Russlands WM-Aus:Die begründete Strenge der Leichtathleten

Lesezeit: 2 min

Russlands WM-Aus: IAAF-Präsident Sebastian Coe.

IAAF-Präsident Sebastian Coe.

(Foto: AFP)

30 russische Sportler müssen bei der WM als "neutrale Athleten" starten - der Weltverband tut gut an der Sperre. Auch über Olympia sollte geredet werden.

Kommentar von Johannes Aumüller

Wenn am Ende dieser Woche in Katar die Leichtathletik-WM beginnt, werden auch einige russische Sportler am Start sein. Prominente Namen wie die Hochspringerin Marija Lasizkene oder der Hürdensprinter Sergej Schubenkow gehören dazu, beide bei vergangenen Titelkämpfen schon mit Gold dekoriert. Nur: Sie werden wie 28 andere russische Sportler als sogenannte "neutrale Athleten" starten, denn ihr nationaler Verband ist immer noch gesperrt.

Keine Institution des Sports geht seit der Aufdeckung des Staatsdoping-Skandals so rigide mit Russland um wie der Weltverband der Leichtathleten (IAAF). Obwohl als Motiv auch die Politur des eigenen schlechten Images wirkt, tut er gut daran. Andere Organisationen nahmen Russland schnell wieder in die Familie auf, allen voran das Internationale Olympische Komitee (IOC) und mit etwas Verzögerung auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), obwohl die Bedingungen gar nicht erfüllt waren. Die Leichtathleten hingegen verlängerten erst am Montag die Sperre, weil in Russland noch zu viel im Argen liegt. Wie begründet die Haltung ist, zeigt sich an der neuen Affäre um das Moskauer Kontrolllabor.

Die offiziell übermittelten Daten weichen von denen ab, die ein Whistleblower weitergab

Seit dem Wochenende gibt es den Verdacht, dass die zu Jahresbeginn von Russland an die Wada übermittelten Laborinformationen manipuliert sein könnten. Es geht um die Dokumentation aller Vorgänge aus den Jahren 2012 bis 2015, in denen das Labor Teil des Dopingsystems war. Nun will die Wada mit Hilfe der Daten weitere Verfahren gegen Sportler anstrengen. Doch offenkundig weichen die von Russland offiziell übermittelten Labordaten von den Labordaten ab, die die Wada von einem Whistleblower erhielt.

Russland hat drei Wochen Zeit, diese Diskrepanz zu erklären. Aber schon jetzt geht es um die Frage, welche Sanktionen drohen. Im Raum steht eine erneute Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada), wie dies bereits bis zum Herbst 2018 der Fall war. Solch ein Schritt wäre sinnvoll, sollte es keine nachvollziehbaren Erklärungen geben. Russland bekäme zu spüren, dass ein neuerliches Fehlverhalten harte Folgen hat.

Nur wäre eine Sanktion gegen die Rusada ein bisschen kurzgesprungen. Mit der Datenübergabe hat die Organisation nichts zu tun. Zudem ist just der neue Rusada-Chef Jurij Ganus jener russische Vertreter, der sich am (selbst)kritischsten gibt und Veränderungen einfordert. Deshalb geriet er schon manches Mal mit einflussreichen Figuren wie Sportminister Pawel Kolobkow oder Stanislaw Podsnjakow, dem Chef des Nationalen Olympischen Komitees, aneinander.

Anstatt nur um die Rusada müsste es vielmehr um die Frage gehen, ob Russland an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio teilnehmen darf. Und der organisierte internationale Sport müsste endlich diejenigen in Russlands Politik und Sportpolitik angehen, die das System prägen. Aber von deren Seite gab es trotz klarer Faktenlage bis heute nicht einmal ein Eingeständnis über das Ausmaß des staatlich orchestrierten Dopingbetruges. Der mit Russland eng vernetzte Sport nahm das einfach so hin.

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