Achtelfinale beim Afrika-Cup:Mo Salah vereint die Pharaonen

Lesezeit: 2 min

Ägyptens Nationalteam hat ein Problem mit seinen "100 Millionen Fans", findet der beste Fußballer des Landes. Die Zweifel in der Heimat beantwortet der Liverpool-Profi gegen die Elfenbeinküste auf seine Weise: mit dem entscheidenden Elfmeter.

Von Jonas Beckenkamp

Dass der Fußball ein Land einen kann, ist eine althergebrachte Mär, und wenn es nach Mo Salah geht, stimmt sie vor allem im Fall seiner Heimat längst nicht mehr. Ägyptens bekanntester und mit Abstand bester Spieler hatte vor wenigen Tagen die fehlende Unterstützung der Menschen daheim für das Team beim Afrika-Cup beklagt. Die Fußballbegeisterung ist riesig im nordafrikanischen Staat, aber mindestens genauso groß sind die Tendenzen der Zersetzung, wenn es um die Nationalelf geht.

So empfindet es jedenfalls Salah, der Stürmer des FC Liverpool, der auf einer Pressekonferenz beim Turnier zu einer Klagerede ansetzte: "Natürlich stehen wir unter Druck, denn zu Hause erwarten 100 Millionen Menschen, dass wir den Titel holen." Die Ägypter sind mit sieben Triumphen immer noch Rekordsieger des Afrika-Cups, doch der bisher letzte große Moment liegt schon etwas zurück. 2010 holte Ägypten letztmals den Pokal, damals spielte Salah, 29, noch gar nicht mit.

Das Problem der aktuellen Generation sieht Salah in der Zersplitterung des Publikums: "Heutzutage stehen die Fans nicht mehr hinter unserer Mannschaft", monierte er, "sie konzentrieren sich auf einzelne Spieler oder Vereine - und das hilft uns nicht." Man habe ein junges Team, das verunsichert sei von der Vielstimmigkeit in der Heimat. Das beste Gegenmittel, das weiß Salah nach mehr als 100 Toren in der Premier League und zahlreichen Titeln mit Liverpool, sind Erfolge - und einen solchen bescherte er den Ägyptern am Mittwochabend höchstpersönlich. Am Ende war es in einem Achtelfinale mit wogender Dramaturgie sein finaler Schuss, der Ägypten nach torlosen 120 Minuten gegen die Elfenbeinküste unter die letzten Acht beim Afrika-Cup brachte.

Mo Salah trifft den entscheidenden Elfmeter im Achtelfinale des Afrika-Cups

5:4 nach Elfmeterschießen hieß es letztlich, nachdem zuvor im Stade de Japoma von Douala auch in der Verlängerung nichts Entscheidendes passiert war. Überhaupt ist dieser Afrika-Cup in Kamerun nicht gerade ein Fest der vielen Tore, in der Vorrunde gab es in den ersten neun Spielen insgesamt nur neun Treffer. Salah hatte nun im Achtelfinale einige Chancen auf sein zweites Turniertor vergeben, auch sein Sturm-Partner vom VfB Stuttgart, Omar Marmoush, 22, wuchtete einen Fernschuss an die Latte.

Die Ivorer wehrten sich und blieben dank des früheren Frankfurters Sébastien Haller (jetzt Ajax Amsterdam) in der Offensive gefährlich. Ab der 88. Minute lief die Partie dann auf ein filmreifes Ende zu: Der ägyptische Torwart Mohamed El Shenawy musste nach einer Parade verletzt vom Feld - und der eingewechselte Ersatzmann Mohamed Abou Gabal, genannt Gabaski, wurde am Ende zum Retter der "Pharaonen". Denn im Shootout parierte er den Elfmeter von Manchester Uniteds Éric Bailly, ehe Salah den fünften und letzten der Ägypter ins Ziel brachte. "Elfmeterschießen ist auch Glückssache, aber heute wurde das bessere Team belohnt", fand Ägyptens portugiesischer Trainer Carlos Queiroz. "Es war einfach unser Tag."

Auf einen weiteren Glückstag kann Ägypten im Viertelfinale hoffen, es geht im Nordafrika-Clásico gegen Marokko (mit dem Frankfurter Mittelfeldspieler Aymen Barkok). In den anderen Viertelfinalspielen treffen Gastgeber Kamerun und Gambia sowie Burkina Faso und Tunesien aufeinander. Senegal spielt gegen das Überraschungsteam aus Äquatorialguinea - und die Ägypter arbeiten mit Mo Salah weiter daran, die Menschen in der Heimat endlich hinter ihrer Elf zu versammeln.

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