FC Liverpool:Der untröstliche Ägypter

Lesezeit: 3 min

FC Liverpool: Mohamed Salah verliert erneut gegen Real Madrid in einem Finale.

Mohamed Salah verliert erneut gegen Real Madrid in einem Finale.

(Foto: Catherine Ivill/Getty Images)

Liverpools Angreifer Mohamed Salah zeigt erneut eine herausragende Leistung, aber egal was er versucht - er zieht gegen Reals Torhüter Thibaut Courtois den Kürzeren.

Von Sven Haist, Paris

Vermutlich wollte Mohamed Salah in seiner Trauer die Ansage des Stadionsprechers gar nicht hören, aber ihm blieb ja nichts anderes übrig. Als der Angreifer des FC Liverpool nach dem 0:1 gegen Real Madrid im Finale der Champions League schwer enttäuscht in die sich schnell leerende Fankurve seines Vereins starrte, wurde bekannt gegeben, dass Real-Torwart Thibaut Courtois zum Mann des Spiels ausgezeichnet wird. Bittere sechs Mal scheiterte Salah mit seinen Torabschlüssen im Endspiel an Courtois - mal mit links, mal mit rechts und in seiner Verzweiflung versuchte er es sogar mit dem Kopf.

Doch immerzu stand ihm der belgische Nationaltorwart im Weg - wie bei seiner letzten Gelegenheit in der 82. Spielminute, als er sogar freistehend vor ihm auftauchte. Mit aller Gewalt zielte Salah auf die ballentfernte Torecke, und musste dann mitansehen, wie Courtois den Ball mit dem rechten Arm gerade noch abwehren konnte. Damit war klar, dass nicht nur Salah sein Duell mit Courtois verlieren würde, sondern auch Liverpool die Revanche für das 1:3 aus dem Jahr 2018. Als einer der letzten Spieler seines Teams holte sich Salah seine Silbermedaille ab.

Dabei hatte er auf die Frage, welchen Finalgegner er sich denn wünsche, entschlossen geantwortet: Real Madrid. Denn mit dem Rekordsieger des Wettbewerbs habe er noch "eine Rechnung zu begleichen", wie er auf Instagram mitteilte. Was Reals Offensivspieler Federico Valverde "respektlos" fand, sein Mitspieler Dani Carvajal spottete sogar, er hoffe, es werde für Salah "keine große Belastung" sein, noch ein zweites Endspiel zu verlieren.

Damals musste Salah beim Stand von 0:0 in der 31. Minute aufgrund einer schweren Schulterverletzung ausgewechselt werden, als der damalige Real-Kapitän Sergio Ramos Salahs Arm einklemmte und ihn im Stile eines Judoka zu Boden warf, wodurch mehrere Bänder in der linken Schulter des Ägypters ramponiert wurden. Nach einem Versuch unter Schmerzen weiterzuspielen, musste er unter Tränen aufgeben. Das blieb Salah als "schlimmster Moment" seiner Karriere in Erinnerung. Welche Rolle die Niederlage nun spielt, wird abzuwarten sein. Wegen der Verletzung verpasste Salah seinerzeit auch die Vorbereitung mit dem ägyptischen Nationalteam auf die WM 2018 - sowie das verlorene Auftaktspiel gegen Uruguay. Bei den beiden anderen Vorrundenpartien konnte Salah zwar immerhin mitwirken und jeweils ein Tor erzielen, das Vorrunden-Aus konnte er nicht verhindern.

Vor Wochenfrist wurde Salah mit der Torjäger-Krone in der Premier League als bester Torschütze geehrt

Erinnerungen an die missratene WM dürften im vergangenen März aufgekommen sein, als er mit Ägypten im Entscheidungsspiel gegen Senegal die Qualifikation für Katar 2022 verpasste - unter anderem, weil er im Elfmeterschießen den ersten Strafstoß für sein Team vergab. Zu Jahresbeginn, im Afrika-Cup-Finale, kam Salah als fünfter Schütze im Elfmeterschießen gar nicht mehr zum Zug, weil die Niederlage erneut im Duell mit Senegal schon vorher feststand.

Die Enttäuschungen im Nationaltrikot blieben im Wirken für den Klub ohne Folgen. Seit Salah im Sommer 2017 für 42 Millionen Euro von der AS Roma nach Liverpool wechselte, hat er in jeder Saison mehr als 20 Pflichtspieltreffer erzielt. In der Vorwoche erhielt er zum dritten Mal in seiner Karriere die Trophäe für den besten Torjäger der Premier League.

An diese Leistung knüpfte Salah im Königsklassen-Endspiel in Paris an. In der ersten Halbzeit gehörte er trotz enger Bewachung durch Reals Linksverteidiger Ferland Mendy zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz. Fast an jeder Offensivszene seines Teams war der Angreifer beteiligt, der wie gewohnt auf Liverpools rechter Seite ein Gespann mit Trent Alexander-Arnold bildete.

Beide initiierten auch die erste Torchance in der 16. Spielminute: Nach Flanke von Alexander-Arnold zwang Salah mit seiner Direktabnahme aus kurzer Distanz erstmals Real-Torwart Thibaut Courtois zu einer Parade. Die Strafraumszene läutete Liverpools fünfminütiges Powerplay ein, bei dem Salah zunächst aus der Distanz zu unpräzise zielte (17.), dann für Alexander-Arnolds zu hohen Schuss ablegte (19.) und schließlich zu spät nachsetzte, als Sadio Mané den Ball an den Pfosten donnerte (21.). Auch mit dem Kopf probierte es Salah, allerdings zu kraftlos (34.).

Wie wichtig Salah, 29, das Spiel war, vor dem er angekündigt hatte, in jedem Fall seinen bis 2023 laufenden Vertrag in Liverpool zu erfüllen, war schon vor dem Einlaufen zu sehen, als er in sich gekehrt minutenlang mit geschlossenen Augen an einer Wand lehnte. Im gewonnenen FA-Cup-Finale beendete er seinen Startelfeinsatz wegen Muskelproblemen vorsichtshalber nach einer halben Stunde. Alles vergebens. Auch, dass Salah nach dem Siegtor von Vinicius Junior (59.) die Mitspieler antrieb, auf Alexander-Arnold einredete, um mit ihm zusammen auf der rechten Seite nochmals die Schlagzahl zu erhöhen. Und fast hätte es geklappt - doch Courtois wehrte seinen Schuss, die beste Chance in der zweiten Halbzeit, spektakulär ab.

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