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Sadio Mané:"Wofür will ich zehn Ferraris und 20 Uhren mit Diamanten?"

Er schoss im vergangenen Jahr 32 Tore in 53 Spielen: Sadio Mané, in den Augen vieler Experten der wichtigste Spieler beim FC Liverpool.

(Foto: Jon Super/AP)

Sadio Mané ist Afrikas Fußballer des Jahres, bei der Weltfußballerwahl dagegen wurde er übergangen. Dabei gilt er als der wichtigste Spieler beim FC Liverpool - und ist mehr als nur Fußballer.

Man erfährt nicht alles, aber viel über einen Menschen, wenn man etwas über die Tage seiner Kindheit erfährt. Und manchmal erfährt man auch etwas über einen Menschen, wenn man mitbekommt, wie präsent seine Kindheit auch im Erwachsenenalter noch ist. Oder, anders formuliert, wie wenig er sie vergessen hat, obwohl er sie in so vielfacher Hinsicht überwinden konnte.

Am Dienstagabend stand Sadio Mané, 27 und als Stürmer beim englischen Champions-League-Sieger FC Liverpool angestellt, in einem Hotel des ägyptischen Badeorts Hurghada, und erhielt bei einer pompösen Gala des afrikanischen Verbandes CAF die Trophäe überreicht, die ihn als den besten Fußballer Afrikas des Jahres 2019 akkreditierte. Mané musste aus dem Stegreif eine Rede halten, was ja, wie er selbst einräumte, nicht seine Sache ist und jeder Zuhörer unter anderem daran merkte, dass seine Gedanken schneller sprangen als sein Herz. Bis er doch bei einem Satz ankam, der ihm sehr wichtig war: "Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf, Bambali, und ich bin sicher, dass sie mir dort alle im TV zuschauen ..."

Unter Klopp zu einem der besten Stürmer der Welt gereift

Bambali ist eine Ortschaft in der Casamance, und diese wiederum eine Landschaft im Südwesten Senegals, die am gleichnamigen Fluss liegt, und die im Norden an Gambia und im Süden an Guinea-Bissau grenzt. Die Casamance konnte im Grunde nur deshalb als nicht gottvergessen angesehen werden, weil sich ein paar Nichtregierungsorganisationen ihrer erbarmten. Sie halfen ein wenig die Armut zu lindern, die ein seit 1982 schwelender Bürgerkrieg verschlimmerte, den kaum jemand wahrnahm. Und der von Politikwissenschaftlern mit dem zynisch klingenden Etikett "low intensity war" versehen worden war. Notiz nahmen Medien in den Metropolen von den Kämpfen so gut wie nie, es sei denn, es starben mal vier französische Touristen wie in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Seit Beginn der Amtszeit von Senegals Präsident Macky Sall im Jahr 2012 - den Sadio Mané dann am Mittwoch im Regierungspalast in Dakar aufsuchte, um ihm die Trophäe zu zeigen - gilt der Konflikt als weitgehend entschärft. Und Bambali und die Casamance haben den vielleicht bestmöglichen Botschafter gefunden: Mané, der unter dem deutschen Trainer Jürgen Klopp zu einem der besten Stürmer der Welt gereift ist.

Unter Eingeweihten gilt Mané als der Stürmerstar Liverpools, mehr noch als Roberto Firmino und sogar als der Ägypter Mohammed Salah, auf dem alle Scheinwerfer ruhten und der 2017 und 2018 zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt wurde. "Ist Salah eigentlich Ihre Erfindung?", wurde Mané von einem Journalisten der Zeitung El País gefragt - unter Verweis auf all die Vorlagen, die Salah von Mané erhielt. "Er ist mein Freund", sagte Mané: "Ihm den Ball zu geben, ist doch normal!"

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