Ryder CupDie Amerikaner erleben ihr blaues Wunder

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Rory McIlroy (re.) gingen die Emotionen mancher Zuschauer nahe: Am Freitagließ er sich zu einer Mittelfingergeste in Richtung eines übergriffigen Fans hinreißen, auf sein erfolgreiches Spiel wirkte sich das in Bethpage nicht aus.
Rory McIlroy (re.) gingen die Emotionen mancher Zuschauer nahe: Am Freitagließ er sich zu einer Mittelfingergeste in Richtung eines übergriffigen Fans hinreißen, auf sein erfolgreiches Spiel wirkte sich das in Bethpage nicht aus. Matt Slocum/AP
  • Die Europäer führen beim Ryder Cup mit 11,5 zu 4,5 Punkten und brauchen nur noch 2,5 der zwölf verbleibenden Zähler zum Sieg.
  • Amerikanische Fans beleidigen die europäischen Spieler, besonders Rory McIlroy wird mit üblen Beschimpfungen attackiert.
  • Der Weltranglistenerste Scottie Scheffler verliert alle vier Spiele, während McIlroy dreieinhalb von vier möglichen Punkten holt.
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Europas Golfer brauchen nur noch wenige Punkte für einen der beachtlichsten Erfolge in der Geschichte des Ryder Cups. Dank starker Teamleistungen, eines exakten Plans – und trotz teils übler Beschimpfungen.

Von Felix Haselsteiner, Farmingdale

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Der Ryder Cup unterliegt einem klaren Farbkonzept, es gibt eine eindeutige Aufteilung. Die USA bekommen traditionell das Recht zugesprochen, bei ihren Heimturnieren alles Mögliche in einem grellen Rotton zu halten – woran sie sich bei den Tribünen, den Umrandungen der riesigen Monitore und ihrem Merchandising auch in diesem Jahr euphorisch hielten. Am Freitag und Samstag allerdings kam trotzdem die Farbe der Europäer immer stärker durch: Das Blau zog sich über die Bildschirme auf der Anlage und wurde zwischendurch so dominant, dass man durchaus sagen konnte: Die Amerikaner erlebten an den ersten zwei Tagen des Ryder Cups ihr blaues Wunder.

Mit einer Führung von 11,5 zu 4,5 Punkten gehen die Europäer in den Schlusstag dieses Golf-Turniers, bei dem traditionell zwölf Einzelpartien ausgespielt werden (ab 18 Uhr, Sky). 2,5 Zähler dieser zwölf möglichen Punkte braucht Europa noch, um den Ryder Cup zu verteidigen und einen der beachtlichsten Erfolge in der langen Geschichte des Wettbewerbs zu feiern. Die Statistik könnte tatsächlich für einen Auswärtssieg sprechen: Einen derartigen Vorsprung hat noch kein Team verspielt, auch nicht unter so schwierigen Bedingungen wie in Long Island.

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Denn die Europäer sehen sich seit zwei Tagen einer Welle aus Beleidigungen und teilweise üblen Beschimpfungen amerikanischer Anhänger ausgesetzt. Vor allem in den Sessions am Nachmittag, wenn der Alkoholpegel höher ist, kam es zu teils extremen Äußerungen, die sich insbesondere gegen den europäischen Spitzenspieler Rory McIlroy richteten.

„F*** you, Rory“ schallte es dann über den Platz, und dem Nordiren war nach der Runde anzusehen, dass ihm die Gefühlsausbrüche mancher Zuschauer nahe gingen: „Die Menschen müssen für sich selbst entscheiden, ob sie zu weit gehen – ich bin einfach nur stolz darauf, dass wir heute gewinnen konnten, auch wenn wir vieles durchstehen mussten.“ McIlroy hatte sich am Freitag noch zu einer Mittelfingergeste in Richtung eines übergriffigen Fans hinreißen lassen, am Samstag blieb er stoisch und konzentrierte sich nur auf sein Spiel.

Den einzigen kleinen Makel brachte am Samstag das Duo mit dem Österreicher Sepp Straka

Es waren die Teamleistungen, mit denen sich die Europäer diesen Vorsprung erspielten. McIlroy und sein irischer Partner Shane Lowry gewannen ihre Partie am Samstag, der Weltranglistenzweite hat damit bei vier Einsätzen dreieinhalb von vier möglichen Punkten geholt. Allein mit den Leistungen der besten Golfer auf beiden Seiten ist die Eindeutigkeit erklärbar: Der Weltranglistenerste Scottie Scheffler aus den USA nämlich verlor alle seine vier Spiele, auch das ist in der Turniergeschichte noch nie vorgekommen.

Der genaue Plan, den sich die Europäer und ihre einflussreiche Statistikabteilung unter der Leitung des Italieners Edoardo Molinari erarbeiteten, funktionierte von Anfang an prächtig. Bereits nach dem Freitag brachte dies eine 5,5:2,5-Führung, die am Samstag noch ausgebaut wurde: Neben Scheffler hatte auch Bryson DeChambeau auf amerikanischer Seite nichts entgegenzusetzen, der prominente Muskelmann verlor am Ende sogar noch die Nerven und ließ sich auf ein Wortgefecht mit seinen europäischen Kontrahenten ein, bevor er sein Match mit Scheffler verlor.

Den kleinen Makel inmitten einer blauen Erfolgswelle brachte am Samstag das Duo mit dem Österreicher Sepp Straka: Gemeinsam mit Jon Rahm verlor Straka seine Partie trotz einer herausragenden individuellen Leistung auf dem finalen Loch. Es war der einzige Punkt, den die Europäer am Nachmittag abgaben. Aber das dürfte zu verschmerzen sein – falls am Sonntag nicht doch noch ein rotes Wunder passiert in Bethpage.

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