Saisonplanung beim FC Bayern:Alles hängt von Guardiola ab

Hertha BSC - FC Bayern München

Bastian Schweinsteiger und Pep Guardiola (li.): Als deutsche Meister 2014 noch glücklich vereint

(Foto: dpa)

Der FC Bayern vermeidet ein Bekenntnis zu Bastian Schweinsteiger, weil er auf die Zukunftspläne von Pep Guardiola wartet. Der Verein macht sich damit gefährlich abhängig.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Zunächst die Fakten: Der FC Bayern München hat eine Vertragsverhandlung zu Ende geführt. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss, lobte überschwänglich die "bayerischen Wurzeln" und dass "die Wachstumsziele gut zum FC Bayern passen". Rummenigge sprach zwar nur über einen neuen Sponsor, ein Technologieunternehmen, und doch hat sich in diesem Sommer kaum ein Angestellter des Vereins so klipp und klar positioniert. Der Sommer des FC Bayern ist bisher ein Sommer des Konjunktivs.

Die aktuelle Mannschaft steht vor einer letzten gemeinsamen Saison, das Alter und die geschundenen Körper mancher Spieler werden nicht mehr so viele Jahre auf Spitzenniveau zulassen. Dieser sich andeutende Umbruch ist bereits jetzt zu spüren. Verlängert Bastian Schweinsteiger? Bleibt er zumindest noch ein Jahr? Vor allem aber: Verlängert Pep Guardiola, der Trainer? Auch im Verein können sie diese Fragen nicht beantworten, und so hat sich der FC Bayern in eine Position manövriert, in der ihm nur eine Rolle bleibt. Er wartet nervös auf ein Zeichen der Umworbenen.

Der FC Bayern würde sehr, sehr, sehr gerne mit Pep Guardiola verlängern. Der Trainer wiederum lässt sehr, sehr, sehr offen, ob er sich das auch vorstellen kann. Statt nun souverän die Stärke des Vereins zu betonen, der sich nicht ausschließlich nach den Wünschen eines einzelnen Angestellten richtet, versucht der FC Bayern das Gegenteil: Er macht sich in seinen Plänen abhängig von einem Trainer wie selten zuvor.

Man wird an einen Abzählreim erinnert

Douglas Costa, Guardiolas Wunschspieler für die Außenbahnen, erhält einen Vertrag, der vier Jahre länger gilt als der des Trainers. Zudem vermeidet der Klub ein Bekenntnis zu Bastian Schweinsteiger, dem Fan-Liebling mit den bayerischen Wurzeln - womöglich auch, weil bezweifelt werden darf, dass die Wachstumsziele des 30-Jährigen gut zu denen des Trainers passen. Stattdessen erzählt Rummenigge demonstrativ, dass sich Schweinsteiger geschmeichelt fühle von den Interessenten aus England.

Wann Guardiola über eine mögliche Vertragsverlängerung reden will, hängt allein von Guardiola ab, bisher hat er das nicht entschieden. Und weil alle auf ihn warten, darf noch gestritten werden, wer den anstehenden Umbruch moderiert und wer Konjunktive wie den um Schweinsteigers Zukunft beseitigt. Guardiola? Rummenigge? Sportvorstand Matthias Sammer? Kaderplaner Michael Reschke?

Manchmal wirkt es in diesem Sommer so, als befänden sich die Verantwortlichen des FC Bayern in einem Abzählreim, wer die nächste Idee einbringen darf, um Guardiola zu überzeugen. Ein Abzählreim, der aber auch so enden könnte: Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste, ene, mene, meck - und der Trainer, der ist weg.

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