung als bestanden. Dass er in der Öffentlichkeit nicht die allerbesten Kritiken bekommt, nimmt man im Verein in Kauf. Vor allem, weil Salihamidzic nach seiner langen Zeit als Profi (er war unter anderem Champions-League-Sieger und sechs Mal deutscher Meister) als ehrlicher Arbeiter und überzeugtes Mitglied der sogenannten "Bayern-Familie" gilt.

Seine Beförderung war im Verein am Ende notwendig geworden, denn wäre ihm die Berufung in den Vorstand verwehrt geblieben, hätte Salihamidzic wohl hingeschmissen. Er hatte mehrfach erklärt, nicht als Sportdirektor unter einem anderen Sportvorstand arbeiten zu wollen. Wie er in Zukunft im Machtgefüge zwischen Rummenigge und Kahn zurechtkommt, wird sich ab Jahreswechsel zeigen. Aus "Brazzo" dürfte aber immer häufiger "Herr Salihamidzic" werden.

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