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Russland bei der Fußball-WM:Russland fürchtet Mo Salah

Womit man bei der Frage angelangt wäre, was dieses 5:0 eigentlich sportlich wert ist. Trainer Tschertschessow sprach in der Pressekonferenz nach dem Präsidenten-Anruf nüchtern analytisch. "Wir haben ein Crescendo", sagte er in der Musiker-Sprache, und meinte damit eine Steigerung: erst der schwächste Gegner, dann mit Ägypten der mittelstarke, dann mit Uruguay der stärkste. "Die Gefahr, dass wir abheben, besteht nicht. Wir haben die Erfahrung aus dem Confederations Cup - da hatten wir das erste Spiel 2:0 gewonnen und es hat uns nichts gebracht", sagte Tschertschessow.

Russland schlug vor einem Jahr Neuseeland und schied trotzdem in der Gruppenphase aus. Ein großer Faktor im nächsten Spiel wird sein, ob Stürmer Mo Salah fit ist oder nicht, sagte Tschertschessow. "Mit ihm ist Ägypten noch stärker", sagte der Trainer und bedauerte sehr den Ausfall seines Regisseurs Alan Dsagojew, der ohne Gegnereinwirkung auf dem Feld zusammensackte und mit einer Muskelverletzung wahrscheinlich ausfallen wird. "Wir haben nicht so viele Spieler auf diesem Level", sagte Tschertschessow.

Auch darum meinte er, niemand müsse seiner Mannschaft "die Kronen vom Kopf nehmen". Es bestehe nicht die Gefahr, den Kontakt zur Realität zu verlieren. Er stimmte sogar seinem Trainerkollegen Juan Antonio Pizzi zu, der meinte, Russland habe habe heute gar keine so besondere Leistung für diesen Erdrutschsieg bringen müssen. Pizzi wurde übrigens von den saudischen Journalisten gefragt ob er - erstens - Russland überhaupt analysiert habe und - zweitens - ob er die Mannschaft während des Turniers weiter betreuen wird. Der stolze Argentinier ertrug das mit unterdrückter Wut.

"Wichtig ist, dass die Begeisterung im ersten Spiel im Land da ist", sagte Tschertschessow dann noch. Das ist die große Hoffnung und auch das Kalkül. Denn am ersten WM-Tag hat die Regierung in Moskau eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (von 18 auf 20 Prozent) und erstmals seit 80 Jahren eine Anhebung des Pensionsalter (bei Frauen von 55 Jahren auf 60 Jahren bis 2034, bei Männern von 60 auf 63 Jahren bis 2028) beschlossen. Ob der Präsident sich auch deswegen für das 5:0 bedankt hat, darüber sprach Tschertschessow natürlich nicht.

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© SZ.de/ebc/liv

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